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OB-/NIDWALDEN: Die Kapazitätsgrenze auf der Autobahn ist erreicht

Fast täglich stockte in diesen Tagen der Verkehr auf der A 2 und der A 8 in Richtung Luzern. Ein Vorgeschmack auf einen künftigen Dauerzustand?
Philipp Unterschütz
Auf der A 2 – hier vor der Ausfahrt Hergiswil – nimmt der Verkehr immer mehr zu. (Bild Roger Gruetter)

Auf der A 2 – hier vor der Ausfahrt Hergiswil – nimmt der Verkehr immer mehr zu. (Bild Roger Gruetter)

Philipp Unterschütz

Wer in den vergangenen Tagen auf den Autobahnen rund um den Lopper unterwegs war, brauchte Geduld. Insbesondere in den Stosszeiten ging es vor allem in Richtung Luzern öfter nur noch im Schritttempo vorwärts. Der Ferienverkehr auf der Nord-Süd-Achse und der Agglomerationsverkehr zeigten die Kapazitätsgrenzen des Strassensystems auf.

Richard Kocherhans, Filialchef des Bundesamts für Strassen (Astra) in Zofingen, sagt, das Verkehrsaufkommen auf dem Nationalstrassennetz habe sich in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt. «2015 verzeichneten wir ein generelles Wachstum von 4,2 Prozent – dies ist überdurchschnittlich hoch. Auf einzelnen Abschnitten messen wir auch Zunahmen im zweistelligen Prozentbereich. Dazu zählen die A 2 oder die A 8 in Nid- und Obwalden aber nicht.» Die automatische Verkehrsmessstelle des Astra beim Schlundtunnel in Horw verzeichnete im Juli 2016 einen durchschnittlichen täglichen Verkehr von gesamthaft rund 74 000 Fahrzeugen, in Fahrtrichtung Luzern waren es rund 38 000. «Das ist gegenüber dem Vorjahr eine leichte Zunahme von etwa 1000 Fahrzeugen – aber das könnte bereits gereicht haben, um die kritische Grenze zu erreichen», sagt Richard Kocherhans.

Polizei kann nicht viel tun

Auch die Polizei in Ob- und Nidwalden hat festgestellt, dass das System am Anschlag ist. «Die kleinste Störung führt zu Staubildung oder Ausweichverkehr auf das untergeordnete Strassennetz», sagt Martin Kathriner, stellvertretender Leiter der Obwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Viel machen kann die Polizei gegen das Verkehrsaufkommen nicht. «Wir können nur versuchen, den Verkehrsfluss bestmöglich offen zu halten», sagt Lorenz Muhmenthaler, Leiter der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. «Bei Unfällen wird die Unfallstelle schnellstmöglich geräumt, auch temporäre Geschwindigkeitsreduzierungen können zu flüssigerem Verkehr beitragen.» Martin Kathriner ergänzt, dass es bei extremen Lagen sogar vorkommen könne, dass man einzelne Ausfahrten sperren müsse, damit der Verkehr nicht auch noch auf dem untergeordneten Strassennetz zusammenbreche.

Die Polizei steht dafür in ständigem Informationsaustausch mit dem Astra, der Luzerner Polizei und der Verkehrsmanagementzentrale in Emmen.

Doch die Aussagen zeigen auch die Machtlosigkeit gegenüber der Verkehrsüberlastung. Die Bevölkerung in Nid- und Obwalden nimmt stetig zu, und der Wirtschaftsmotor brummt. Im Raum Luzern Süd stehen gewaltige Projekte vor der Realisierung mit über 2000 Wohnungen und Tausenden von Arbeitsplätzen (wir berichteten). Zusammen mit der generellen Verkehrszunahme ist es absehbar, dass es auf den Autobahnen A 2 und A 8 noch enger wird.

Doch noch ist der Grossraum Lopper keiner der schlimmeren Kapazitätsengpässe auf dem Schweizer Nationalstrassennetz. Dementsprechend stehen Projekte zur Engpassbeseitigung auf der A 2 und der A 8 weit unten auf der Liste des Astra. Bereits hat das Schweizer Parlament 1,4 Milliarden Franken freigegeben, vor allem für Projekte in der Westschweiz und im Raum Zürich. Eine weitere Milliarde für das erste Modul der Engpassbeseitigung hat der Bundesrat beantragt. Auch im Modul 2 – bezeichnet als vordringlicher Bedarf – befinden sich keine Projekte, welche unmittelbar die Region Nid-/Obwalden/Luzern betreffen.

Bypass Luzern noch in weiter Ferne

In Arbeit ist einzig das Projekt Hergis­wil–Luzern. «Dieses sieht eine Umnutzung des Pannenstreifens als dritte Fahrspur von der Verzweigung Lopper bis zum Tunnel Schlund in Fahrtrichtung Luzern vor», erklärt Richard Kocher­hans. «Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Massnahme den Verkehrsfluss verbessern wird. Die Realisierung ist in den Jahren 2019 bis 2021 geplant.» Eine wichtige Entlastung soll auch der Bypass Luzern bringen, der zum dritten Modul der Engpassbeseitigung gehört. Doch dieser neue Tunnel für rund 1,7 Milliarden Franken zwischen dem Spiertunnel in Horw und der Verzweigung Rotsee wird frühestens ab 2025 gebaut. Weitere Massnahmen wie der Ausbau der A 8 gehören zum vierten Modul, bei dem mit Zeithorizonten von über 30 Jahren gerechnet werden muss.

Fahrstil hat Folgen

In den nächsten Jahren müssen sich Pendler in der Region wohl immer öfter in Geduld üben. Das Astra, das sich kürzlich für Tempo 80 an neuralgischen Stellen starkmachte, kann sich eine derar­tige Lösung auch auf der A 2 vorstellen. «Bei hohem Verkehrsaufkommen kann der Verkehr mit der Höchstgeschwindigkeit 80 verflüssigt werden. Sollte sich das Problem auf der A 2 zwischen Stans und Luzern weiterhin zeigen, ist zu prüfen, ob eine Temporeduktion in Spitzenzei­ten eine Entlastung bringen kann», sagt Richard Kocherhans. Auch die Verkehrsteilnehmer könnten zur Verhinderung von Staus beitragen. Ein gleichmässiger Fahrstil ohne Hektik und Drängelei mit genügend Abstand führe zu einem flüssigeren Verkehr, weniger Unfällen und weniger Störungen, sagt Martin Kathriner.

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