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OBBÜRGEN: Ein Senior, der nie in Pension geht

Schon weit über 50 Jahre tut der «Senior» zuverlässig seinen Dienst auf dem Hof der Birchers. Verkaufen würde die Familie den Transporter der ehemaligen Stanser Maschinenfabrik Schilter nie.
Philipp Unterschütz
Drei Generationen der Familie Bircher auf dem Schilter senior: Dominik, Urban und Sepp Bircher (von links). (Bild: Corinne Glanzmann (Obbürgen, 21. März 2017))

Drei Generationen der Familie Bircher auf dem Schilter senior: Dominik, Urban und Sepp Bircher (von links). (Bild: Corinne Glanzmann (Obbürgen, 21. März 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

Etwa fünf Jahre alt sei er gewesen, als er erstmals mit dem Schilter Senior gefahren sei, erzählt Dominik Bircher (33), der heute den Hof Salacher in Obbürgen führt. Unfreiwillig sei es passiert. «Ich sass auf dem Schilter, und weil der Gang eingelegt war, fuhr er einfach los. Da musste ich zuerst mal um die Bäume herumsteuern, bevor ich mich überhaupt darum kümmern konnte, das Fahrzeug abzustellen», erinnert sich Dominik Bircher – und sein Vater Sepp (72) schmunzelt. Tatsächlich hätten alle seine vier Söhne und die drei Töchter auf dem Senior das Fahren gelernt, allerdings seien sie schon älter und grösser gewesen. «Aber hin und wieder musste ich schon mit den Jungen schimpfen, weil sie solchen Spass hatten, auf dem Hof herumzufahren.»

Alle Bauern kauften einen Schilter

Doch Sepp Bircher hatte durchaus auch Verständnis für den Spass seiner Kinder, mit dem Schilter herumzukurven. Schliesslich war er als 19-Jähriger ebenfalls begeistert, als sein Vater im Frühling 1964 den Schilter Senior kaufte. Der einfache Transporter mit dem 11-PS-Dieselmotor kostete 10000 Franken. Damals viel Geld. «Das bringt mich um», hätte sein Vater gesagt, erinnert sich Sepp Bircher. «Der Schilter-Vertreter musste vier oder fünf Mal auf dem Hof vorbeikommen, bis er den unterschriebenen Vertrag im Sack hatte.» Gefahren sei sein Vater aber nie, mit keiner einzigen Maschine – doch das habe er als junger Mann noch so gerne übernommen. Und auf dem Hof der Birchers konnte der Senior sämtliche Vorteile ausspielen, welche die Fahrzeuge der Firma ab den 1960er-Jahren zum unverzichtbaren Helfer für viele Bauern machte. «Dass wir einen Schilter hatten, war nichts Besonderes. Damals kauften alle Bauern einen, wir fanden die Maschinen super.» Vorher hatten auch die Birchers mit Ross und Wagen gearbeitet. «Zwar mussten wir den Schilter damals noch von Hand beladen, aber man war viel schneller – nur schon, weil das An- und Abschirren des Pferdes entfiel. Zudem konnte man mit ihm auch an abschüssigen Hanglagen problemlos arbeiten und fast überall hinfahren.»

Im Einsatz als siebter Nothelfer

Während fünf Jahren war der Senior die einzige Maschine auf dem Hof der Birchers, später kamen zwei weitere Schilter dazu, ein Ladewagen und ein Kleintraktor, die mittlerweile aber längst vom Hof verschwunden sind. Der Senior hingegen verrichtet seit 54 Jahren zuverlässig und unfallfrei seinen Dienst. «Wir setzen ihn allerdings schon nicht mehr so oft ein», sagt Dominik Bircher und verweist darauf, dass halt die Maschinen enorme Fortschritte gemacht hätten. Und Vater Sepp meint mit einem Schmunzeln: «Der Senior ist unser siebter Nothelfer.»

Warum die Schilter-Fahrzeuge vor rund 50 Jahren auf dem Markt wie eine Bombe einschlugen, beweist gerade der Senior eindrücklich. Neben ihren Fähigkeiten waren Schilter bestechend einfach aufgebaut und nahezu unverwüstlich. Haben neuere Fahrzeuge Defekte im Zusammenhang mit der Elektronik, kann bei den mechanischen Schiltern nur wenig kaputt gehen, bestätigt Dominik Bircher. «Man braucht nicht mal extrem grosse mechanische Kenntnisse, um einen Schilter reparieren zu können.» Sogar Ersatzteile könne man mit den geeigneten Werkzeugen selber herstellen. Kein Wunder also, dass der Senior auf dem Hof der Birchers läuft und läuft und läuft.

Schilter Oldtimer sind gesuchte Kultobjekte

Längst haben die Fahrzeuge aus der Stanser Schilter-Maschinenfabrik Kultstatus. Auch Birchers würden ihren Senior um keinen Preis hergeben. Zu viele Erinnerungen sind mit dem Oldtimer verknüpft. Wie beispielsweise der Strohverlad am Bahnhof in Hergiswil. «In einer ganzen Kolonne mit Anhängern sind wir durch den Kirchenwaldtunnel gefahren. Das durfte man damals noch», erzählt Sepp Bircher und erwähnt, dass jeder vier Tonnen geladen hatte und man mit 20 Stundenkilometern unterwegs war. Einer habe dann noch unten in der ersten Kurve der Bürgenstockstrasse einen Teil der Ladung verloren.

Die Schilter-Oldtimer sind jedenfalls gesucht – auch von Sammlern, die sonst wenig mit der Landwirtschaft verbindet. «Wir haben ebenfalls schon Anfragen erhalten», sagt Dominik Bircher. Im Internet habe er auch schon gesehen, dass gut erhaltene Exemplare um bis 10000 Franken gehandelt würden.

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