Oberrickenbach
Zumbühls vom «unter Göhrenmattli» werden gemeinsam 1000 Jahre alt

Zählt man das Alter aller 13 Kinder der Grossfamilie zusammen, kommt man in diesem Jahr auf eine ganz spezielle Zahl. Doch feiern liegt in diesem Jahr wohl nicht drin.

Otmar Näpflin
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Nur zu gerne hätten sie diesen Millenniumsgeburtstag gemeinsam gefeiert, doch das Gebot der Zeit lässt dies nicht zu. Die Freude lassen sich die 13 Kinder der Grossfamilie Zumbühl jedoch nicht nehmen. Denn gemeinsam werden sie in diesem Jahr 1000 Jahre alt. Auf das seltene Ereignis werden sie im Stillen anstossen.

Die Familie Zumbühl wird 1000-jährig: (von links) Sepp (1947), Toni (1933), Anni (1939), Edi (1949), Vreni (1942), Paul (1958), Marie (1934, Marta (1953), Pia (1945), Rita (1944), Margrit (1941), Elisabeth (1952) Rosa (1936).

Die Familie Zumbühl wird 1000-jährig: (von links) Sepp (1947), Toni (1933), Anni (1939), Edi (1949), Vreni (1942), Paul (1958), Marie (1934, Marta (1953), Pia (1945), Rita (1944), Margrit (1941), Elisabeth (1952) Rosa (1936).

Bild: zvg / Sepp Zumbühl, Oberdorf

Ein Blick in die Familienchronik: Den Annalen der Familie Anton und Marie Zumbühl-Waser ist zu entnehmen, dass das Geschlecht Zumbühl seit jeher zu den «alteingesessenen Oberrickenbachern» gehört. So besagt die Ahnengalerie von Anton Zumbühl (1902–1989), dass er mit 14 Geschwistern aufwuchs, während seine Frau Marie (1911–1991) einen Bruder hatte, der im zarten Alter von 21 Jahren verstarb.

Familie lebte nur von zwei Kühen

Anton Zumbühl-Waser, der 1932 Marie Waser heiratete, arbeitete aushilfsweise als Knecht auf besagtem Heimetli. Infolge tragischer Umstände aufgrund von Todesfällen übernahm er mit seiner Frau diese Liegenschaft von geringer Grösse. Der Viehbestand betrug lediglich zwei Kühe und die Erträge daraus reichten nur ganz knapp aus, damit die stetig wachsende Familie ein Auskommen hatte. Vater Anton war sich seiner Rolle als Ernährer sehr bewusst. So arbeitete er beim Kraftwerk Bannalp, nahm eine Anstellung als «Schneeschaufler» auf der Rigi an oder liess sich als Holzakkordant im Solothurnischen verpflichten, alles Betätigungsfelder, die ihm ein paar Batzen eintrugen.

Das Elternhaus «unter Göhrenmattli» in Oberrickenbach.

Das Elternhaus «unter Göhrenmattli» in Oberrickenbach.

Bild: Sepp Zumbühl, Oberdorf

Nachdem 1933 Stammhalter Toni geboren wurde, erblickten in den kommenden 25 Jahren weitere 12 Kinder das Licht der Welt. «In der Entstehung unserer Familie brachte die Mutter ihre Kinder bei Hausgeburten zur Welt», erzählt Sepp, einer der jüngeren Garde. «So musste der Vater jeweils die Geburtshelferin in Wolfenschiessen abholen und half ihr beim Tragen der Hebammentasche.» Nach der Geburt des dritten Kindes teilte man den Eltern mit, dass sich des schweren Kindbettfiebers wegen kein weiterer Kindersegen einstellen werde. Diese Prognose sollte sich nicht bewahrheiten, denn zum bestehenden Trio gesellten sich von 1939 bis 1958 weitere zehn Bewohner vom «unter Göhrenmattli».

Auch mit wenig zufrieden

Der 74-jährige Sepp erzählt nicht ohne Stolz, dass sie die einfache und karge Jugendzeit sehr geprägt habe. Sie alle lernten, auch mit wenig zufrieden zu sein. Ferner sei das Erlernen eines Berufes für seine älteren Geschwister und ihn Wunschdenken gewesen. Denn es galt, Geld zu verdienen, was zu Hause abgegeben werden musste. «Dies waren wir uns gewohnt und kannten nichts anderes», meinte er schmunzelnd. «Dass meine noch jüngeren Geschwister eine Berufslehre absolvieren durften, mochte ihnen der Rest der Familie gönnen. Missgunst deswegen kannten wir nicht.»

Für ihn ist klar: «Das Rüstzeug, um im Leben bestehen zu können, haben uns die Eltern auf unseren Weg mitgegeben. Diese Lebensschule, in Einfachheit aufzuwachsen und zusammenleben, war eine gute Erfahrung. Wir blicken mit Stolz und Dank erfüllt auf diese Zeit zurück.» Dadurch seien auch der Gemeinschaftssinn und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt worden, «das wir bei passenden Gelegenheiten ausgiebig pflegen und geniessen», fügt er an.

Wer älter werde, denke gerne an früher zurück und verleugne seine Herkunft nicht. Für die Nachkommen der Familie Zumbühl-Waser gilt ganz klar, dass sie trotz teilweise auswärtigen Wohnsitzes im Herzen Oberrickenbacher sind und es auch bleiben wollen.