Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OB-/NIDWALDEN: Klöster können sich vorstellen, Flüchtlinge aufzunehmen

Sollen Flüchtlinge in Klöstern untergebracht werden? Der Wille dazu scheint vorhanden. Es gibt aber auch Fragezeichen.
«Ich werde offen in das Gespräch gehen, habe aber schon gewisse Bedenken., sagt Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg (Bild). (Bild Pius Amrein)

«Ich werde offen in das Gespräch gehen, habe aber schon gewisse Bedenken., sagt Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg (Bild). (Bild Pius Amrein)

Die gegenwärtige Flüchtlingswelle ebbt nicht ab. Das Schicksal vieler Menschen hat Papst Franziskus kürzlich dazu bewogen, religiöse Gemeinschaften und Klöster in Europa aufzufordern, Flüchtlingen vorübergehend ein Dach über dem Kopf zu geben. Das Kloster Einsiedeln zum Beispiel nimmt nun vier Asylsuchende für längere Zeit auf (Ausgabe vom Mittwoch).

Syrer kennen das Mönchtum

Inzwischen setzen sich auch Klostergemeinschaften in Nidwalden und Obwalden mit dieser Frage auseinander, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. «Wir sitzen nächstens mit dem Kanton zusammen», sagt Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg. «Ich werde offen in das Gespräch gehen, habe aber schon gewisse Bedenken, Flüchtlinge bei uns aufzunehmen.» Im eigentlichen Kloster gebe es keine Möglichkeiten. «Alle Räume werden benutzt.» Im angebauten Gebäude seien zudem Archiv, Krankenabteilung, Wäscherei, Bibliothek sowie Zimmer von Mitbrüdern und Angestellten untergebracht. «Die Flüchtlinge wären dann im direkten Wohnbereich der Mönche», so der Abt. Dazu müssten weitere Modalitäten bedacht werden wie die Einbindung in den Klosteralltag.

Ausschliessen will er trotzdem nichts. Abt Christian sagt aber: «Am Ende ­fälle nicht ich, sondern die Klostergemeinschaft als Ganzes einen Entscheid.» Er persönlich würde im Fall einer Aufnahme Asylsuchende mit christlichem Hintergrund bevorzugen. Die Syrer etwa wüssten aus eigener Tradition, was Mönchtum heisst, erzählt der Abt. Er verwehrt sich aber nicht gegen andere Religionen. «Wir hatten auch schon muslimische Schüler bei uns.»

Melchtal bietet Unterstützung an

Vom Kanton kontaktiert worden ist auch das Frauenkloster St. Andreas in Sarnen. Schwester Rut-Maria Buschor hält auf Anfrage fest, dass man bereits gestern mit Vertretern der Regierung zusammengesessen sei. Beschlüsse gefasst worden sind aber noch keine. «Ein solches Anliegen muss zuerst in der Gemeinschaft besprochen und dann auch innerhalb dieser eine Mehrheit erzielt werden.» Die Obwaldner Justiz- und Sicherheitsdirektorin Maya Büchi bestätigt die Termine im Frauenkloster Sarnen und nächste Woche in Engelberg. Zugehen wolle man auch noch auf das Benediktiner-Kollegium Sarnen.

Aber auch sie sagt: «Wir wollen in diesen Gesprächen erst einmal aufzeigen, was die Platzierung von Flüchtlingen bedeuten würde, und dabei den Puls der Klöster fühlen.» Dass man nicht im Vornhinein abgewiesen wurde, «werte ich als erfreuliches Zeichen», so die Regierungsrätin. Aufgrund der zu erwartenden Flüchtlingszahlen werde Obwalden beim freien Wohnraum noch stärker an seine Grenzen gelangen. «Uns geht es aber nicht um eine Platzierung in den Klöstern um jeden Preis», versichert sie. «Es muss letztlich für beide Seiten stimmen.»

Ein weiteres Benediktinerinnenkloster ist in Melchtal beheimatet. Dort ist bisher noch keine Anfrage seitens des Kantons eingetroffen. «Wir verschliessen uns nicht davor», hält Schwester Daniela Bieri nach einer Diskussion innerhalb ihrer Gemeinschaft fest. «Mit Unterstützung der Behörden könnten wir uns vorstellen, Frauen bei uns aufzunehmen. Nicht per sofort, aber in absehbarer Zeit.» Allerdings müssten vorher noch einige Abklärungen getroffen werden. Unter anderem «könnten wir die Betreuung nicht selber übernehmen, denn wir haben selber Schwestern, die viel Betreuung brauchen. Unsere Gemeinschaft hat ein hohes Durchschnittsalter.»

Kapuzinerinnen helfen anders

Auch im Kapuzinerinnenkloster St. Klara in Stans «nehmen wir die Not flüchtender Menschen mit Besorgnis wahr», so Schwester Sabine Lustenberger. «Allerdings können wir in unserem Kloster keine Flüchtlinge aufnehmen. Wir verfügen nicht über Gemeinschaftsräume und über Kochgelegenheiten, die sich dafür eignen würden», begründet sie. Zudem seien ihre Büroräume alle fest vermietet an verschiedene Institutionen. «Wir finden es aber wunderbar, dass verschiedene Klöster Flüchtlinge aufnehmen.» Sie selber hätten beschlossen, der Caritas eine grössere finanzielle Unterstützung zuzusichern. «Das ist die Möglichkeit, wie wir helfen können.»

Das Benediktinerinnenkloster Maria-Rickenbach wollte auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellung nehmen.

Oliver Mattmann

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.