OBWALDEN/NIDWALDEN: Nicht alles ist für fremde Ohren bestimmt

Diskretion am Polizeischalter ist wichtig, aber nicht überall einfach zu handhaben. In Obwalden ist man an einer neuen Lösung.

Marion Wannemacher
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Wenig Diskretion: Klingel mit Gegensprechanlage im Eingangsbereich des Polizeigebäudes. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 18. Januar 2017))

Wenig Diskretion: Klingel mit Gegensprechanlage im Eingangsbereich des Polizeigebäudes. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 18. Januar 2017))

Es gibt Orte, da ist Diskretion nicht nur eine gute Geste, sondern notwendige Voraussetzung für den Umgang mit Menschen: beim Arzt, am Postschalter, bei der Bank – und bei der Polizei. Nicht jedes Anliegen ist für fremde Ohren bestimmt, und in kleinen Kantonen kennt jeder jeden.

Wer schon einmal bei der Kantonspolizei Obwalden eine Anzeige machen musste, kennt die Situation am Eingang. Zur einen Seite geht es zum Verkehrssicherheitszentrum, die Treppe hoch zum Konkurs- und Betreibungsamt und zur anderen Seite zur Polizei. Um bei der Polizei zur entsprechenden Stelle zu gelangen, muss sich, wer Einlass begehrt, zunächst per Gegensprechanlage melden. Begegnungen mit anderen Leuten sind also möglich.

Problem ist bekannt und soll behoben werden

«Das Problem ist uns sehr bewusst», sagt Christoph Amstad, seit Juli Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements und Hausherr des Polizeigebäudes am Foribach. «Die Situation im Eingangsbereich ist nicht übersichtlich und von der Diskretion her nicht ideal», bestätigt er. Man habe das Problem erkannt und in der Geschäftsführung besprochen. «Im Zuge der Umorganisierung des Feuerwehrinspektorats werden wir einen Schalterraum einrichten, sodass man eintreten und dort sein Anliegen schildern kann», sagt Amstad.

Nach einem Regierungsratsbeschluss im vergangenen Frühjahr war eine Grundsanierung des Polizeigebäudes Foribach auf später verschoben worden. Deshalb gebe es auch keine baulichen Massnahmen, nur die nötigsten Änderungen würden vorgenommen, hält der Justiz- und Sicherheitsdirektor fest. Voraussichtlich bis April oder Mai werde der neue Schalter eingerichtet sein.

Bis dahin rät Christoph Am­stad, der als früherer Geschäftsstellenleiter einer Bank das Thema Diskretion gut kennt, auch nicht einfach alles am Telefon im Eingangsbereich preiszugeben. Und wenn es denn ganz persönlich ist, zu sagen: «Ich möchte mein Anliegen im persönlichen Gespräch schildern.»

«Vorher telefonisch anmelden»

Und in Nidwalden? «Bis heute ist mir kein Fall bekannt, dass sich jemand gestört gefühlt hat», sagt der Nidwaldner Polizeikommandant Jürg Wobmann. Grundsätzlich sei es schon möglich, dass sich mehrere Menschen in der Schalterhalle des Polizeigebäudes an der Kreuzstrasse aufhielten. «Am einfachsten ist es, wenn man sich vorher telefonisch anmeldet und eine Zeit abmacht», erklärt er pragmatisch. Das anschliessende Gespräch finde dann diskret im Backoffice statt.

Wer spontan kommt, muss sein Anliegen am Schalter schildern. «Ich kann mir schon vorstellen, dass das ein Problem sein kann», räumt Wobmann ein. «Im Moment ist es von den räumlichen Verhältnissen her schwierig. Falls der Neubau an der Kreuzstrasse gebaut wird, wird diesem Aspekt aber sicher im Konzept Rechnung getragen», stellt er in Aussicht.

 

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@

 

obwaldnerzeitung.ch