OB-/NIDWALDEN: Für die übelsten Verbrecher zahlt der Staat

Die Kosten für Pflichtverteidiger sind für den Staat ein Verlustgeschäft. Sie tragen aber zu einem fairen Verfahren bei – auch wenns um Mörder geht.

Kurt Liembd
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Rechtsanwalt Karl Tschopp steht den Medien nach einem Prozess Red und Antwort. (Bild: Corinne Glanzmann)

Rechtsanwalt Karl Tschopp steht den Medien nach einem Prozess Red und Antwort. (Bild: Corinne Glanzmann)

Ein Kostenfaktor in der Justiz sind die sogenannten Pflichtverteidiger, welche Delinquenten wie Drogenhändler, Einbrecher, Vergewaltiger oder Mörder vor Gericht verteidigen. In der Regel auf Kosten der Steuerzahler. Einer, der sich im Business der Strafverteidigung auskennt, ist der Stanser Anwalt Karl Tschopp. Mit seinen zahlreichen Mandaten sei er in der Bevölkerung auch schon missverstanden worden, sagt er selber.

Beispiel: Kürzlich beantragte er für einen Autofahrer, der mit 2,4 Promille einen Velofahrer überfuhr und dessen Tod verursachte, einen Freispruch von fahrlässiger Tötung. Das Kantonsgericht Nidwalden hat Tschopps Antrag abgeschmettert und ist der Staatsanwaltschaft gefolgt, welche 30 Monate Gefängnis unbedingt verlangte. Obwohl Tschopp hier für seinen Mandanten nichts ausrichten konnte, erhielt er rund 20'000 Franken Honorar aus der Staatskasse. Dies deshalb, weil das Gesetz in diesem Fall einen Pflichtverteidiger vorschreibt und der Todesfahrer diesen nicht selber bezahlen kann.

Tschopp erklärt seine Aufgabe so: «Der Pflichtverteidiger unterstützt die beschuldigte Person im Strafverfahren und hilft ihr, ihre Interessen wahrzunehmen.» Die Verteidigung diene dem öffentlichen Interesse, sei jedoch unabhängig vom Staat und gewährleiste für die beschuldigte Person ein faires Verfahren.