OB-/NIDWALDEN: Die Grippewelle rollt an – aber früher als sonst

Der eine oder andere dürfte jetzt im Bett liegen oder einen Arbeitskollegen vermissen. Die Grippe hat auch unsere Region erreicht.

Drucken
Teilen
Die Grippe erwischte auch viele Ob- und Nidwaldner – aber früher als in anderen Jahren. Symbolb (Bild: ild: Nadia Schärli)

Die Grippe erwischte auch viele Ob- und Nidwaldner – aber früher als in anderen Jahren. Symbolb (Bild: ild: Nadia Schärli)

Die Gäste des Restaurants Pappalappa (Gasthaus zum Landenberg) in Sarnen standen am Freitagabend unerwartet vor verschlossenen Türen. Die Grippe hatte vier der sechs Mitarbeiter praktisch innert Stunden erwischt. «Am Nachmittag zeigten immer mehr Angestellte Anzeichen einer Grippe, sodass es keinen Sinn mehr machte, das Restaurant am Abend wieder zu öffnen», sagt Pächter Peter Muff, der praktisch allein das Muffis-Nachtrestaurant im Erdgeschoss des Hauses managte. Auch am Samstag und Sonntag war das Restaurant ausserplanmässig geschlossen. Fast zwanzig Reservierungen mussten annulliert werden.

«In meinen 25 Jahren als Wirt musste ich noch nie wegen der Grippe schliessen.» Den materiellen Schaden konnte er nicht genau beziffern. Er dürfte sich aber in Grenzen halten, zumal seit gestern alle Mitarbeiter wieder im Einsatz stünden und der Restaurantbetrieb wieder vollumfänglich habe aufgenommen werden können.

Lehren aus diesem Zwischenfall zu ziehen, sei wohl schwierig. «Impfen ist auch keine Garantie», weiss er aus eigener Erfahrung. «Als ich mich vor Jahren als Einziger der Crew impfen liess, wurde gerade ich krank.» Dass bei einem längeren Ausfall der Konkurs drohe, könne er dank Betriebsausfallversicherung ausschliessen. Die habe er jedoch wegen zweieinhalb Tagen nicht in Anspruch nehmen wollen. So hoffe er auf weitere 25 Jahre grippefreien Betrieb.

Hausarzt empfiehlt Impfung

«Die Grippe kommt rund einen Monat früher als sonst», stellt der Alpnacher Hausarzt und Präsident der Obwaldner Hausärztevereinigung OW-Cura, Gregor Duss, fest. Die Zahl der Grippepatienten sei aber im Vergleich zu anderen Jahren nicht überdurchschnittlich hoch. Rund jeder fünfte seiner Patienten sei von der Grippe betroffen. Da man die Grippe, einmal ausgebrochen, nicht behandeln könne, sondern nur deren Symptome wie Husten oder übermässige Schleimbildung, empfiehlt Gregor Duss allen Leuten, sich regelmässig gegen Grippe zu impfen. «Das ist die beste und wirksamste Vorbeugung.» Einen weiteren Appell richtet er an die Arbeitgeber: «Viele Patienten gehen zum Arzt, weil sie ein Arztzeugnis brauchen, in vielen Fällen schon am ersten Tag und auch wenn sie schon jahrelang bei derselben Firma arbeiten. Dies verursacht unnötig hohe Gesundheitskosten», meint Gregor Duss.

«Wir haben im Moment recht viele Grippepatienten im Spital, vor allem solche mit Komplikationen», sagt Thomas Kaeslin, Chefarzt Innere Medizin des Kantonsspitals Obwalden. Das habe dieses Jahr bereits vor Weihnachten angezogen, und seit den Feiertagen habe man dauernd gut zu tun mit dieser Grippewelle. Gemäss Kaeslin seien es vor allem ältere Lungen- und/oder Herzkranke, welche durch die Grippe eine schwere Bronchitis oder eine Lungenentzündung erleiden und nicht ambulant behandelt werden könnten.

Auch in der Notfallpraxis und auf der Notfallstation seien die Konsultationen wegen Grippefällen angestiegen. «Viele Patienten sehen wir jedoch gar nicht bei uns, weil sie bereits gut durch die Hausärzte betreut werden oder die Grippe zu Hause auskurieren.» Von der Häufigkeit der Hospitalisationen und der Schwere der Erkrankungen her sieht Thomas Kaeslin dieses Jahr ein schwereres Grippejahr als 2015/ 2016, jedoch ein geringeres als im Winter 2014/2015.

Grippewelle früher als in anderen Jahren

Das Kantonsspital Nidwalden in Stans meldet zurzeit keine massiv erhöhten Patientenzahlen wegen der Grippe. «Zurzeit bewegt sich alles in normalem Rahmen», sagt Mediensprecherin Anja Radojewski. «Im Gegensatz zu anderen Jahren hat uns die Grippewelle einfach früher erreicht.» So seien bereits seit etwa zweieinhalb Wochen Grippepatienten hospitalisiert. «Normalerweise startet die Grippesaison erst richtig Mitte Januar bei uns», so Anja Radojewski.

 

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch