Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ob- und Nidwaldner Friedhöfe werden Pärke

Erdbestattungen sind kaum noch gefragt. Viele Friedhofsverwaltungen haben den dadurch gewonnenen Platz genutzt und moderne Grabformen gestaltet. Diese entsprechen einem Bedürfnis.
Matthias Piazza
Das neue Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Stansstad, das am 1. November 2013 eingeweiht wurde. (Bild: Corinne Glanzmann (30. Oktober 2018))

Das neue Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Stansstad, das am 1. November 2013 eingeweiht wurde. (Bild: Corinne Glanzmann (30. Oktober 2018))

Wenn morgen an Allerheiligen wieder zahlreiche Menschen das Grab ihrer Angehörigen besuchen, werden sie vielleicht einen Friedhof betreten, der wie eine Parkanlage aussieht. Die Zeiten scheinen vorbei, als sämtliche Gräber noch in Reih und Glied angeordnet waren. In Hergiswil etwa wurde vor einem Jahr der Birkenhain eingeweiht, eine Art Bauminsel für anonyme Bestattungen. Die parkähnliche Anlage, welche für 320000 Franken entstand, soll auch zum Verweilen einladen.

Auch der Engelberger Friedhof veränderte nach der Sanierung vor rund einem Jahr sein Gesicht. Zu den «gewöhnlichen» Gräbern gesellen sich nun ein Urnengemeinschaftsgrab, Urnenfamiliennischen und ebenfalls ein Urnenhain. Hier scheinen wie anderswo die Zeiten von Erdbestattungen fast vorbei. 29 der 31 Bestattungen waren im vergangenen Jahr Urnenbeisetzungen.

Es sind zwei Beispiele von Gemeinden, die ihre Friedhöfe sozusagen dem Zeitgeist angepasst haben. Und das heisst in den allermeisten Fällen Urnenbestattungen. «Von den jährlich 50 bis 60 Bestattungen haben wir höchstens noch vier Erdbestattungen», erklärt der Hergiswiler Gemeindepräsident Remo Zberg. Und bereits 2005 wurde als Alternative zum herkömmlichen Urnengrab das Gemeinschaftsgrab ‹Stampflehmmauer› errichtet. Die platzsparenden Bestattungsarten führten dazu, dass die brachliegende Fläche immer grösser wurde. Das eröffnete der Gemeinde neue Gestaltungsmöglichkeiten. «Mit dem Birkenhain konnten wir die Fläche optimal nutzen und so auch ein zeitgemässes Bedürfnis befriedigen», sagt Remo Zberg.

Auch Schulklassen besuchen den Friedhof

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Friedhof in Stansstad. «Über 90 Prozent sind Urnenbestattungen», sagt Friedhofsverwalter Edmund Muri. So standen im vergangenen Jahr 19 Urnen- noch 2 Erdbestattungen gegenüber. Den dadurch frei werdenden Platz habe man aber gut gebrauchen können. «Das neue Gemeinschaftsgrab, das wir 2013 eröffneten, nimmt einen gewissen Platz in Anspruch, ebenso das vor drei Jahren errichtete Engelsgrab für ungeborene Kinder.» Dank platzsparenden Gräbern habe man den Friedhof zu einer parkähnlichen Anlage umgestalten können, in der sich Leute gerne aufhalten würden. Reserveflächen für neue Gräber seien aber immer noch genügend vorhanden, hält Edmund Muri fest.

Dies sei auch nötig. Zwar beträgt die Grabesruhe bei Einzelurnen in Stansstad 15 Jahre. «Doch die Mietdauer bei Familien-Urnengräbern beträgt 30 Jahre und für Doppelurnennischen 20 Jahre mit der Möglichkeit zum Verlängern», gibt Edmund Muri zu bedenken. Und viele Konzessionen bei Familiengräbern mit Erdbestattung würden noch über 20 Jahre laufen. Die Umgestaltung des Friedhofes komme bei der Bevölkerung an. «Ich führe auch Schulklassen durch den Friedhof.»

