Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OB-/NIDWALDEN: Zentralbahn fährt nun auch in Afrika

Alte Wagen der Zentralbahn sind nun in Afrika im Einsatz. Vor dem Verkauf wurden teils seltsame Fragen gestellt.
Adrian Venetz
Ein ehemaliger Zentralbahn-Zug verbindet die Hauptstädte von Niger und Benin. (Bild: AFP/Boureima Hama)

Ein ehemaliger Zentralbahn-Zug verbindet die Hauptstädte von Niger und Benin. (Bild: AFP/Boureima Hama)

Mit ausrangierten Bahnwagen könnte man so einiges anstellen. Warum nicht eine Bar daraus machen? Oder sich darin eine kleine Zweitwohnung einrichten? Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn beim Verkauf von altem Rollmaterial müssen strikte Regeln befolgt werden, vor allem bezüglich der späteren Entsorgung von umweltbelastendem Material. Die Bahnwagen könnten zwar an Private verkauft werden, meistens sind aber die Transport- und Platzierungskosten zu hoch.

In Rotterdam auf Schiffe geladen

Als die Zentralbahn (ZB) im vergangenen Jahr – nach der Beschaffung neuen Rollmaterials – einige ihrer alten Bahnwagen ausrangieren musste, schrieb sie diese auf einschlägigen Portalen zum Verkauf aus. Unter den Interessenten aus dem In- und Ausland war auch die Firma Bolloré Africa Logistics.

Das weltweit operierende Unternehmen ist auf den Transport von Gütern nach Afrika und der damit verbundenen Logistik und Infrastruktur spezialisiert. Und so kam man ins Geschäft. Ein Dutzend ZB-Wagen gingen via Landweg nach Rotterdam, von dort aus dann auf eine lange Schiffsreise Richtung Westafrika. Nun sollen sie in Guinea, Togo und Niger als «Vorzeigemodelle» für einen Aus- und Neubau des dortigen Schienennetzes werben.

30 000 Franken pro Wagen

Die Verkaufsverhandlungen führte Jörg Muri, Leiter Beschaffung und Logistik bei der ZB. «Es war ein absoluter Glücksfall», erzählt er. «Die Firma Bolloré hat gleich alle zwölf der alten Brünig-Wagen gekauft.» Preis pro Stück: 30 000 Franken. Der Begriff «alt» sei allerdings mit Vorsicht zu geniessen. «In unseren Augen mögen die Bahnwagen veraltet sein, für die Verhältnisse in Afrika aber sind sie in einem absolut hervorragenden Zustand.»

Heizung ja – aber wofür?

Die Verhandlungen mit der Bolloré Africa Logistics seien teils witzig gewesen. «Ich erwähnte zum Beispiel, dass die Wagen beheizt seien. Dann haben die sich fast gekrümmt vor Lachen», sagt Muri. «Eine Heizung in den Bahnwagen war so ziemlich das unwichtigste Kriterium für einen zukünftigen Einsatz in Afrika.»

Interessiert waren die Käufer dafür an anderen Eigenheiten der Bahnwagen. So fragten sie etwa, wie stabil die Dächer der Wagen seien. «Ich sagte ihnen, dass die Dächer aus Aluminium seien, und wunderte mich über diese Frage», erzählt Muri. Bis ihm der Grund erklärt wurde: In Afrika reise man nicht nur im Zug, sondern oft auch auf den Zügen – oder das Gepäck kommt auf das Dach. «Da wird einem schon bewusst, dass hier verschiedene Welten aufeinanderprallen», so Jörg Muri. «Ich sagte ihnen, dass die Fahrzeughülle aus Gewichtsgründen aus Aluminium gebaut ist – und deshalb absolut ungeeignet ist, Dachlasten aufzunehmen ...» Zumindest vor Stromschlägen an Fahrleitungen müssen sich Dachpassagiere in Afrika aber nicht fürchten. «Die Komposition wird dort mit einer Diesellok und Stromgeneratoren betrieben. Das ist schon ein ziemliches ‹Gebastel›.»

Fahrgäste haben zu viel Platz

Ebenfalls interessiert waren die Käufer an der Innenausstattung der Wagen. Sie fragten etwa, ob man die Sitze nicht enger aneinanderschieben könne. Der einzelne Fahrgast habe doch sonst viel zu viel Platz. «Da musste ich natürlich schmunzeln», erzählt Jörg Muri. «Die sollten das mal den Fahrgästen in der Schweiz sagen, die sich über zu wenig Beinfreiheit beklagen.» Interessantes Detail am Rande: Mit ihren Schmalspur-Wagen ist die ZB in der Schweiz zwar eher ein «Sonderfall», für ausländische Käufer aber genau deshalb interessant. Denn vor allem in Afrika und Lateinamerika sei die Schmalspur weit verbreitet, so Muri. «Und auch die typische Schweizer Qualität ist im Ausland nach wie vor ein Kaufargument.»

Und wenn etwas kaputtgeht?

Um den aufwendigen Transport nach Afrika musste sich die ZB nicht kümmern. «Dafür haben wir das Ersatzteilgeschäft angekurbelt», sagt Muri. «Wenn etwas kaputt ist – zum Beispiel ein Türgriff, eine Scheibe oder eine Kupplung –, machen sie in Afrika ein Foto davon und schicken es uns mit der Bitte, ein Ersatzteil zu liefern.» Man habe bereits einmal eine Ersatzteillieferung Richtung Afrika verschickt. Bloss: «Die ist offenbar nie angekommen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.