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OB-/NIDWALDEN: Wenn Laurentius seine Tränen am Himmel vergiesst

Ein Himmelsspektakel spielt sich in den kommenden Tagen ab. Bis zu 160 Sternschnuppen pro Stunde sind zu sehen.
Philipp Unterschütz
Eine Sternschnuppe des Perseiden-Stroms am 13. August 2015 um 1.34 Uhr, fotografiert auf dem Bramboden (Romoos). (Bild Dominik Wunderli)

Eine Sternschnuppe des Perseiden-Stroms am 13. August 2015 um 1.34 Uhr, fotografiert auf dem Bramboden (Romoos). (Bild Dominik Wunderli)

Philipp Unterschütz

Jedes Jahr im Sommer tauchen sie auf, diesen August bieten Sternschnuppen aber ein besonderes Schauspiel am nächtlichen Himmel – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Immer gegen Mitte August kreuzt die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne die Staubspur, die ein Komet namens 109P/Swift-Tuttle vor langer Zeit hinterlassen hat: den Strom der Perseiden. Kann man üblicherweise Mitte August bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde beobachten, sind es dieses Jahr bis zu 160. Dies ist auf die Schwerkraft des Planeten Jupiter zurückzuführen, der die Bahn der Staubspur alle zwölf Jahre in Richtung der Erdbahn verschiebt.

Höhepunkt am 12. August

«Ein Blick in den Nachthimmel lohnt sich auf jeden Fall, die Lichtspuren der Sternschnuppen sind etwas sehr Hübsches», sagt der Kernser Andreas Traber, Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Obwalden und Nidwalden (Nagon). «Naturbeobachtungen sind immer auch Glückssache, so ist normalerweise die Beobachtung einer Sternschnuppe eher zufällig. In den nächsten Tagen wird aber wohl ein zehnminütiger aufmerksamer Blick in den Himmel reichen, um sie zu sehen.» Den Höhepunkt erreiche der Strom der Perseiden am Abend des 12. August. Gutes Wetter vorausgesetzt dürften wohl zwischen 23 und 6 Uhr am meisten der Lichtspuren zu sehen sein.

«Ideal sind Beobachtungspunkte in der Höhe oder abseits der Lichtverschmutzung.» Andreas Traber, Präsident Naturforschende Gesellschaft OW/NW (Bild: pd)

«Ideal sind Beobachtungspunkte in der Höhe oder abseits der Lichtverschmutzung.» Andreas Traber, Präsident Naturforschende Gesellschaft OW/NW (Bild: pd)

Hilfsmittel brauche es keine, um die Perseiden zu beobachten, sagt Andreas Traber, der als pensionierter Physiklehrer des Kollegiums St. Fidelis in Stans nach wie vor für die Sternwarte auf dem Dach des Kollegi-Neubaus verantwortlich ist. «Fernrohre oder Feldstecher bringen nichts. Die Sternschnuppen sind zu schnell.» Tatsächlich dringen die Staubteilchen des Perseiden-Stroms mit einer Geschwindigkeit von rund 216 000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein, wo sie beim Verglühen die klassischen Lichtspuren hinterlassen. Damit gehören sie zu den schnellsten Sternschnuppen überhaupt. «Aus rein astronomisch-wissenschaftlicher Sicht sind Sternschnuppen für uns weniger interessant. Weil sie so schnell sind und man sie von blossem Auge beobachten kann, verzichten die Sternwarten auch auf spezielle Beobachtungsabende in den nächsten Tagen», so Andreas Traber weiter. Solche bietet er dann aber ab Herbst in der Sternwarte des Kollegiums an (siehe Hinweis).

Frutt und Glaubenberg sind ideal

Doch die Perseiden sind auch unabhängig vom Wetter nicht überall gleich gut sichtbar. «In Stans beispielsweise ist die Lichtverschmutzung durch das Dorf und auch von Luzern her sehr gross, insofern ist auch der Standort unserer Sternwarte nicht optimal. Ideal sind Beobachtungspunkte in der Höhe oder abseits der Lichtverschmutzung, wo der Nachthimmel dunkler ist», weiss Andreas Traber. Solche Orte sind beispielsweise das Wirzweli oder der Glaubenberg, wo es auch eine Sternwarte gibt.

Ideal ist auch die Tannalp auf Melchsee-Frutt, weil sie in allen vier Himmelsrichtungen durch hohe Berge vor dem künstlichen Licht der Siedlungen geschützt ist. «Weil das Hochtal so gut gelegen ist, gibt es bei uns seit längerer Zeit immer wieder Anlässe für Hobbyastronomen», bestätigt Ernst Aufdermauer, Präsident des Tourismusvereins Melchsee-Frutt. Es seien spannende Exkursionen als wechselnde Gästeangebote, je nach Situation.

«Weil das Hochtal so gut gelegen ist, gibt es bei uns immer wieder Anlässe für Hobbyastronomen.» Ernst Aufdermauer, Präsident Tourismusverein Melchsee-Frutt (Archivbild Robert Hess / Neue OZ)

«Weil das Hochtal so gut gelegen ist, gibt es bei uns immer wieder Anlässe für Hobbyastronomen.» Ernst Aufdermauer, Präsident Tourismusverein Melchsee-Frutt (Archivbild Robert Hess / Neue OZ)

Man arbeite dafür mit dem Astronomie-Fachmann Niklaus Imfeld zusammen, der die Exkursionen und nötigen Geräte jeweils organisiere. «Ideal ist die Frutt auch, weil man sie im Sommer über die Strasse auch nachts wieder verlassen kann.»

Wünsch dir was!

Die Perseiden sind in Ostasien bereits vor rund 2000 Jahren beobachtet worden, wie aus chinesischen oder japanischen Aufzeichnungen hervorgeht. Im Volksmund werden sie auch als «Tränen des Laurentius» bezeichnet, weil sie um den Namenstag des Märtyrers Laurentius auftreten. Dieser soll laut der Legende im Jahr 258 in Rom auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert worden sein. Dabei habe er Tränen nicht über die Schmerzen, sondern über die Sünden seiner Mitmenschen vergossen.

Wenn man eine Sternschnuppe sieht und sich dann etwas wünscht, gehe dieser Wunsch in Erfüllung, vorausgesetzt, man hält ihn geheim – behauptet der Volksmund.

Und was hält der Wissenschaftler davon? «Wünschen darf man sich immer etwas», sagt Andreas Traber und schmunzelt. «Man darf dann aber nicht enttäuscht sein, wenn es sich nicht erfüllt.»

Hinweis

Interessierte für Beobachtungsabende in der Sternwarte des Kollegiums in Stans können sich melden unter: info@nagon.ch Weitere Infos zu den astronomischen Anlässen auf der Melchsee-Frutt: www.planetenwelt.ch

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