Noch mehr Bedürftige freuen sich in Nidwalden über Waren, die sonst verderben würden

Die Freie Evangelische Kirche Stans startete eine Aktion gegen Foodwaste für Bedürftige. Die Nachfrage ist doppelt so gross wie erwartet.

Marion Wannemacher
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Nika Preisig hilft bei der Aktion der Freien Evangelischen Gemeinde in Stans mit, um Bedürftige mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Nika Preisig hilft bei der Aktion der Freien Evangelischen Gemeinde in Stans mit, um Bedürftige mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Bild: PD

Der Flyer macht Appetit: Ein knuspriges Baguette mit frisch geschnittenen Scheiben liegt auf einem Sackleinen neben zwei Ähren. Sich satt zu essen, ist für manchen in den Zeiten von Corona keine Selbstverständlichkeit mehr. Das weiss auch Matthias Loup, Pfarrer der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Stans. «Gerade Alleinerziehende, die im Gastgewerbe arbeiten, kommen an ihre Grenzen», betont er.

Seit 2015 engagiert sich die FEG Stans für die Aktion «Tischlein deck dich». Doch ausgerechnet jetzt haben man diese wegen des Sicherheitskonzepts nicht mehr durchführen können. «In kurzer Zeit kämen 30 bis 40 Menschen zusammen. Die von der Organisation vorgeschlagenen Zeitfenster von fünf Minuten wären für unsere Bezüger nicht durchführbar» ist sich Loup sicher. «Es wäre aber besonders schade, wenn die Aktion einfach ausfallen würde, denn wer jetzt betroffen ist, braucht es in besonderem Mass», hält er fest.

Statt 35 wurden 70 Haushalte mit 200 Personen versorgt

Auch sei das «Tischlein deck dich» sonst auf Personen beschränkt, die beim Sozial- und beim Asylamt angemeldete sind. Es gebe 35 Karten für Bezüger. Wer darüber hinaus komme, erhalte nichts. Via Facebook und übers Sozialamt machte die FEG Stans vergangene Woche ihre Aktion bekannt. Wer in finanzieller Not und froh um eine Nahrungsmittelspende sei, könne sich melden und erhalte eine Tasche mit Nahrungsmitteln. Gerechnet hatte die Kirchgemeinde mit 20 bis 30Haushalten. Statt dessen meldeten sich 70 mit insgesamt 200 Personen. «Für diese Woche rechnen wir sogar mit noch mehr», so Loup.

In vier verschiedenen Schichten arbeiten die Freiwilligen Helfer, zu denen auch solche zählen, die nicht zur FEG gehören. Zwei bis drei Helfer holen bei verschiedenen Coop-Filialen, bei Lidl Stans, Volg und einem Bäcker im Dorf überschüssige Ware ab. In verschiedenen Gruppen zu fünft packen andere bei Einhaltung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands die Waren in Säcke ab, andere wieder liefern sie aus, 20 Helfer braucht es pro Aktion. «Wir machen das, weil nach meinem Verständnis der Auftrag der Kirche ist zu helfen, wo man kann» sagt der 32-Jährige schlicht.

«Das Bedürfnis ist da, wir haben vor, weiter zu machen», erklärt der Pfarrer. Wöchentlich einmal finden die Verteilaktionen nun statt, immer am Mittwoch. Ganz unterschiedliche Waren seien beim ersten Mal zusammen gekommen, zählt er auf: «Kartoffeln, Brot, Salate, Früchte, Joghurts, Guetsli, Osterhasen und Sandwiches».

Die Reaktionen der Leute seien sehr positiv ausgefallen. Und auch das gibt es: «Jemandem geht das Herz auf und es ergibt sich ein intensives Gespräch über den Gartenhag beim Ausliefern». Matthias Loup erhielt WhatsApps und Sprachnachrichten. Jemand habe fast geweint, berichtet er. Einfach falle es den meisten nicht, etwas anzunehmen, da existiere schon eine Hemmschwelle, ist sich der Nidwaldner bewusst. Mancher habe sich gar wortreich erklären wollen, warum er Nahrungsmittel beziehen möchte. In solchen Fällen unterbricht Loup denjenigen freundlich und sagt einfach: «Hey, ist okay, wir bringen's einfach».

matthias.loup@feg-stans.ch oder Tel. 079 723 35 64