Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OB-/NIDWALDEN: Dieses Bruder-Klaus-Spiel umfasst 11 367 Verse

Im Jahr 1601 ist das Bruderklausenspiel Johann Zurflües aus Stans auf dem Sarner Dorfplatz aufgeführt worden. Nun wurde die Handschrift aus dem Archiv geholt und in einem spannenden Buch neu aufgearbeitet.
Romano Cuonz
Heidy Greco-Kaufmann (links) und Elke Huwiler mit ihrem neuen Buch zu Bruder Klaus. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 9.November 2017))

Heidy Greco-Kaufmann (links) und Elke Huwiler mit ihrem neuen Buch zu Bruder Klaus. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 9.November 2017))

Am 16. und 17. September des Jahres 1601 – gut 100 Jahre nach dem Tod von Bruder Klaus – wurde in Sarnen «ein schön lustiges und nüwes spill» aufgeführt, in dem «landtlüth von ob- und nidwalden» auftraten. Ein unglaubliches Spektakel muss es gewesen sein. Nicht weniger als 11367 Verse umfasst der Spieltext des ältesten deutschsprachigen Bruderklausenspiels, das Johann Zurflüe verfasst und selber geleitet hatte.

Auf dem Dorfplatz agierten 101 Laienspieler. Darunter bedeutende Männer aus Ob- und Nidwalden. Ein Landschreiber Johannes Wirz etwa übernahm die Rolle des Herolds. Der spätere Landammann Hans Imfeld lieh seine Stimme gar dem Teufel Asmodeus. Die vielen Geistlichen im Spiel wurden meist von Pfarrherren gemimt. Ja sogar ein späterer Abt des Klosters Engelberg stand auf der Bühne.

Hochreligiös und weltlich zugleich

Unglaublich engagiert muss die Truppe gespielt haben. Der Jesuit Petrus Frank jedenfalls schrieb als Augenzeuge in einem Brief: «Das in der Volkssprache aufgeführte Stück wurde von ungelernten Bauern gespielt und hat das Publikum zu Tränen gerührt.» Ein Publikum, das von weit her nach Sarnen geströmt sei.

Autor Johann Zurflüe, Pfarrer von Sarnen, wurde 1566 in Stans als Kind von Luzerner Bürgern geboren. Er war früh Vollwaise, doch die Luzerner schickten den intelligenten Knaben in die Hofschule. Später konnte er – dank einem Obwaldner Stipendium – in Mailand Theologie studieren.

Als Geistlicher in Luzern lernte er die Fastnachtsspiele auf dem Weinmarkt kennen. Neben dieser Erfahrung verwendete er für sein eigenes Bruderklausenspiel verschiedene, teils auch lateinische frühere Quellen. Geschickt ergänzte er sie, vor allem mit moralischen Reden. Bis heute war sein Spiel nur in einer einzigen säuberlichen Handschrift überliefert. Diese weckte das Inte­resse von Heidy Greco-Kaufmann, der Forschungsleiterin des Schweizerischen Archivs für darstellende Künste in Bern. «Dieses Spiel ist überaus spannend und farbig.» Dies dank seiner interessanten Mischung: Einerseits zeige Zurflüe Zuschauern sehr lehrhaft und anschaulich das Leben von Bruder Klaus, beginnend schon vor dessen Geburt und endend mit seinem Tod. Anderseits aber werde das fromme Spiel immer auch wieder durch fastnachtsspielartige Szenen unterbrochen. «Der Autor schildert theaterwirksam, wie viel Schlechtes in dieser Welt geschieht», sagt Heidy Greco-Kaufmann. Furios tritt der Teufel auf. Ein geiziger Kaufmann wird vom Blitz getroffen. Oder ein Knabe, der Böses angestellt hat, wird gehängt.

Das Hin und Her zwischen Unterhaltsamem und Hochreligiösem zeichne das moralisierende Stück aus. «Weil es so auch für heutige Leser Rückschlüsse auf die damalige Lebenswirklich- keit zulässt», weiss Greco-Kaufmann. Genau deswegen setze sie sich seit Jahren mit einem länderübergreifenden Projekt vehement für eine umfassende Erforschung solch katholischer Heiligenspiele in der Schweiz ein. Da sei eine Lücke zu schliessen.

Arbeit von unschätzbarem Wert

Der Idee, dieses alte Sarner Bruderklausenspiel andern Projekten vorzuziehen und schon im heurigen Gedenkjahr zu editieren, drängte sich auf. Für die enorme Arbeit hätte sich kaum jemand besser geeignet als die in Obwalden aufgewachsene Elke Huwiler. Die Wissenschafterin ist Mitarbeiterin an der Uni Amsterdam und ist heute auch an Forschungen in der Schweiz beteiligt. Voller Stolz präsentiert Elke Huwiler die fast 500-seitige neue Publikation, für die sie das Spiel vom ersten bis zum letzten Satz haargenau transkribiert hat. «Es ist für Innerschweizer heute noch recht gut lesbar», beteuert die Autorin.

«Zurflüe nimmt das Publikum an die Hand und sagt ihm ganz genau, welche Lehren es aus dem Stück ziehen muss, wenn es nicht in der Hölle schmoren will», sagt Huwiler. Auch die beiden Autorinnen lassen ihr Lesepublikum nicht allein: Mit Kommen­taren und Aufsätzen im Anhang beleuchten sie die theaterhistorischen Hintergründe des alten Stückes. «Es wäre sicher reizvoll, mit einer Neuaufführung einmal zu zeigen, wie damals Theater gespielt worden ist.»

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

«Das Sarner Bruderklausenspiel von Johann Zurflüe (1601)» vom Chronos-Verlag ist im Buchhandel für 53 Franken erhältlich.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.