OB-/NIDWALDEN: Bund verdirbt die Lagerfreude

Der Bund will weniger Geld für die Jugendlager ausgeben. Vor allem kleinere Vereine könnte die Kürzung schmerzen.

Matthias Piazza
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Teilnehmerin des Nidwaldner Tenero- Lagers 2014 beim Beachvolley. (Bild Philipp Unterschütz)

Teilnehmerin des Nidwaldner Tenero- Lagers 2014 beim Beachvolley. (Bild Philipp Unterschütz)

Matthias Piazza

7.60 Franken pro Tag und Teilnehmer erhielt bis jetzt ein Lager aus den Bundesbeiträgen für Jugend und Sport (J+S). Davon profitieren auch zahlreiche Lager in Nidwalden und Obwalden. So etwa das Nidwaldner Schulpolysportlager in Tenero oder Lager von Pfadi, Jungwacht und Blauring, ferner solche von zahlreichen grösseren und kleineren Vereinen. Ihre Verantwortlichen dürften leer geschluckt haben, als sie von der Absicht des Bundesamtes für Sport (Baspo) erfuhren. Dieses will ab dem 1. August dieses Jahres die Beiträge um einen Viertel kürzen – von 7.60 auf 5.70 Franken pro Tag und Teilnehmer.

Das alljährlich stattfindende einwöchige Nidwaldner Schulsportlager in Tenero mit rund 100 Teilnehmern erhielt bis jetzt 5000 Franken vom Bund, 20 000 vom Kanton, die restlichen 20 000 steuerten die Teilnehmer bei. «Die Durchführung des Lagers ist nicht gefährdet», beruhigt Philipp Hartmann, Leiter des Amtes für Sport Nidwalden. Doch er rechnet mit 1000 Franken weniger J+S-Beiträgen. «Der Kanton würde dann wohl in die Lücke springen, sprich den fehlenden Betrag berappen.»

Budgets sind bereits gemacht

Schmerzhafter könnte die Kürzung für die Vereine werden. «Im vergangenen Jahr zahlten wir rund 400 000 Franken J+S-Gelder an die Vereine für ihre Trainings und Lager aus», hält Philipp Hartmann fest. Die Einsparung von einem Viertel könne die Vereine empfindlich treffen. Viele seien darauf angewiesen, auch wegen der ehrenamtlichen Leiter, da das J+S-Geld oft direkt an die Leitenden weitergegeben würde. Als zusätzliches Problem komme dazu, dass die Kürzung zu einem Zeitpunkt kommuniziert worden sei, an dem die meisten Vereine ihre Budgets für das diesjährige Sommerlager bereits erstellt hätten. Philipp Hartmann würde eine Kürzung darum bedauern. «Beiträge für J+S zahlen sich mehr aus als teure Gesundheitskampagnen», ist er überzeugt.

Erhöhung wäre «nicht fair»

«Es ist noch nicht klar, wie wir die Kürzung der J+S-Beiträge von 25 Prozent für unser kantonales Sommerlager kompensieren sollen», sagt André Kiser, Leiter des Amtes für Kultur und Sport Obwalden auf Anfrage unserer Zeitung. «Die Ausschreibung für unser Tenerolager ist schon gedruckt, den Teilnehmerbeitrag rückwirkend zu erhöhen, erachten wir als nicht fair.» Gesamthaft erhalten die Obwaldner Vereine für ihre Lager und J+S-Tätigkeiten zukünftig rund 100 000 Franken weniger an J+S-Beiträgen als im Jahr zuvor. «Erschwerend kommt hinzu, dass die Vereine ihre Budgets für die diesjährigen Sommerlager schon erstellten und von höheren Einnahmen ausgingen.»

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. So forderte unlängst der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber in einem Postulat den Bundesrat auf, die Beitragskürzung per 1. August 2015 rückgängig zu machen. Sein Vorstoss wird vom Parlament im Juni behandelt. Dass Sport- und Jugendvereine ab August massiv weniger Bundesunterstützung erhalten sollen, ist für ihn schlichtweg «ungerecht», wie er im Postulat schreibt.

«Hauruckübung»

Auch die Kinder- und Jugendverbände, darunter Jungwacht Blauring Schweiz, fordern in einer gemeinsamen Stellungnahme, die «Hauruckübung» zu stoppen. Es sei unverständlich und absolut inakzeptabel, dass die Beiträge so kurzfristig und einschneidend reduziert würden. Grund für die Kürzungen sind laut Baspo, dass die für 2015 budgetierten 75 Millionen Franken J+S-Gelder bis Ende Jahr nie und nimmer ausreichen würden. Die Gelder für J+S-Angebote können vom Baspo jederzeit – je nach Budget – angepasst werden. Die Lagerbeiträge sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Zahlte der Bund 2008 noch 5.56 Franken pro Tag und Teilnehmer, sind es seit Inkrafttreten des neuen Sportförderungsgesetzes vor drei Jahren 7.60 Franken. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr schweizweit 63 719 J+S-Lager und -Kurse mit 850 000 Teilnehmern durchgeführt.

«Kürzung ist nicht lustig»

Der Haltung von Jungwacht Blauring Schweiz schliesst sich auch Daniela Käslin von der regionalen Arbeitsstelle Jungwacht Blauring Obwalden/Nidwalden an. «Die Kürzung der J+S-Gelder um einen Viertel bedeutet für die Scharen eine massive finanzielle Einbusse.» Erschwerend komme hinzu, dass der Entscheid so kurzfristig gefallen sei und damit auch die Planungssicherheit leide. «Denn die Budgets für die Sommerlager sind bereits gemacht.»

«Eine solche Kürzung ist sicher nicht lustig», meint auf Anfrage Carmen Bolt, die das nächste Sommerlager des Blaurings Sarnen leitet. Sie rechnet mit 30 Kindern, das gibt für das sechstägige Lager einen J+S-Beitrag von rund 1000 Franken – statt 1400. 6600 Franken stammen aus Elternbeiträgen. Der Elternbeitrag von 220 Franken soll aber nicht erhöht werden. «Wir sind genug kreativ, um auch mit kleinerem Budget unser Lager zu gestalten.» Dennoch sei man künftig vielleicht vermehrt auf Spenden angewiesen.