OB-/NIDWALDEN: Stromhersteller müssen Fantasie zeigen

Das Geschäft mit dem Strom wird für lokale Anbieter in naher Zukunft nicht leichter. Die Suche nach Nischen soll helfen, Geld zu verdienen.

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Maschinist Werner Barmettler hat sämtliche Messwerte des Bannalpsees auf seinem Schirm des Leitsystems im Kraftwerk Dallenwil. (Bild: Christoph Riebli / Neue OZ)

Maschinist Werner Barmettler hat sämtliche Messwerte des Bannalpsees auf seinem Schirm des Leitsystems im Kraftwerk Dallenwil. (Bild: Christoph Riebli / Neue OZ)

Martin Uebelhart

Die Grosshandelspreise für elektrische Energie sind derzeit an der internationalen Strombörse sehr tief. Die heimischen Elektrizitätswerke stehen vor besonderen Herausforderungen angesichts der Tatsache, dass die Produktions­kosten pro Kilowattstunde Strom in den eigenen Kraftwerken über jenem Preis liegen, zu dem man am Markt elektrische Energie kaufen kann. Beim Elek-trizitätswerk Nidwalden (EWN) hat die derzeitige Situation zur Folge, dass vorerst auf Investitionen in neue Wasserkraftwerke gar verzichtet wird (Ausgabe vom 14. April).

Solar- und Windanlagen drücken

Die tiefen Marktpreise haben verschiedene Gründe, sagt Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Elektrizitätswerks Obwalden (EWO). «Die Preise für die Primärenergien wie Kohle und Gas sind sehr tief unten, was die Produktion von Strom aus Kohlekraftwerken oder Gas billiger macht.» Aufzeigen lässt sich das am Preis von Braun- und Steinkohle. Ihr Preis ist seit 2011 regelrecht abgestürzt. Der Kohlestrom profitiere zudem vom tiefen Preis für CO2-Zertifikate, bei denen es einen Überschuss gebe. «Im Sommer drücken die subventionierten Solar- und Windanlagen in der Europäi-schen Union den Preis zusätzlich», sagt Baumgartner.

Verdienen mit Ausgleichsenergie

Die Tatsache, dass die Produktionskosten höher als der Marktpreis lägen, «macht das Ganze etwas herausfordernd», sagt Thomas Baumgartner. Zum einen mache man eine clevere Strombeschaffung und setze die eigenen Produktionsanlagen optimal ein, zum anderen versuche man, neue Marktchancen zu nutzen. «Zum Beispiel bieten wir der Swissgrid Regelenergie an.» Swissgrid betreibt das Schweizer Stromübertragungsnetz und ist unter anderem dafür zuständig, dass das Stromnetz stabil ist und dass immer so viel elek­trische Energie verfügbar ist, wie gerade verbraucht wird. Das EWO erhält Geld dafür, dass es Regelenergie zur Verfügung stellt. Regelenergie garantiert die Versorgung der Stromkunden bei unvorhergesehenen Ereignissen mit exakt der benötigten elektrischen Energie. «Wird die Energie tatsächlich abgerufen, werden wir dafür ebenfalls entschädigt», so Baumgartner. Für das EWN ist die Lieferung von Regelenergie weniger eine Option. «Dazu braucht es einzelne Anlagen, die eine gewisse Leistung haben, damit ein Teil davon für Regelenergie reserviert werden kann», erklärt Direktor Christian Bircher. Das sei beim EWN nicht der Fall.

Auch das EWO macht sich in der aktuellen Lage Gedanken über den weiteren Ausbau seiner Kraftwerksanlagen. Das sei das Resultat einer Potenzialanalyse. Mehrere Wasserkraftwerke würden derzeit geprüft. Dabei handelt es sich in erster Linie um Kleinkraftwerke, die von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) profitieren können. «Ein Konzessionsprojekt soll Ende Jahr zur Vorprüfung vorliegen», so Baumgartner.

Auswärtige Kunden gewonnen

Mit der Marktliberalisierung für Kunden, die jährlich mehr als 100 000 Kilowattstunden Strom brauchten, sind auch beim EWO bereits vor zwei Jahren einzelne Grosskunden abgesprungen. «Dabei geht es um eine Strommenge von rund 7 Gigawattstunden.» Vorwiegend seien das schweizweit tätige Unternehmen, die auch ihren Strom zentral für alle Standorte beschafften. Auf der anderen Seite sei es dem EWO gelungen, selber ausserhalb des Kantons Kunden zu gewinnen. «Wir belieferten sie im Jahr 2014 mit rund 13 Gigawattstunden. Für 2015 konnten weitere Kunden gewonnen werden. Wir rechnen mit einem Absatz von rund 20 Gigawattstunden», sagt Baumgartner. Das EWN beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Geschäftszweig. «Wir prüfen mit viel Vorsicht», sagt Christian Bircher. Letztlich müsse sich das rechnen und das Risiko kalkulierbar sein. Zudem sei bei den Strommengen, die in diesem Bereich geliefert würden, die Margen tief.

Effizienz bleibt sehr wichtig

Den Preisdifferenzen auf dem Strommarkt will das EWN nicht zuletzt mit Optimierungen begegnen. «Wir versuchen, unsere Kraftwerke vor allem zu jenen Tageszeiten voll zur Produktion einzusetzen, wenn auch der Strompreis etwas höher liegt.» Zudem begegne man den Produktionskosten der Wasserkraftwerke mit ausserordentlichen Abschreibungen. So werde der Restwert buchhalterisch verkleinert. EWO-Chef Baumgartner erwartet mindestens für die nächsten fünf Jahre eine schwierige Zeit. Doch in seiner Branche rechne man in längeren Zeiträumen. «Trotzdem setzen wir die eingeleiteten Effizienzmassnahmen weiter um.» Wichtig sei auch ein gutes Dienstleistungsangebot, das auf die Bedürfnisse der Kunden eingehe. Das EWO sei da sehr gut positioniert. «Nur Strom zu liefern reicht für einen Energiedienstleister nicht mehr.»