OB-/NIDWALDEN: Historischer Brief unter dem Hammer

Er gehörte jahrzehntelang zu einer Privatsammlung. Nun ist ein Brief von 1798 eines gewissen Generals Schauenburg an die Öffentlichkeit gekommen. Er enthält eine brisante Forderung.

Marion Wannemacher
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In diesem Brief fordert General Schauenburg Nid-, Obwalden und das Kloster Engelberg auf, Unterwalden zu gründen. (Bild: PD)

In diesem Brief fordert General Schauenburg Nid-, Obwalden und das Kloster Engelberg auf, Unterwalden zu gründen. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

Der Sammlermarkt bietet immer mal wieder Überraschungen: Stücke, die lange in Privatbesitz sind, tauchen plötzlich an die Oberfläche und sorgen für Überraschungen. Ein nach Einschätzung des Auktionshauses Rölli-Schär AG «historisch einzigartiges Dokument» kommt am 16. und 17. Februar in Luzern unter den Hammer. Es handelt sich um einen Brief von 1798 von General Schauenburg, in dem dieser Nidwalden, Obwalden und das Kloster Engelberg ultimativ aufforderte, innert dreier Tage eine provisorische Regierung zu bilden und den in der neuen Helvetischen Verfassung vorgesehenen Kanton Unterwalden zu gründen.

«Jahrzehntelang war der Brief in einer Privatsammlung», weiss Christian Holling, der Sprecher des Auktionshauses Rölli-Schär AG. «Jetzt trennt sich der Sammler altershalber davon.» An der Echtheit des Dokuments gebe es offensichtlich keine Zweifel, allein das Siegel lasse darauf schliessen, bestätigt Holling. «République française» steht darauf zu lesen. Das Schreiben ist doppelseitig und fast 40 Zentimeter mal 24 Zentimeter gross. Diese Art Dokument tauche nicht so häufig auf, betont er: «Das ist nicht der Regelfall, dass wir so etwas versteigern dürfen, häufig befinden sich solche Schrift­stücke in Staats- oder Kantonshand.»

Versteigerung könnte auch «explodieren»

Den Startpreis hat das Auktionshaus mit 3000 Franken angesetzt. «Wie sich eine Verstei­gerung in einem solchen Fall entwickelt, ist überhaupt nicht vorhersehbar. Sie könnte auch explodieren und als Liebhaberstück durchaus 5000 Franken bringen», so der Sprecher. Muss man sich die Stimmung bei einer Auktion vorstellen wie im Film, oder läuft das eher unspektakulär ab? Christian Holling räumt ein, es gebe durchaus auch Hektik bei Bieterkämpfen. Die Kundschaft der Rölli-Schär AG, die mit Philatelie handelt, ist international, bietet zum Teil am Telefon oder Internet mit und möchte zum Teil auch anonym bleiben. Es sind Sammler, Händler und historisch Interessierte.

Wer am Brief Interesse hat, weiss Christian Holling bislang noch nicht. «Interessenten würden das sicher nicht bekannt geben, es würde mich nicht wundern, wenn sie anonym am Telefon mitbieten würden.»

Klar ist jedenfalls so viel: Nidwalden lehnte die Helvetische Verfassung trotz Androhung schlimmster Konsequenzen ab. Die Katastrophe durch den Überfall auf Nidwalden ist hinlänglich bekannt. Hunderte von Einheimischen und Schauenburgs Soldaten kostete sie das Leben.

1803 zwang Napoleon den Schweizer Kantonen die Mediationsverfassung auf. Auch Ob- und Nidwalden erhielten ihre kantonale Souveränität zurück.

Obwalden hat kein Budget fürs Mitbieten

Das Staatsarchiv Obwalden wird an einer Versteigerung nicht mitbieten. «Der Kanton beteiligt sich nicht am Handel mit Kulturgut, dafür steht kein Budget zur Verfügung, auch wenn ein Dokument historisch interessant ist», sagt Staatsarchivar Alex Baumgartner auf Anfrage. «Überhaupt finde ich es ethisch fragwürdig, wenn mit historischen Dokumenten Handel betrieben wird, die gemäss Adressat dem Kanton gehören.» Ganz auf das Dokument muss die Nachwelt trotzdem nicht verzichten. Das Staatsarchiv hat eine digitale Kopie erhalten.