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OBERDORF: Sie wären bereit für den Ernstfall

Ein Chlorgasunfall im Schwimmbad der Schulanlage fordert 12 Verletzte. Glücklicherweise nur in einer Simulation. Das Szenario war aber eine wichtige Übung für die mobile Sanitätshilfsstelle.
Carina Odermatt
Verletzte werden in der mobilen Sanitätshilfsstelle betreut. Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 25. Oktober 2016)

Verletzte werden in der mobilen Sanitätshilfsstelle betreut. Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 25. Oktober 2016)

Die Feuerwehr Oberdorf, die Polizei, die Notorganisation Nidwalden und der Rettungsdienst des Kantonsspitals Nidwalden waren am Dienstagabend vor Ort, um das Vorgehen bei einem Chlorgasunfall im Schwimmbad zu üben. Ein solcher Unfall könnte geschehen, wenn Chemikalien falsch zusammengemischt würden und sich die Gase durch die Lüftung im ganzen Schwimmbad verteilen. Symptome einer Chlorgasvergiftung sind Atemnot, irreversible Verletzungen der Schleimhäute, Hustenanfälle, Bewusstlosigkeit und im Extremfall sogar der Tod.

Eine solche realitätsgetreue Übung vor Ort findet für die mobile Sanitätshilfsstelle einmal jährlich statt, dazu kommt ein Weiterbildungsabend mit verschiedenen Schwerpunkten. «Dieses Jahr wollten wir mit anderen Disziplinen zusammenarbeiten. Darum haben wir ein Szenario ausgesucht, bei dem auch die Feuerwehr beteiligt ist», erklärt Adrian Hochstrasser, Leiter der mobilen Sanitätshilfsstelle sowie stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes des Kantonsspitals NW. Die Feuerwehr Oberdorf hat mit Atemschutz die Patienten aus dem Schwimmbad geborgen, die Polizei war für die Identifikation vor Ort. Diese ist im Realfall eine Herausforderung, da die Patienten nicht mehr sprechen können und in den Badekleidern auch keinen Ausweis dabeihaben. Darum wird mit Fotos und Patientenleitsystemen gearbeitet, die jedem Patienten eine Nummer zuweisen. Im Ernstfall wäre bei einem Chemieunfall zusätzlich noch eine Dekontaminationsstelle der Stützpunktfeuerwehr im Einsatz.

Figuranten sind gute Schauspieler

«Da wir den Fall möglichst realitätsgetreu simulieren wollen, tragen die Figuranten trotz kalten Oktobertemperaturen nur ihre Badekleider. Sie müssen darum nicht nur medizinisch erstversorgt, sondern auch sofort warm gehalten werden. Dies ist eine besondere Herausforderung dieses Jahr», berichtet Hochstrasser. Das scheint hervorragend geklappt zu haben: «Eigentlich hatte ich sogar richtig heiss», erzählt die Figurantin Hedi Köppel (77). Die Hergiswilerin ist schon seit 40 Jahren Mitglied des Samaritervereins Hergiswil und war schon mehrmals Figurantin. Das Schauspielern macht ihr sichtlich Spass: «Als ich einen Moment allein gestanden bin, habe ich mich spontan entschieden, umzufallen. Danach wurde ich bestens umsorgt.»

Auch Samuel Filliger aus Ennetmoos, mit elf Jahren der jüngste Figurant, hatte Spass an der Übung. «Mein Vater, Fabian Filliger, ist der Einsatzleiter der Sanität, und ich bin sehr stolz auf ihn. Am liebsten möchte ich Notarzt bei der Rega werden und selber Menschen im Notfall helfen», erzählt er enthusiastisch. Die mobile Sanitätshilfestelle hat einen streng organisierten Ablauf: Nach der Bergung durch die Feuerwehr bekommen die Patienten in der sogenannten Pre-Triage ihr Patientenleitsystem und werden gleich in die Triage getragen oder geführt. Dort machen die Ärzte eine erste Diagnose, welche nicht länger als zwei Minuten dauern sollte. Danach geht es weiter in eines der drei geheizten Versorgungszelte, welche das Material für eine medizinische Erstversorgung enthalten. Nach der Behandlung werden die Verletzten von der Polizei identifiziert und sogleich mit den Ambulanzen ins Spital gebracht.

Neue Mitglieder für die Sanitätsstation gesucht

Die Organisation der mobilen Sanitätsstation wird per Januar 2017 von der Gesundheitsdirektion an das Kantonsspital Nidwalden übergehen. Sie besteht aus rund 75 Mitgliedern (Ärzte, Fachpersonal Gesundheit, Sanitäter und Logistiker), die im Milizsystem arbeiten. Was fehlt, ist der Nachwuchs. Die Organisation besteht seit der Gründung vor 20 Jahren aus den gleichen Mitgliedern.

Bisher wurde die mobile Sanitätsstation in Nidwalden noch nie im Ernstfall eingesetzt, doch man ist sich inzwischen einig, dass sie bei verschiedenen Unfällen doch nützlich gewesen wäre.

Adrian Hochstrasser zieht ein positives Fazit der Übung: «Die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen hat gut harmoniert, und die Organisation hat dank dem regelmässigen Üben grosse Fortschritte gemacht im Aufstellen und Betreiben der mobilen Sanitätshilfsstelle.» Es seien auch einige Punkte entdeckt worden, die noch verbessert würden. Im Ernstfall hätte aber alles geklappt. «Wir sind auf dem richtigen Weg.»

Hinweis

Infos für Interessenten an der mobilen Sanitätshilfsstelle gibt: adrian.hochstasser@ksnw.ch

Carina Odermatt

Eine ohnmächtige Frau wird von der Feuerwehr mit der Rettungsliege aus dem Schwimmbad befördert. (Bild: Edi Ettlin)
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren an der Übung beteiligt. (Bild: Edi Ettlin)
Die Feuerwehr bespricht ihren Einsatz im Schwimmbad. Dort kam es zum Chlorgas-Unfall. (Bild: Edi Ettlin)
Die Feuerwehr bei der Rettung eines Badegastes. (Bild: Edi Ettlin)
Darum wurde auf dem Sportplatz eine mobile Sanitätshilfestelle aufgebaut. (Bild: Edi Ettlin)
Bei der Übung wurden die Betroffenen unter anderem mit Decken vor Kälte geschützt. (Bild: Edi Ettlin)
Die Betroffenen wurde auch medizinisch versorgt. (Bild: Edi Ettlin)
Sanitäter bei der Arbeit. (Bild: Edi Ettlin)
Rettungskräfte bei der Arbeit. (Bild: Edi Ettlin)
Eine verletzte Frau liegt auf der Rettungsliege und der Notarzt versorgt sie. (Bild: Edi Ettlin)
10 Bilder

Chlorgas-Unfall in Oberdorf war Übung

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