OB-/NIDWALDEN: Jetzt folgt die Pause vor der Skisaison

Der Herbst war für die meisten Berg­bahnen nicht mehr so rekordverdächtig wie der Sommer. Jetzt läuft der Saison-Endspurt.

Martin Uebelhart und Philipp Unterschütz
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So präsentierte sich die Herbststimmung auf Melchsee-Frutt mit Blick zu den Berner Alpen am vergangenen Wochenende. Mittlerweile liegt dort der erste Schnee. (Bild Markus von Rotz)

So präsentierte sich die Herbststimmung auf Melchsee-Frutt mit Blick zu den Berner Alpen am vergangenen Wochenende. Mittlerweile liegt dort der erste Schnee. (Bild Markus von Rotz)

Martin Uebelhart und Philipp Unterschütz

«In diesem Herbst konnten wir nicht an die Rekordzahlen des Vorjahrs anknüpfen», sagt Peter Reinle, Leiter Marketing bei den Titlis-Bahnen. Bis und mit 1. November sind die Titlis-Bahnen noch in Betrieb. Vom 2. bis 13. November sind alle Anlagen für Revisionen ausser Betrieb. «Wenn der Schnee kommt, ist geplant, dass man vom 24. Oktober bis 1. November bereits Skifahren kann», so Reinle. Das Winter-Saisonabonnement ist am Titlis jetzt schon gültig. «Wir konzentrieren uns voll auf die neue Gondelbahn und den Ausbau der Beschneiungsanlage», betont er. Zum Start der Wintersaison am 12. Dezember werde die untere Sektion bis Trübsee in Betrieb gehen. Vor Weihnachten soll auch die obere Sektion nach Stand laufen, wie Reinle betont.

Verregnete Wochenenden

Bei den Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG hofft man bis zur Revisionspause noch auf schöne Herbsttage. «Der September war vom Wetter her nicht so toll», sagt die Marketingverantwortliche Nicole Odermatt. Insbesondere die Wochenenden seien mehrheitlich verregnet und neblig gewesen. Noch bis 1. November fahren die Bahnen, unter der Woche zu vergünstigten Preisen. «Und wir haben auch noch einige Events an den Wochenenden», so Nicole Odermatt. Am 28. November geht es los mit der Wintersaison.

Sehr zufrieden ist man mit dem Herbst auch bei den Brunni-Bahnen in Engelberg. Bis zum 15. November läuft die Luftseilbahn nach wie vor täglich, und der Sessellift ist unter der Woche je nach Wetterverhältnissen geöffnet. Bis zu diesem Datum ist noch ein Angebot für Senioren erhältlich mit einem Retourbillett aufs Ristis und einem Mittagsteller im Bergrestaurant. Vom 16. November bis zum Start der Wintersaison am 13. Dezember sind die Anlagen wegen Revisions- und Aufbauarbeiten nur an den Wochenenden in Betrieb.

Durchschnittlicher Herbst

«Mit dem Ende der Schönwettertage ist der Publikumsaufmarsch sicher zurückgegangen», sagt Daniel Dommann, interimistischer Geschäftsführer der Frutt-Sportbahnen. Allerdings hätten die Bahnen trotz Schnees vom Donnerstag immer noch zahlreiche Gäste inklusive vieler Handwerker im Endspurt bei der Frutt Family Lodge. Diesen Montag stellen die Bahnen den Publikumsbetrieb bis zum Wintersaisonstart am 12. Dezember ein. «Nach dem hervorragenden Sommer war der Herbst etwas verhaltener», sagt Dommann. Er nennt ihn durchschnittlich. Nicht zuletzt auch wegen des Wetters. «Doch vergangenes Wochenende hat sich wieder gezeigt, dass die Bahnen fast überrannt werden, wenn das Wetter mitspielt.» «Der September war auch bei uns leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre, aber dank des tollen Sommers haben wir insgesamt ein phänomenales Jahr», sagt Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhorn-Bahn. Der Bahnbetrieb läuft noch bis am Sonntag, 15. November, und wird mit einer «Uustrinkete» mit dem Jodlerklub Wiesenberg im Bergrestaurant beendet. In der folgenden technischen Revision der Bahnen bekomme die 123-jährige Standseilbahn nach 25 Jahren eine komplett neue Antriebssteuerung. Der Betrieb wird am Samstag, 9. April 2016, wieder aufgenommen.

Reduzierter Betrieb aufs Wirzweli

Zufrieden mit der Herbstsaison zeigt man sich auch bei der Luftseilbahn Dallenwil-Wirzweli AG.«Wir liegen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre», sagt Geschäftsführerin Hanny Odermatt. Ab Montag, 2. November, laufen bis zum 20. November die Revisionsarbeiten. Weil aber Schulkinder und Bewohner befördert werden müssen, fährt die Bahn auch in dieser Zeit in reduziertem Ausmass. «Zudem fahren wir bei schönem Wetter an den Wochenenden im Normalbetrieb, und auch das Alpenrestaurant und die Rodelbahn sind dann offen», ergänzt Hanny Odermatt.

Erste Pause für Panoramabahn

Vom 19. Oktober bis 6. November sind die Panorama-Gondelbahn und die Luftseilbahn am Pilatus wegen Revision für die Gäste nicht in Betrieb. Die Freizeitanlagen auf Fräkmüntegg sowie die Berg­restaurants Fräkmüntegg und Krienseregg bleiben dann auch geschlossen, wie die Bahnen melden. Die Zahnradbahn verkehrt gemäss Fahrplan ab Alpnachstad. «Sollte es Schnee geben, kann das zu Einschränkungen führen», räumt CEO Godi Koch auf Anfrage ein. Je nach Schneemenge könne mal der erste Kurs am Morgen ausfallen oder der Betrieb müsse ein, zwei Tage eingestellt werden. «Die Sicherheit steht an oberster Stelle», betont Koch.