Immer weniger Urnengräber bedeuten weniger Platzbedarf, was zu vielen leeren Feldern führt wie hier am Beispiel von Kerns. (Bild Markus von Rotz, 26. Oktober 2018)

Immer weniger Urnengräber bedeuten weniger Platzbedarf, was zu vielen leeren Feldern führt wie hier am Beispiel von Kerns. (Bild Markus von Rotz, 26. Oktober 2018)

«Erdbestattungen machen nur noch etwa zehn Prozent aus», sagt der Kernser Friedhofsverwalter Beat Niederberger. Im vergangenen Jahr wurden 5 Erd- und 31 Urnenbestattungen durchgeführt. Frischverstorbene werden auch bei den Erdbestattungs-Familiengräbern meist in der Urne beigesetzt. Langsam lichten sich dort die Reihen. Im laufenden Jahr wurde bereits jede zweite Bestattung am Gemeinschaftsgrab abgehalten.

Eine Neugestaltung des Friedhofs wegen der zunehmenden Zahl der platzsparenden Gräber (ein Urnengrab benötigt halb so viel Platz wie ein herkömmliches Grab) dränge sich vorderhand noch nicht auf. «Die Leute schätzen die übersichtliche und grosszügige Anordnung unseres Friedhofs.»

Urnenhain ist besonders beliebt

Der Trend macht auch beim Sachsler Friedhof nicht Halt. «Von jährlich rund 30 Bestattungen haben wir noch 2 bis 3 Erdbestattungen», sagt Friedhofsverwalter Edwin Rohrer. Besonders beliebt sei der Urnenhain mit der Grabplatte, auf der die Namen der Verstorbenen verewigt sind. Er wurde in den vergangenen Jahren stetig vergrössert. Aus den Flächen, die nicht mehr für Erdgräber gebraucht werden, wurden Wiesen. «Zwar tauchten schon Wünsche nach einer parkartigen Gestaltung auf, doch dies ist bei der Anordnung unseres Friedhofs nicht so einfach», so Edwin Rohrer.

Je vornehmer, desto näher der Kirche

Allerheiligen  Die Wurzeln von Allerheiligen reichen bis in das 4. Jahrhundert zurück, wo man in Syrien aller heiligen Märtyrer gedachte. Bis in neueste Zeit galt Allerheiligen als Hochfest und Heiligtag wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Er war bis zur radikalen Änderung der Beichtpraxis um 1970 gar grosser Beicht- und Kommuniontag, mit einem Andrang, der bis zu zwei Aushilfspriester erforderte, wie Karl Imfeld in seinem Buch «Volksbräuche und Volkskultur in Obwalden» schreibt.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Grabstätten und Friedhöfe in Obwalden in bestimmte Felder und Bereiche aufgeteilt, wie dem Buch weiter zu entnehmen ist. Prominente Familien sicherten sich eigene Grabstätten unmittelbar an der Kirchenwand oder, wie zum Beispiel in Sarnen, im Beinhaus zu. Andere bauten für sich Mausoleen, zum Beispiel auf dem Bürgel am Eiwald in Sarnen oder beim Waldheim in Wilen. Auf dem Friedhof hatte jedes Bürgergeschlecht seine eigene Grabreihe, wobei sich die vornehmeren Geschlechter ihre Gräber möglichst nahe oder unmittelbar vor der Kirche sicherten. Dann folgten dem sozialen Rang nach die anderen Bürgergeschlechter. Ein eigenes Feld ausserhalb der «geweihten Erde» und der Friedhofmauer war für solche reserviert, die kein kirchliches Begräbnis bekamen. Das waren etwa Übeltäter und Selbstmörder. Ein mit einer Eisentüre verschliessbares Grab in der Friedhofmauer, das «Chilälechäli», war für tot geborene und ungetaufte Kinder.

Als im 19. Jahrhundert Protestanten aus dem Haslital zuzogen und sich vor allem in Alpnach niederliessen, mussten sie ihre Toten in der «ungeweihten Erde» der Selbstmörderecke begraben. 1864 trat ihnen die Bürgergemeinde ausserhalb des Friedhofs, aber an diesen anschliessend, einen Gräberplatz ab. Seit 1918 haben sie ihren eigenen Friedhof bei der reformierten Kirche in Alp-nach. (map)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.