Ob- und Nidwaldner Gemeinschaftswerk sorgt für stehende Ovationen

Die Uraufführung einer Weihnachtskantate mit besonderer musikalischer Mischung war ein grosser Erfolg. 

Kurt Liembd
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Komponist und Dirigent Emil Wallimann mit den Jungjuizern,,,
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... und den Fruttjodlern aus Kerns..
Emil Wallimann ist einer der Initianten der Kantate.
Die Kirche in Ennetbürgen war schon vor dem Konzert proppenvoll.

Komponist und Dirigent Emil Wallimann mit den Jungjuizern,,, 

Bilder: Kurt Liembd/Georg Epp (Ennetbürgen, 8. Dezember 2019)

Was passiert, wenn sich ein Komponist, ein Dichter und ein Theaterregisseur treffen? So geschehen vor etwas mehr als einem Jahr. Da wird gefachsimpelt und am gleichen Strick gezogen und die drei beschliessen, gemeinsam eine Weihnachtskantate zu schaffen. Was daraus entstanden ist, war am Sonntag an der Uraufführung der Weihnachtskantate in der Ennetbürger Pfarrkirche zu hören.

Die drei Protagonisten – das sind Emil Wallimann (62) als Komponist, Textdichter Robi Kuster (75) und Roland Simitz (58), Erschaffer der Zwischen- und Erzähltexte. Die drei erbrachten den besten Beweis, dass eine Kantate nicht unbedingt geistlicher Art mit frühklassischem Charakter sein muss. Mit anderen Worten: Eine Kantate ist auch im 21. Jahrhundert beliebt und ergreifend wie in früheren Jahrhunderten.

Erst skeptisch, dann Feuer und Flamme

Dafür sorgten auserlesene Interpreten wie der Jodlerklub Fruttklänge aus Kerns, die Obwaldner Jung-Juizer oder die heute schon fast legendäre Obwaldner Huismuisig. «Wir waren zu Beginn nicht sonderlich begeistert, als wir von der Kantate erfuhren», sagte Walter von Rotz, Präsident der Fruttjodler, unserer Zeitung. Das sei Neuland für sie gewesen und deshalb sehr aufwendig. «Doch die anfängliche Skepsis wich schon nach wenigen Proben einer hellen Begeisterung.» Dafür sorgte Emil Wallimann, selber auch Dirigent der Fruttjodler. «Wir waren schon bald Feuer und Flamme für diese neue Musikart, auch wenn diese Musik teilweise etwas melancholisch ist», verrät von Rotz.

Diese Begeisterung galt natürlich nicht nur der Musik, sondern noch mehr Dirigent Emil Wallimann. Dieser komponierte schon vor Jahren ein Weihnachtsspiel für Kinderchor und Blasmusik mit grossem Erfolg. So war es naheliegend, dass bei der Kantate ein Kinderchor dazugehören muss. Wallimann: «Die Zusammenarbeit eines Jodelchores mit einem Jodel-Kinderchor ist für mich zukunftsweisend.» Nur so könne der Nachwuchs in den Jodelchören garantiert werden. Die Wahl der Obwaldner Jung-Juizer unter Leitung der Schwestern Petra Vogler und Andrea Rohrer erwies sich als Volltreffer und war eine grosse Bereicherung. Was auch beweist, dass diese Musikart an kein Alter gebunden ist. Auch als Volltreffer und Hörerlebnis sondergleichen erwies sich die Obwaldner Huismuisig mit Norbert Kiser (Büchel und Trompete), Larjssa Bohner (Violine), Peter Berchtold (Handorgel) und Erwin Läubli (Tuba). Für einmal wartete das Quartett nicht mit «frechen» Eigenkompositionen auf, dafür mit fantastischen Klangfarben und einer bezaubernden Begleitung der Jodelchöre. Schon der Beginn mit dem Büchelsolo zog das Publikum in Bann und sorgte für Gänsehautstimmung.

Ein Erlebnis auch für Weihnachtsmuffel

Apropos Publikum: Schon 30 Minuten vor Konzertbeginn war die Kirche proppenvoll inklusive der unzähligen Zusatzstühle in den Gängen, was erahnen liess, dass heute ein besonderes Ereignis bevorstand. Dazu trugen auch die Sprecher Robi Kuster und Roland Simitz bei. Ihre Botschaften waren alles andere als heile Welt- und gängige Adventstexte, sondern eher ein Plädoyer für Besinnlichkeit und ein glaubwürdiges Weihnachtsfest. Man erhielt Gelegenheit, selbst darüber nachzudenken. In ihren tiefsinnigen Worten fanden Themen wie Konsumgesellschaft, Entwicklungshilfe und Weihnachtsrummel ebenso Platz wie ihr feiner Humor. Es gab sogar politische Botschaften, wenn Simitz etwa erklärte, dass die Rüstungsausgaben weltweit etwa 13-mal grösser seien als die Entwicklungshilfe.

Die Kantate umfasst 15 Sätze mit kurzen und vor allem gehörfälligen Liedsätzen. Den besonderen Reiz machte das Inein­andergreifen von Gesang, Instrumentalmusik und Sprecher aus. Einzelne der 15 Sätze wurden gar solistisch gestaltet, so von einem Quartett und einem Terzett (Petra Vogler, Andrea Rohrer, Markus Röthlin und Emil Wallimann) und einem Duett (Janice Durrer und Selina von Flüe). Auch diese reihten sich wunderbar in den Kontext ein. Es war ein Konzert auch für Weihnachtsmuffel und solche, die sonst mit Jodelgesang wenig anfangen können.

Weitere Aufführungen: Samstag, 14. Dezember, Pfarrkirche Kerns 19.30 Uhr, Sonntag, 15. Dezember, 17 Uhr, Lukaskirche Luzern. Eintritt frei (Türkollekte), Türöffnung 30 Minuten vor Beginn.