Alle Bahnen bieten auf ihren Webseiten Informationen zu Servicezeiten und Fahrplänen an.

Wenn immer möglich soll es ohne Evakuation gehen

Während bei den Titlis-Bahnen die Sommersaison vorüber ist, hält ein Thema das Unternehmen dauernd auf Trab: Betriebssicherheit und Notfallkonzept. Man stelle sich vor: Auf der obersten Sektion der Bahn, zwischen Stand und Kleintitlis, muss eine Rotair-Kabine evakuiert werden, oder Sturm und Gewitter machen den weiteren Betrieb unmöglich, oder es bricht irgendwo Feuer aus. Der düsteren Fantasie in Bezug auf Notfälle sind kaum Grenzen gesetzt. Und trotzdem muss das Unternehmen auf alle möglichen Szenarien optimal reagieren können. Solche Szenarien werden bei Bergbahnen regelmässig durchgespielt, und der Sicherheit dienen auch die regelmässigen Revisionen (siehe Haupttext).

«Konzeption ist anlagenspezifisch»

«Wir müssen für Sesselbahnen, Pendelbahnen und Gondelbahnen dem Bundesamt für Verkehr (BAV) gegenüber den Beweis antreten, dass wir beim Stillstand einer Anlage in einer bestimmten Zeit – bei Gondel- und Pendelbahnen 31/2 Stunden, bei Sesselliften etwas weniger – die Passagiere auf einen sicheren Platz bringen können», erklärt Norbert Patt den Grundsatz. Der Geschäftsführer der Titlis-Bergbahnen hält fest, dass es für das Unternehmen nicht ein allgemein gültiges Notfallkonzept gibt. «Die gesamte Konzeption ist anlagenspezifisch und existiert schon sehr lange.» Bereits in den 1980er-Jahren, als die Seilbahngesetzgebung in Kraft trat, sei die «Bergung» ein Thema gewesen. «Die Seilbahnverordnung des Bundes hört sich eigentlich locker an. Im Detail gehen die Auflagen des BAV viel weiter und halten uns dauernd auf Trab», erklärt Patt. Es gebe auch laufend Änderungen technischer Art.

Die für den Abriss bestimmte Gondelbahn aus dem Jahr 1984 sah für Evakuationen noch eine Rettungsbahn vor. «Heute ist es unser Ziel, dass die Gäste bei der im Dezember neu zu eröffnenden Gondelbahn Engelberg–Trübsee–Stand nie die Fahrzeuge verlassen müssen. So lautet unser Credo.» Die neue Anlage sei mit so viel Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet, dass eine Evakuation gar nie notwendig werde.

Im Ernstfall zwei Ersatzmotoren

«Natürlich gibt sich das BAV mit dieser Überzeugung nicht zufrieden und verlangt von uns nach wie vor konventionelle Evakuationsszenarien», gibt Patt zu verstehen. Der neue Titlis-Express habe – der üblichen Norm entsprechend – neben dem Hauptantrieb in der Bergstation und einem dieselbetriebenen Notantrieb noch einen dritten, ebenfalls dieselbetriebenen Antriebsmotor in der Talstation. «Wir sind zudem mit Werkzeug und Material ausgerüstet, um die auf der Berg- und Talseite voll beladene Bahn bei einer Seilentgleisung wieder zurück in die Rolle zu bringen», ergänzt der Geschäftsführer. Ein brandneues System erlaubt es zudem, die gesamte Anlage online und visuell zu überwachen.

Bei der Rotair seien Notfälle noch anspruchsvoller, sagt Norbert Patt. Vor allem im Brandfall, wenn Kabinen evakuiert werden müssten, oder wenn Passagiere beim Stillstand tiefer gelegener Bahnanlagen oben am Berg festsässen. «Sturm und Gewitter können wir voraus erkennen und rechtzeitig den Personentransport einstellen», erklärt er. Lebensmittel und eine gewisse Anzahl Übernachtungsplätze seien oben am Berg vorhanden. Im Winter könne man – wenn Flüge nicht möglich seien – die festsitzenden Passagiere auch mit Pistenfahrzeugen erreichen.

Im Sommer schwieriger

«Schwieriger wird es im Sommer, wenn auf dem Kleintitlis der Anschluss über die Piste an die Zwischenstation Stand fehlt», räumt Patt ein. «Modernste Technik muss uns auch hier helfen, damit solche Notfälle erst gar nicht eintreten.» Seit Jahren arbeite das Unternehmen mit seinem Sicherheitsbeauftragten an diesem Ziel, und die Mitarbeiter würden intern und extern geschult. «Nichtsdestotrotz müssen wir gerüstet sein», betont der Geschäftsführer. Er zählt auch auf langjährige Betriebsangehörige an der Front. «Sie können mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen viel ausrichten.»

Schmerzhafte Reaktionen

Von der Tatsache, dass die Titlis-Bahnen dem Sicherheitsaspekt einen besonders hohen Stellenwert einräumen, sollen alle Kunden profitieren. Weil Engelberg und der Titlis jedoch von Gästen aus aller Welt besucht werden, hat die Bewältigung von Notfällen zusätzliche Bedeutung: «Wir wären bei Zwischenfällen möglicherweise mit immensen Schadenersatzforderungen vor allem aus der westlichen Welt konfrontiert. Der Tourismusmarkt in Asien reagiert darauf ebenfalls sehr sensibel, zumal dortige Zeitungen auch kleine Vorfälle oftmals dramatisieren. Wenn in der Folge die Gäste ausbleiben, kann das für Leistungserbringer unserer Branche schmerzhafte finanzielle Konsequenzen haben», betont Patt.

Primus Camenzind