OB-/NIDWALDEN: Kaum noch Hoffnung auf Blütenhonig

Das nasskalte Wetter bekamen auch die Bienenvölker zu spüren. Mit einer Blütenhonigernte ist in diesem Jahr kaum zu rechnen.

Richard Greuter
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Brigitte von Flüe kontrolliert bei ihrem Bienenhaus in Stalden die herausgeworfenen Brutmaden.

Brigitte von Flüe kontrolliert bei ihrem Bienenhaus in Stalden die herausgeworfenen Brutmaden.

«Wir werden dauernd angefragt, wann es frischen Bienenhonig gibt», erzählt Brigitte von Flüe, seit Februar Präsidentin des Bienenzüchtervereins Obwalden. Vor sechs Jahren besuchte die dreifache Mutter einen Grundausbildungskurs, und heute betreut sie mit Ehemann Ruedi rund 15 Bienenvölker. Doch vorerst muss die Imkerin ihre Kunden vertrösten. Statt dass die Bienen ausfliegen konnten, um Nektar zu sammeln, mussten sie im Stock bleiben und waren buchstäblich zum Nichtstun verurteilt.

Kleine Hoffnung

In den wenigen schönen Tagen im Mai sammelten die Bienen zwar etwas Nektar, aber in der nasskalten Zeit benötigen sie den Honig für sich, erzählt die begeisterte Imkerin. Jetzt, da sich das Wetter allmählich etwas bessert, hofft sie doch noch auf eine kleine Frühtrachternte: «Vielleicht gibt es doch noch etwas Blütenhonig.» Als Grund ihres Optimismus nennt sie die Höhe ihres Bienenstandes. Dieser stehe in Stalden ob Sarnen auf etwa 800 Meter, und da sei die Blütezeit noch nicht ganz vorbei.

Weniger Optimismus zeigt der Nidwaldner Präsident Hampi Krähenbühl. «Ich rechne mit einer Nullrunde», erklärte er kürzlich an einer Imkerberatung. Krähenbühl, der in Fürigen 14 Bienenvölker betreut, hofft allerdings auf eine alte Wetterregel, welche besagt, dass auf einen schlechten Mai ein schöner Sommer folgt. «Vielleicht gibt es nach vielen Jahren wieder einmal etwas Waldhonig», so der Hoffnungsschimmer des Nidwaldner Bienenpräsidenten.

Hungernde Bienenvölker

Ein weiteres Problem, welches die Imker der beiden Halbkantone beschäftigt, waren schwache Völker in höheren Lagen. Einige Bienenstände beklagten sogar Futtermangel. «Ich habe von Kollegen gehört, dass sie ihre Völker füttern mussten», berichtet Brigitte von Flüe. Während sich die Natur innerhalb der kurzen Schönwetterperioden schnell entwickeln konnte, benötigen die Bienenvölker mehr Zeit, um sich zu entwickeln. «Bis eine Biene ausfliegen kann, dauert es rund dreissig Tage», erklärt von Flüe. Zudem mussten die Bienen wegen der Kälteeinbrüche ihre Brut einschränken, und das bedeutet weniger Nachwuchs und schwächere Völker. «Ich habe beobachtet, dass einige Bienenvölker ihre Brut ausgeräumt hatten», sagt Brigitte von Flüe. Trotzdem sieht die Obwaldner Bienenpräsidentin nicht so schwarz: «Die Bienenzucht ist ein Hobby, für die Bauernfamilien war die Wettersituation viel schlimmer.»

Schwarmproblem

Was passiert nun, wenn wärmere Tage folgen? Der Ob- und Nidwaldner Imkerberater Hans Vogler erwartet in den nächsten Tagen zahlreiche Schwärme. «Vor allem in den tieferen Lagen, wo die Bienenvölker stärker sind, sind Schwärme zu erwarten», sagte der Berater noch vor einigen Tage. Bereits am Montag war er damit beschäftigt, sechs Bienenschwärme einzufangen.