OBERDORF/KRIENS: Unter lauter Profis ist sie gefordert

Sie ist erst 22 Jahre alt. Beim Musical «Saturday Night Fever» spielt die Nidwaldnerin Eliane Kayser als einzige Laiendarstellerin. Auch Lampenfieber ist dabei.

Marion Wannemacher
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Mitten im «Saturday Night Fever»: Eliane Kayser (Zweite von rechts) als einzige Laiendarstellerin unter Profis. (Bild: PD)

Mitten im «Saturday Night Fever»: Eliane Kayser (Zweite von rechts) als einzige Laiendarstellerin unter Profis. (Bild: PD)

Mittagspause für Eliane Kayser. Der Seminarraum ist leer, die Mitstudenten sind zum Essen gegangen. Genau eine Stunde Zeit für den mitgebrachten Salat und ein Gespräch. Die 22-Jährige aus Oberdorf studiert seit diesem Jahr in Luzern Religionspädagogik, in einem 50-Prozent-Pensum arbeitet sie auf der Verwaltung in ihrer Wohngemeinde Oberdorf. Eine ganz normale junge Frau. Bis auf die Tatsache, dass sie ab morgen Abend 50-mal im Le Théâtre in Kriens auf der Bühne stehen wird. Eliane Kayser ist einzige Laiendarstellerin unter lauter professionellen Schauspielern und Tänzern. Morgen ist Premiere von «Saturday Night Fever».

Ohne Hektik auf die Bühne

Kribbelt es schon vor Aufregung? «Es kommt immer mehr», sagt Eliane Kayser. «Es ist das erste Mal, und du weisst, das Fernsehen ist vor Ort. Ich will da aber keine Hektik reinbringen», sagt sie entschlossen. Im Premierenpublikum weiss sie ihre Mutter, Regierungsrätin Karin Kayser, und ihren Vater. Grosse Tipps gegen Nervosität kennt sie nicht. Aber: «Ein gewisses Lampenfieber brauchts», sagt sie wie ein alter Hase.

Bühnenerfahrung hat Eliane Kayser bereits: An der Märli-Biini in Stans spielte sie bei der Produktion des «Zauberers von Oz» im vergangenen Jahr mit, im Jodlerklub Flüeli-Ranft ist sie seit knapp fünf Jahren Vorjodlerin. Die Nidwaldnerin hat eine klassische Gesangsausbildung genossen.

Irgendwann hat sie mal der Förderverein des Le Théâtre angesprochen, sie solle sich doch mal vorstellen. Dass es um die Rolle der Linda ging, war damals noch nicht klar. Nachdem sie vorgesungen, vorgetanzt und vorgesprochen hatte, bot man ihr die Rolle an. «Das ist natürlich eine Riesenerfahrung, die ich da machen kann, aber ich werde auch gefordert.»

Möglichst authentisch spielen

Mit der Rolle bekam sie die Auflage, Gesangsstunden im modernen Bereich zu nehmen. Ausserdem sollte sie sich einlesen über die Siebzigerjahre hier und in New York, um das Lebensgefühl authentisch nachzuspielen.

In der Umsetzung des Filmklassikers aus den Siebzigern als Musical geht es um die hoffnungslose Situation der Jugendlichen in New York. Hauptfigur Tony Manero definiert sich mangels Perspektiven über seine Tanzleistung in der Disco. Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt in einem Tanzwettbewerb.

Eliane Kayser spielt im Musical die Rolle der Linda, der kleinen Schwester des Hauptdarstellers. Von freudigen Szenen bis zum tränenreichen Abschied sei alles dabei. «Dafür, dass es eine Nebenrolle ist, braucht es viel Einsatz an Emotionen. Ich spiele das Nesthäkchen der fünfköpfigen Familie. Mein Ziel ist es, in den Ausgang zu gehen und an der Tanzcompetition meinen Bruder anzufeuern. Die Schuhe spare ich mir mit Sackgeld zusammen, das Kleid schneidere ich mir selbst.» Nein, so sehr identifiziere sie sich mit der Rolle nicht. «Ich bin nicht so die Konservative, aber das Abenteuerlustige, etwas ausprobieren zu wollen, das ist bei mir da.»

Respekt vor Probe mit Vollprofis

Im Stück singt und tanzt sie. Eine Herausforderung für sie, da sie ja nicht aus dem Tanzmetier komme. Respekt habe sie schon vor der ersten Probe mit lauter Vollprofis gehabt, erzählt Eliane Kayser. «Da sitzt du in der hintersten Sitzreihe und denkst ‹wow›.» Es komme darauf an, dass man zusammen etwas auf die Reihe bringe, ohne dass der Zuschauer die Kluft zwischen Profis und Laien spüre. Arbeiten musste sie an ihrem Bühnendeutsch, am «klingenden S» und dem «R». Die Proben seit Mitte September seien schon intensiv gewesen. «Da heisst es zurückstecken mit Familie und Freunden.» Es sei ja klar, dass sie hundertprozentigen Einsatz gebe. Und wenn sie mal jemand frage: «Eliane, warum tust du das?», sei die Antwort klar: «Weil es mir Spass macht.»

Hinweis:

Premiere morgen im Le Théâtre in Kriens, 19.30 Uhr. Derniere 10. Januar 2015. www.le-theatre.ch