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OBERDORF: Sie durfte gar zweimal auf die Bühne

Der Rollstuhl hinderte sie nicht auf dem Weg zum Erfolg. Für ihren Lehrabschluss wurde Julia Föhn ganz besonders ausgezeichnet.
Julia Föhn mit dem Lehrlingsverantwortlichen Christian Flüeler. (Bild Matthias Piazza)

Julia Föhn mit dem Lehrlingsverantwortlichen Christian Flüeler. (Bild Matthias Piazza)

Matthias Piazza

Eigentlich meldete sie sich für die Lehrabschlussfeier im Luzerner KKL ab und entschied sich für jene in Sarnen. Zu dieser zweifachen Einladung war es gekommen, weil Julia Föhn die zweijährige Lehre zur Büroassistentin beim kantonalen Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN) in Oberdorf absolvierte, jedoch in der Berufsfachschule Dreilinden in Luzern die Schulbank drückte. Telefonisch wurde sie gebeten, doch an der Feier im KKL teilzunehmen. Aus gutem Grund. Sie wurde dort mit dem Samuel-Ackermann-Preis ausgezeichnet, den sie unter grossem Applaus entgegennehmen durfte.

«Ich fiel aus allen Wolken, freute mich wahnsinnig», erinnert sich die 19-jährige Ennetbürgerin. Damit stand sie gleich zweimal im Mittelpunkt – in Luzern und Sarnen, an «ihrer» Lehrabschlussfeier zusammen mit anderen kaufmännischen Absolventen aus Nidwalden und Obwalden. «Es war mir fast etwas unangenehm, so im Rampenlicht zu sein», gesteht sie. Mit dem 1000 Franken dotierten Samuel-Ackermann-Preis wird eine bewundernswerte Leistung von Lernenden wie eben Julia Föhn honoriert, die einen beschwerlicheren Weg zum Lehrabschluss zurücklegten als andere. Aufgrund spastischer Lähmungen ist sie in der meisten Zeit auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem schaffte sie den Lehrabschluss mit der ansehnlichen Note von 5,0.

Straffes Tagesprogramm

«Ich bin stolz, dass es klappte. Ich investierte sehr viel Zeit ins Lernen.» Hinter ihr liegen zwei strenge Jahre mit einem sehr straffen Tagesprogramm, das um etwa 5.30 Uhr startete. Zur Arbeit oder dem Berufsschulunterricht gesellten sich Nachhilfestunden, Physio- und Reittherapie und natürlich Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen. «Es wurde meistens sehr spät, aber ich wusste, worauf ich mich einliess, und es war mir die Mühe wert», erklärt sie.

Sehr dankbar sei sie auch ihrem Lehrbetrieb EWN, welcher sie immer unterstützt habe. Grosse betriebliche Anpassungen seien allerdings nicht nötig gewesen. Gewisse Ablagefächer zum Beispiel wurden auf ihrer Höhe platziert. Ansonsten legte sie Wert, nicht wie ein rohes Ei behandelt zu werden. «Eine Spezialbehandlung wollte ich nicht. Es bringt ja nichts, Fehler zu beschönigen.» Auch in der Berufsschule in Luzern, wohin sie vom Fahrdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes gebracht wurde, wollte sie so selbstständig wie möglich bleiben. «Ich sagte meinen Mitschülern, dass ich nur die Hilfe annehmen will, die ich brauche.» Überhaupt sei sie ein kämpferischer Mensch, der nicht mit dem Schicksal hadere. «Wie für andere hat auch für mich der Tag 24 Stunden, die will ich sinnvoll nutzen und das Beste daraus machen.»

Beeindruckt von der Leistung

Lehrlingsverantwortlicher Christian Flüeler ist von der Leistung seiner ehemaligen Lehrtochter beeindruckt. «Sie legte einen unglaublichen Willen und Ehrgeiz an den Tag, den Preis hat sie mehr als verdient.» Mit Julia Föhn bildete das EWN mit je drei KV- und Netzelektriker-Lehrlingen erneut eine Lehrtochter mit einer Behinderung aus. «Die Herausforderung war, dass wir mit Julia im Allgemeinen gleich umgingen wie mit den anderen Lehrlingen.» Eine Schonbehandlung sei nicht das Ziel gewesen.

Nun freut sich die frischgebackene Büroassistentin, die gerade gestern ihren letzten Arbeitstag beim EWN hatte, auf einen neuen Lebensabschnitt. Nach drei Wochen Rehabilitation in Nottwil und Therapie in Florenz gehts mit einer Kollegin auf einen Sprachaufenthalt nach Cannes (F). «Es ist ein Experiment», unterstreicht sie den Respekt vor diesem Vorhaben, «aber alles, was ich bisher in meinem Leben machte, war ein Experiment.»

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