OB-/NIDWALDEN: Tiere als Geschenke sind passé

Haustiere gehören nicht unter den Christbaum. Diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Zoohandlungen schreiben an Weihnachten nur Mehrumsätze wegen «Zubehör» und Leckereien für die Haustiere.

Philipp Unterschütz
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Priska Fuchs zeigt ein Meerschweinchen aus dem Nagergehege in der Zoohandlung Qualipet. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 20. Dezember 2016)

Priska Fuchs zeigt ein Meerschweinchen aus dem Nagergehege in der Zoohandlung Qualipet. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 20. Dezember 2016)

Vorbei sind die Zeiten, in denen Kinder zu Weihnachten auch mal ein Haustier geschenkt bekamen. «Das ist schon seit über 10 Jahre so», sagt Claudio Viano (58), der seit 20 Jahren in Sarnen eine Zoohandlung führt. Generell würden weniger Haustiere verschenkt. «Bei mir machen Tiere höchstens noch 10 Prozent aus. Der Hauptumsatz entfällt auf Futter, Zubehör oder Tierspielzeug.» Längst hat er sein Sortiment angepasst und führt nur noch wenige Tiere. Auch Priska Fuchs, stellvertretende Filialleiterin bei Qualipet in Stans, bestätigt, dass heute Haustiere nur noch als absolute Ausnahme den Weg unter den Christbaum finden.

Claudio Viano macht an Weihnachten vielleicht 10 Prozent mehr Umsatz, vor allem, weil sich Kunden für die Festtage, an denen oft geschlossen ist, mit Vorräten für ihre Haustiere eindecken würden. Bei Qualipet in Stans schätzt Priska Fuchs, dass man gegen 20 Prozent mehr Umsatz mache. «Es gibt viele Kunden, die für ihre Haustiere ein Geschenk kaufen, beliebt sind vor allem Kauartikel oder Spielzeuge.» Sie höre oft, dass man auch für sein Haustier etwas mehr ausgeben wolle, wenn man im Dezember mehr Geld zur Verfügung habe. Und Weihnachten macht sich auch bemerkbar, weil Priska Fuchs öfters mal Weihnachtsgeschenke für Tiere einpacken muss. «Es gibt viele Hunde, die den Kauartikel sogar selber aus dem speziellen Säckli auspacken.»

Tiere sind Lebewesen und keine Spielzeuge

Die Zoohändler trauern den Zeiten, in denen Tiere als Geschenk noch gefragter waren, nicht im Geringsten nach. «Tiere sind kein Spielzeug. Ich bin der Meinung, dass Vögel oder auch Hasen nicht in Käfige gehören», sagt Claudio Viano. Er und Priska Fuchs loben die Schweizerische Tierschutzgesetzgebung, die im Jahr 2008 verschärft wurde, und haben beide grosse Vorbehalte zum Thema Tiere als Geschenk.

«Kleine Kinder sind meiner Meinung nach noch nicht bereit. Das fängt beispielsweise schon bei der Motorik an, weil häufig noch das Gefühl fehlt, wie sie ein Haustier in die Hand nehmen können», sagt Claudio Viano. Spontankäufe seien auf jeden Fall falsch, meint Priska Fuchs. «Wir legen den Leuten sehr ans Herz, sich gut zu überlegen, was die Folgen sind, wenn man ein Haustier hat.»

Aufnahme eines Haustiers gemeinsam überdenken

Damit vertreten sie die gleiche Linie wie der Schweizerische Tierschutz (STS): Die Anschaffung eines Haustieres solle immer mit der ganzen Familie mit genügend Zeit überdacht und besprochen werden, damit es nicht zu Enttäuschungen komme, heisst es auf der STS-Webseite. Die stressigen Feiertage seien zudem eine denkbar ungünstige Zeit zur Eingewöhnung – «das Tier würde es unnötig schwer haben».

Erika Walther, Präsidentin des Tierschutzvereins Nidwalden, betont, dass es gut sei, wenn Kinder mit Haustieren aufwachsen. Die Tiere müssten aber artgerecht gehalten werden. «Eltern müssen sich im Klaren sein, dass es um eine langfristige Angelegenheit geht, wenn das Kind beispielsweise einen Hund oder eine Katze möchte.» Je nach Art leben die Tiere länger als 20 Jahre – also vielleicht länger, als die Kinder überhaupt bei den Eltern zu Hause leben werden. «Tiere brauchen Pflege, verursachen Kosten und man muss sogar seine Ferien anders planen.» «Und», gibt Erika Walther weiter zu bedenken: «Bevor man sich für ein Haustier entscheidet, ist gute Information Pflicht.»

Hinweis

www.tierschutz.com

Philipp Unterschütz
philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch