OBERDORF: Schulrat beteuert Kehrtwende

Weinflaschen für hundert Franken, Geschenke zu hohen Beträgen: Nach der happigen Kritik räumt der Schulrat Fehler ein. Diese seien aber bereits korrigiert worden.

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Gemäss den offengelegten Abrechnungen dürfte der Schulrat einige Male kostspielige Mehrgänger bestellt haben. (Archivbild Neue LZ)

Gemäss den offengelegten Abrechnungen dürfte der Schulrat einige Male kostspielige Mehrgänger bestellt haben. (Archivbild Neue LZ)

Oliver Mattmann

Eine Erwiderung auf die Vorwürfe? Fehlanzeige. Der Oberdorfer Schulrat blieb stumm und ging, als ob nichts wäre, zum nächsten Traktandum der Schulgemeindeversammlung über. Dabei sah er sich in den Minuten zuvor schonungsloser Kritik seitens der Finanzkommission (Fiko) ausgesetzt – dies in aller Öffentlichkeit. Fiko-Präsident Thomas Stadler trug Spesenabrechnungen vor, die jenseits jeglicher Verhältnismässigkeit seien und gegen das Prinzip des haushälterischen Umgangs mit Steuergeldern verstiessen (Ausgabe von gestern). Auszug der präsentierten Belege:

 

  • 2013: 60 Flaschen Wein an die Privatadresse des Schulpräsidenten. Auf Nachfrage, wofür der Wein gebraucht worden sei, habe Stadler nur zu hören gekriegt: «Für irgendeinen Anlass.»
  • 2013: Schulabschlussessen mit 62 Personen. Es werden 61 Flaschen Wein konsumiert, die Flasche kostet teils bis zu 99 Franken. Insgesamt wird pro Person für 123 Franken konsumiert.
  • 2014: Verabschiedung zweier Schulräte. Für das Essen werden total 3160 Franken ausgewiesen, das sind 137 Franken pro Person. Zudem werden den beiden Abtretenden Geschenke in der Höhe von 1690 Franken gemacht.

 

Thomas Stadler hielt weiter fest, dass das verschwenderische Spesengebaren über Jahre angehalten habe – trotz wiederholten Interventionen der Fiko.

Aus den Fehlern gelernt

Dass der Schulrat nicht auf die Enthüllungen eintrat und es keine Fragen aus der Versammlung gab, überraschte Thomas Stadler. «Ich habe im Anschluss von vielen Leuten gehört, sie seien schlichtweg schockiert und sprachlos gewesen.» Vermutlich sei es dem Schulrat ähnlich ergangen. Dieser habe wohl nicht mit einer solchen Offenlegung der Fakten gerechnet, sagte Stadler gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Unter den wenigen Stimmbürgern, die sich zu den Vorwürfen äusserten, befand sich alt Gemeinderat Josef Zelger. Er monierte, das derlei Verhalten imageschädigend für die Schule sei.

Er selber habe durchwegs positive Reaktionen für das transparente Vorgehen der Fiko erhalten, so Thomas Stadler weiter. Er gibt zu verstehen, dass ihm der Auftritt alles andere als leicht gefallen ist. Auch habe er sich vorgängig abgesichert, damit nicht das Amtsgeheimnis zu verletzen. Doch nach dem «kläglichen Versuch des Schulrats, sich aus der Affäre zu ziehen», habe er erst recht reinen Tisch machen wollen. Schulratspräsident Benno Odermatt gab sich auch am Tag nach der Schimpftirade der Fiko eher wortkarg. «Wie ich schon an der Gemeindeversammlung kommuniziert habe, sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. Die wollen wir nicht verschweigen, können sie aber nicht rückgängig machen.» Die Vorwürfe beträfen Angelegenheiten aus früheren Jahren. «Wir haben Korrekturen eingeleitet und etwa die Ansätze der Anlässe im aktuellen Budget nach unten korrigiert auf das Ausgabenniveau des Gemeinderates.» Auch gebe es seit diesem Jahr keine Pauschal­belege mehr. Die Fiko hatte diese kritisiert. Odermatt beteuert zudem, dass der neu zusammengesetzte Rat nun nach dem Grundsatz der Sparsamkeit lebe. Und an die Adresse der Fiko: «Jeder Anlass wurde im jeweiligen Budget ausgewiesen und von der Finanzkommission bewilligt.»

Rücktritt aus Protest

Indes: Thomas Stadler mag den Aussagen des Schulpräsidenten nicht richtig glauben. Und dreht dessen Worte um: «Es mag stimmen, dass wir die Pauschalbeträge im Budget genehmigt haben. Dies legitimiert den Schulrat aber noch lange nicht, den vollen Betrag auf diese Art auszuschöpfen.» Er und drei weitere Mitglieder der Fiko haben aus Protest das Handtuch geworfen. Ein Versammlungsteilnehmer meinte: «Es sind die Falschen zurückgetreten.»