Nun muss die Politik die Weichen für die Stanser Kreuzstrasse stellen

Auf dem Areal Kreuzstrasse können die Raumbedürfnisse für ein Sicherheitskompetenzzentrum abgedeckt werden. Zu diesem Schluss kommen die Planerteams im Rahmen der Testplanung. Nun müssen die künftigen Nutzer bestimmt und die weiteren Entwicklungsschritte abgeleitet werden.

Philipp Unterschütz/Simon Zollinger
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Das Areal Kreuzstrasse, wo ein neues Sicherheitskompetenzzentrum entstehen soll.

Das Areal Kreuzstrasse, wo ein neues Sicherheitskompetenzzentrum entstehen soll.

Bild: Corinne Glanzmann
(Stans, 18. September 2019)

Der Kanton Nidwalden beabsichtigt, auf dem Areal Kreuzstrasse ein modernes Sicherheitskompetenzzentrum zu realisieren. Heute befinden sich auf der kantonseigenen Liegenschaft die Kantonspolizei, das Gefängnis, das Amt für Justiz, die Staatsanwaltschaft, das Verkehrssicherheitszentrum und das Strasseninspektorat. Viele der Gebäude sind alt, weisen erheblichen Erneuerungsbedarf auf und erschweren die funktionalen Abläufe im Alltag.

Eine einjährige Planungsphase mit drei Planerteams, die den Auftrag hatten, Lösungsansätze für die künftige Ausgestaltung des rund 33'000 Quadratmeter grossen Areals aufzuzeigen, ist vor kurzem zu Ende gegangen. «Auch wenn die Teams unterschiedliche Ansätze angewendet haben, hat die Testplanung offenbart, dass das Anforderungsprofil an ein künftiges Sicherheitskompetenzzentrum grundsätzlich eingehalten werden kann», bilanziert Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser, Mitglied des Steuergremiums. Ausgehend von den bereits angesiedelten Verwaltungseinheiten und Organisationen und deren künftigen Bedürfnissen sowie der Einbindung von Stützpunktfeuerwehr und Ret-tungsdienst, kann das Raumprogramm auf dem Areal untergebracht werden. Der Standort erweist sich insbesondere für Blaulichtorganisationen gerade wegen seiner Anbindung an die A2 als ideal. «Nachdem nun klar ist, dass die grundsätzlichen Raumbedürfnisse der Nutzer gemäss Landratsauftrag erfüllt werden könnten, muss die Politik nun entscheiden, ob es auch sinnvoll ist, dass alles an der Kreuzstrasse untergebracht wird», so Karin Kayser.

Die Nidwaldner Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser.

Die Nidwaldner Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. September 2019)

Gebäude sollen dem Kanton Flexibilität ermöglichen

Da verschiedene Nutzungen wie das Strasseninspektorat, das Verkehrssicherheitszentrum oder gegebenenfalls die Feuerwehr grosse Aussen- und Erdgeschossflächen in Anspruch nehmen würden, konnte keines der drei Planerteams Landreserven aufzeigen. «Nutzer wie die Polizei, Feuerwehr oder 144 brauchen ebenerdige Flächen, um mit ihren Fahrzeugen ausrücken zu können», erklärt Karin Kayser. Die intensive Nutzung der Aussenflächen hat im Verlauf der Projektarbeiten zudem zur Einsicht geführt, dass es schwierig ist, qualitativ hochwertige Freiräume für die Mitarbeitenden, Kunden und die Öffentlichkeit bereitzustellen, wie im Synthesebericht zur Testplanung festgehalten wird, der nun im Entwurf vorliegt und bis Ende Jahr finalisiert werden soll.

Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Areal werden daher durch die Aufstockung einzelner Gebäude vorgeschlagen. Überhaupt seien die Gebäude möglichst nutzungsneutral zu konzipieren, sodass sich diese an verändernde Bedürfnisse leicht anpassen lassen und der Kanton auf längere Sicht eine hohe Flexibilität behält. Dabei wurden auch zunehmende Bedürfnisse betreffend Homeoffice im Auge behalten. «Die Planer orientieren sich am modernen Bürobau, es werden viele Grossräume geschaffen, die man gegenseitig nutzen kann. Dazu gehören auch Arbeitsplätze mit Dockingstations, die flexibel genutzt werden können.»

Ein weiterer Fokus liegt auch auf dem Gefängnis. Wie kürzlich im Landrat diskutiert wurde, ist das jetzige nicht mehr für alle Zwecke geeignet. Dies wird künftig nicht mehr der Fall sein. «Auch das Gefängnis muss in der Nutzung absolut flexibel sein», betont Karin Kayser. «Zur Weichenstellung gehört aber auch der Entscheid, ob wir künftig sämtliche Kernaufgaben der Sicherheit selber steuern wollen, also den ganzen Sicherheitsablauf bei uns behalten, oder ob wir Teile davon von aussen, also von anderen Kantonen, beziehen.»

Bezüglich der Verkehrsführung ausserhalb des Areals wurde sichergestellt, dass Freiräume für die Entwicklung im Bereich des Kreisels Kreuzstrasse geschaffen werden. Dieses Vorgehen, das zu erstellende kantonale Gesamtverkehrskonzept wie auch die Arealentwicklung Kreuzstrasse selbst werden zukünftig laufend miteinander koordiniert werden müssen, um gegenseitig die neuen Erkenntnisse einfliessen zu lassen.

Mehr Zeit für den politischen Prozess

Der Regierungsrat hat am vergangenen Samstag die Landrätinnen und Landräte zu einer fakultativen Veranstaltung eingeladen und über den Stand des Verfahrens und die Kernbotschaften des Syntheseberichts informiert. «In Kommissionssitzungen oder an einer Landratssitzung wäre es nicht möglich gewesen, den Planungsprozess und die gewonnenen Erkenntnisse so vertieft zu erläutern», so die Regierungsrätin.

Auf Basis der Testplanung, die noch kein Bauprojekt auslöst, gilt es nun, den «Bestellkatalog» zu konkretisieren. Welche kantonalen Aufgaben sollen in Zukunft auf dem Areal erfüllt werden? Macht eine Zentralisierung von Verwaltungseinheiten an der Kreuzstrasse Sinn? Auf diese und weitere Fragen sind auf politischer Ebene Antworten zu geben. Für diesen Schritt hat der Regierungsrat aufgrund von Rückmeldungen des Landrats Tempo aus dem ursprünglichen Zeitplan genommen. «Wir möchten uns für den politischen Dialog mehr Zeit nehmen. Der Landrat, seine Kommissionen und weitere relevante Anspruchsgruppen sollen sich in Ruhe mit den gewonnenen Erkenntnissen befassen können und aktiv an der Weichenstellung mitwirken», so Karin Kayser weiter. Bis im Sommer 2021 soll dieser Prozess mit dem effektiven Bestellkatalog abgeschlossen werden. Ohne diesen macht eine weitere räumliche und planerische Auseinandersetzung mit dem Areal wenig Sinn.

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