OBERDORF: Was bleibt, ist Rucksack mit Erfahrungen

Über 120 Wehrmänner sind aus ihrem Dienst entlassen worden. Für den neuen Kreis- kommandanten Theo Küchler bedeutete dieser Akt eine Premiere. Er sprach dabei das Rekrutierungsproblem der Armee an.

Richard Greuter
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Auch Frederic Müller (links) wird aus dem Wehrdienst entlassen und gibt seine militärischen Utensilien zurück.Bild: Richard Greuter (Oberdorf, 7. Dezember 2016)

Auch Frederic Müller (links) wird aus dem Wehrdienst entlassen und gibt seine militärischen Utensilien zurück.Bild: Richard Greuter (Oberdorf, 7. Dezember 2016)

Für Armeeangehörige ist es ein besonderes Erlebnis, wenn sie sich von ihrem Militärdienst verabschieden. Für einige gar ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Insgesamt 121 Wehrdienstpflichtige im Alter von rund 30 Jahren durften am Mittwoch im Bevölkerungsschutzzentrum Oberdorf ihre Ausrüstung abgeben. Jeder Wehrmann erhielt eine Urkunde und ein Billett aufs Stanserhorn.

Für manche ist es ein Abschied von Entbehrungen, aber auch von vielen Erlebnissen. Die Frage, ob der Militärdienst eine Tortur war, beantwortet kaum einer mit Ja. Auch der Buochser Frederic Müller berichtet nur von positiven Erlebnissen: «Es war überhaupt nicht schlimm.» Im Gegenteil, so Müller weiter, es sei eine spannende Erfahrung gewesen. «Mich hat beeindruckt, wie sich wildfremde Leute, die sich vorher überhaupt nicht gekannt haben, in der Gruppe fanden», erzählt der 31-jährige Industriedesigner. Seinen Dienst leistete er in Alpnach, wo er für die Flugplatzsicherung verantwortlich war. An ein Highlight erinnert er sich speziell: «Ich durfte mal in einem Super-Puma mitfliegen.»

Kreiskommandant seit Februar im Amt

Seit Februar ist Theo Küchler Nidwaldner Kreiskommandant. In dieser Funktion ist er gleichzeitig Verwalter von Waffenplatz und Zeughaus. Laut Küchler leistet jeder Wehrmann rund 260 Diensttage. Offiziere sind in der Regel um die 400 Tage im Militärdienst. Höhere Offiziere schaffen es gar bis über 1000 Diensttage. Sie werden jedoch erst Anfang Januar bei einem speziellen Anlass aus der Armee entlassen.

Wie Theo Küchler weiter berichtet, zählt Nidwalden aktuell rund 1500 Militärdienstpflichtige, darunter 7 Frauen. Im nationalen Vergleich hat Nidwalden am wenigsten Untaugliche. Dies hat seinen Grund. «Leute aus den Gebirgskantonen sind eher robuster», so die Einschätzung des Kreiskommandanten. Genaue Zahlen über Zivildienstleistende gibt es nicht. Doch laut Küchler, der die Rekrutierungsprobleme der Armee ansprach, bräuchte das Militär die Zivildienstler dringend: «In der Armee hat es für jeden einen Job.»

Für Wehrpflichtige war es früher einfacher, ihre Dienstwaffe nach der Entlassung zu behalten. Nach wie vor müssen sie innert drei Jahren mindestens zweimal das Obligatorische und das Feldschiessen absolvieren. Zusätzlich ist ein Waffenerwerbsschein erforderlich. Neun Sturmgewehr- und zwei Pistolenschützen machten davon Gebrauch.

Richard Greuter
redaktion@nidwaldnerzeitung.ch