Obwalden

Historisch bedeutende Brücke ist fertig saniert

Der Geissfusssteg in Alpnach Dorf ist im Inventar als schützenswertes Kulturobjekt von regionaler Bedeutung.

Markus Villiger
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Die Bauarbeiten für die Sanierung des Geissfussstegs haben rund sechs Monate gedauert. Im Mai wurde mit den Bauarbeiten begonnen und die Fertigstellung erfolgte gegen Ende Oktober dieses Jahres.

Der Geissfusssteg in Schoried nach der Restaurierung.

Der Geissfusssteg in Schoried nach der Restaurierung.

Bild: PD

Der Geissfusssteg konnte coronabedingt nur im kleinen Kreis durch Pfarreikoordinator Felix Koch eingesegnet werden. Eine kleine Gedenktafel wird ab Frühling 2021 im neu gestalteten kleinen Park neben der Brücke von ihrer Geschichte erzählen.

Gezeichnet von Hochwasserereignissen

Das Bauwerk wurde erstellt, um den Verkehrsweg aus dem Bereich der Hochwassergefahren zu halten. Bereits 1895 wurde das Flussbett der Grossen Schliere vom Geissfusssteg an talwärts verbaut. Der Geissfusssteg wurde, gemäss der Betoneinlage auf der Stegfläche des nordwestlichen Hauptträgers, im Jahr 1934 gebaut und ist einer der letzten Vertreter einer im Originalzustand enthaltenen Brücke aus der Frühzeit des Betonbaus, wie Peter Omachen, Kantonaler Denkmalpfleger, im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Die als «Melan-Bauweise» bekannte Stahl-Beton-Verbundkonstruktion war in der Entwicklungsgeschichte des modernen Brückenbaus wegweisend. Der Bau des Stegs beruht auf einem Beschluss der Landsgemeinde von 1931 zur Verbauung der Grossen Schliere. Bauherrin war die Gemeinde Alpnach.

Das Flussbett der Grossen Schliere ist gezeichnet von Hochwasserereignissen, die es seit der Bauzeit um mehrere Meter abgetieft und stark erodiert haben. Dazu Peter Omachen: «Mit seiner strengen Geometrie setzt der Geissfusssteg dieser rohen Flusslandschaft mit Geschiebe, Blöcken und Ablagerungen einen starken Kontrast entgegen. Dieser Gegensatz wird durch die beiden kräftigen Widerlager in Naturstein noch verstärkt. Die schlanke Betonbrücke wirkt in diesem Umfeld geradezu kühn und elegant.»

Gutachten von Bundesexperten

Die Brücke mit einer Länge von 32,3 Metern und einer Breite von knapp 3 Metern ist ein Objekt von geschichtlicher Bedeutung und gleichsam ein landschaftsprägendes Element. Sie ist seit 2015 im Inventar als schützenswertes Kulturobjekt von regionaler Bedeutung.

Was aber ist zu tun, wenn sie aufgrund ihres hohen Alters ihren Dienst nicht mehr zuverlässig versehen kann? Auf diese Frage antwortete Peter Omachen: «Mit heutigen Berechnungsmethoden für moderne Brückenkonstruktionen liess sich nicht feststellen, wie sicher die Brücke noch war. Dies war auch der Grund, warum die Gemeinde Alpnach einen Ersatzneubau vorsah.»

Das Hochwasserereignis von 1920 zerstörte den hölzernen Geissfusssteg.

Das Hochwasserereignis von 1920 zerstörte den hölzernen Geissfusssteg.

Archivbild

Die kantonale Denkmalpflege konnte mit Eugen Brühwiler von der ETH Lausanne einen Bundesexperten für historische Tragwerke beiziehen, der mit seinem Mitarbeiter Philipp Schiltz die erforderlichen Berechnungen erstellte. Er konnte nachweisen, dass sich die Brücke mit vertretbarem Aufwand für eine Nutzungsdauer von weiteren 80 Jahren instand stellen lässt und die Tragsicherheit für den gesetzlich zulässigen Strassenverkehr (für 40 Tonnen schwere Fahrzeuge) gewährleisten kann. «Die kulturellen Werte der Brücke als Objekt der Ingenieurbaukunst sind bedeutend. Die Brückenkonstruktion kann mit einem verhältnismässigen Aufwand instand gesetzt werden», schreibt der eidgenössisch anerkannte Gutachter.

Gesamtkosten betragen rund 900'000 Franken

Das Ziel des Gutachtens bestand darin, die Leistungsfähigkeit der Brückenkonstruktion unter dem Aspekt der Denkmalschutzwürdigkeit zu untersuchen und Massnahmen zur Erhaltung vorzuschlagen. Das ist Professor Eugen Brühwiler bestens gelungen.

«So öffnete das Gutachten die Tür für einen gemeinsamen Weg. Anstatt unnötigerweise eine viel teurere neue Brücke zu bauen, konnte die historische Brücke unter Begleitung des Bundesexperten und der Denkmalpflege fachgerecht restauriert und ertüchtigt werden», so Peter Omachen. Und er ergänzte, «Denkmalpflegebeiträge von Bund und Kanton halfen zusätzlich dabei, diese für alle Beteiligten eine gute Lösung erfolgreich umzusetzen». Die Gesamtkosten werden auf 920'000 Franken ausgewiesen. Die Beiträge von rund 20 Prozent (10 Prozent Bund und 10 Prozent Kanton) werden nach den Worten von Gemeindevizepräsident und Departementsvorsteher Bau und Unterhalt Willy Fallegger zurzeit noch abgerechnet.