OBERDORF: Peter Keller: «Heimweh ist eine Schweizer Spezialität»

In grosser Zahl strömten die Oberdörfler an ihre Bundesfeier, wo sich Nationalrat Peter Keller Gedanken zur Wahrnehmung von Heimat machte. Besser als eine Cervelat sei seine Rede nicht, hatte er augenzwinkernd angekündigt.

Edi Ettlin
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SVP-Nationalrat Peter Keller hält die Festansprache. (Bild: Edi Ettlin (Büren, 31. Juli 2017))

SVP-Nationalrat Peter Keller hält die Festansprache. (Bild: Edi Ettlin (Büren, 31. Juli 2017))

Edi Ettlin

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Zu Alphorn- und Ländlerklängen und zum Geruch von Holzfeuern strömten die Oberdörfler bereits am letzten Juliabend auf den Schulhausplatz in Büren. Orte, Gerüche, Töne und Erinnerungen waren es denn auch, die der Nidwaldner Nationalrat und Festredner Peter Keller mit Heimat in Verbindung brachte. Dies sei aber ganz individuell. «So trägt jeder ein spezielles Stück Heimat in sich», folgerte er.

Was Peter Keller selber anheimelt ist unter anderem, dass es in der Schweiz keine zentrale Bundesfeier sondern deren Tausende gibt. «Was all diese Feiern verbindet, ob in der Westschweiz oder hier, in den Städten, Gemeinden und auch bei jedem zu Hause im Garten: Wir feiern den Geburtstag der Schweiz, wir nehmen uns Zeit, machen uns Gedanken und sind dankbar, dass es uns und unserem Land so gut geht.»

Kehrseite der Heimatverbundenheit

Angesichts von Bezeichnungen wie «Sächsische Schweiz» oder «la piccola Svizzera di Ischia» stellte er fest, dass die Schweiz offenbar weltweit für besonders schöne Landschaften stehe. «Sogar das Heimweh ist eine Schweizer Spezialität», sagte Keller. Der geschichtlich versierte Lehrer und Journalist wusste zu berichten, dass im 17. Jahrhundert ein Elsässer Arzt das Heimweh als tödliche Krankheit beschrieben habe, welche nur Schweizer befalle. Schweizer Söldnern sei gar das Jodeln verboten worden, weil es als Auslöser dieser heimtückischen Krankheit angesehen worden sei.

Dass Heimweh nicht nur über lange Distanzen auftritt, bestätigt Maya Gut, die als «Heimwehbürerin» in Stans wohnhaft ist und deshalb noch im Bürer Kirchenchor mitsingt. Ihre Kollegin Käthi Schüpfer-Niederberger könnte vom Heimweh ebenfalls ein Liedchen singen. Sie hätte schon die Möglichkeit gehabt wegzuziehen. Aber sie wisse, was «langi Zeyt» sei. «Und so habe ich einfach meinen Mann nach Büren geholt», lacht sie. Zusammen mit anderen Chormitgliedern und weiteren Vereinen arbeiteten die beiden Frauen in der Festwirtschaft der Bundesfeier. Wohl ganz im Sinne von Peter Keller, der auf seiner Homepage verkündete: «Jede Cervelat, die im Garten gebrätelt wird, ist der Rede eines Politikers ebenbürtig.» Und so fehlten Bratwürste, Cervelats und Salate auch in Büren nicht. Wer wollte, konnte seine Wurst auch selber aufspiessen und über der Glut braten – oder Schlangenbrot backen.

Viel mehr Teilnehmer als erwartet

Begeistert von der Tatkraft der Helferinnen und Helfer zeigte sich vor allem Gemeinderat Roland Liem, der als Vorsteher der Kulturkommission für den Anlass verantwortlich zeichnete. «Man kann mit dem Finger schnippen, und die Leute kommen helfen. Das ist hier extrem schön», schwärmte er. Nicht minder beeindruckt hat ihn auch der Zustrom der Bevölkerung. «Wir haben mit etwa 250 Teilnehmern gerechnet, gekommen sind aber etwa 410», freut er sich.

Als es schliesslich Nacht geworden war in Büren, ergriff Bruno Scheuber die Volle und liess den Betruf über die Gästeschar erschallen. Auch das wieder so ein Klang, der wohl für viele Heimat bedeutet.