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OB-/NIDWALDEN: Bauerntochter klopft bei den Bauern an

In einer ­Alpnacher Parketthalle sollen im November Dutzende ­Katzen kastriert werden. ­Organisiert wird die Aktion von einer jungen Buochserin.
Adrian Venetz
Flavia Zimmermann auf dem elterlichen Hof mit Hündin Sheila. (Bild Corinne Glanzmann)

Flavia Zimmermann auf dem elterlichen Hof mit Hündin Sheila. (Bild Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

Schätzungen zufolge leben rund 1,5 Millionen Katzen in der Schweiz. Tierschutzorganisationen sprechen von einer Überpopulation. Das Problem: Viele Tiere – vor allem in landwirtschaftlich geprägten Gebieten – werden nicht kastriert. Seit Jahren werden deshalb Kastrationsaktionen durchgeführt, meist auf ehrenamtlicher Basis von Tierschutzorganisationen.

Die Buochserin Flavia Zimmermann plant nun im Rahmen ihrer Maturaarbeit eine solche Kastrationsaktion speziell für Ob- und Nidwalden. Durchgeführt wird sie am 12. November in einer Produktionshalle der Schmid Parkett AG in Alpnach. Der spezielle Ort ist nicht zufällig ausgewählt: Flavia Zimmermann wird nämlich tatkräftig unterstützt von Susann Schmid, Geschäftsführerin der Parkettfirma. Schmid ist ehrenamtlich für die Tierschutzorganisation «NetAP» (Network for Animal Protection) tätig. Diese führt regelmässig Kastrationseinsätze durch oder bietet ihre Unterstützung an, wenn Privatpersonen – wie eben Flavia Zimmermann – eine solche Aktion organisieren.

«Teils katastrophale Zustände»

«Es wäre falsch, zu sagen, dass nur die Bauern an der Überpopulation von Katzen schuld seien», sagt Flavia Zimmermann. Allerdings sei es nicht von der Hand zu weisen, dass auf Bauernhöfen häufig viele unkastrierte Katzen leben und sich unkontrolliert vermehren. Vereinzelt gebe es auch in Ob- und Nidwalden Gebiete, wo «teils katastrophale Zustände herrschen», ergänzt Susann Schmid. Die Folge: kranke oder verwahrloste Katzen, um die sich niemand kümmert. Dies wiederum ärgere Anwohner, sagt Schmid, und erinnert an den Fall in Sachseln im vergangenen Jahr, als ein pensionierter Mann mit einem Kleinkalibergewehr auf Katzen schoss. Zudem, so berichtet Susann Schmid, gebe es noch immer Bauernhöfe in der Region, wo Katzen einfach erschossen oder ertränkt würden, um eine Überpopulation zu verhindern.

Mit der Kastrationsaktion will Flavia Zimmermann deshalb vor allem Landwirtschaftsbetriebe ansprechen, die viele zugelaufene oder verwilderte Katzen beherbergen. In der nächsten Ausgabe des Bauernblatts für die Kantone Ob-/Nidwalden und Uri stellt sie ihr Projekt vor. Zudem ruft sie die Bauern zur Teilnahme an einer Online-Umfrage auf. Dabei möchte die Buochserin erfahren, wie die Bauern ganz allgemein zum Thema Katzenkastration stehen.

Für Ärzte eine Routinesache

An der Aktion vom 12. November sollen in erster Linie wilde und zugelaufene Katzen kastriert werden. Dafür stehen auch Fallen zur Verfügung. Die Tiere werden von einem freiwilligen Helfer abgeholt, in Alpnach kastriert und am anderen Tag wieder zurückgebracht. Bei Katern dauert der Eingriff nur wenige Minuten. Bei Weibchen dauert es etwas länger, aber auch hier ist die Operation für Tierärzte eine Routineangelegenheit.

Keine Gratisaktion für alle Besitzer

Für die Bauern entstehen dabei grundsätzlich keine Kosten – eine finanzielle Beteiligung wird aber gerne angenommen. Es sei keine Gratisaktion für «normale» Katzenbesitzer, die einfach kein Geld für die Kastration ausgeben möchten, betont Flavia Zimmermann. «Ich will nicht in Konkurrenz zu den Tierärzten stehen.»

Wie viele Katzen schliesslich in der Fabrikationshalle in Alpnach kastriert werden, ist noch schwer abzuschätzen. «Mindestens 30 müssen es sein, damit die Aktion von NetAP durchgeführt wird», sagt Flavia Zimmermann. «Schliesslich kommen extra ehrenamtlich arbeitende Tierärzte und weitere Helfer nach Alpnach.» Gut möglich übrigens, dass Flavia Zimmermann in einigen Jahren selbst zum Skalpell greift. Die Kollegischülerin will nach der Matura Veterinärmedizin studieren.

Flavia Zimmermann ist sich bewusst, dass man mit einer einzelnen Kastrationsaktion das Problem der Überpopulation von Katzen nicht lösen kann. «Es geht auch darum, die Menschen zu sensibilisieren.» Auf ihrem elterlichen Bauernhof in Buochs leben selbst vier Katzen. «Und natürlich sind alle kastriert», merkt sie schmunzelnd an.

Hinweis

Über die Kastrationsaktion wird im nächsten Bauernblatt vom Mittwoch, 20. Juli, informiert. Bauern können sich auch direkt melden bei Flavia Zimmermann (041 620 30 64, flaviazimmermann@gmx.ch) oder bei Susann Schmid (Telefon 041 670 32 82 82, schmid-parkett@bluewin.ch).

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