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Obwaldner und Nidwaldner Alpen: Wasser und Futter werden knapp

Die Bauern kämpfen mit den Auswirkungen von Hitze und Trockenheit. Bei der Rückkehr von den Alpen werden sie jedoch nicht unbedingt bessere Verhältnisse antreffen.
Martin Uebelhart
Die Alp Bleiki oberhalb von Niederrickenbach leidet unter der Trockenheit der vergangenen Wochen. (Bild: PD (7. August 2018))

Die Alp Bleiki oberhalb von Niederrickenbach leidet unter der Trockenheit der vergangenen Wochen. (Bild: PD (7. August 2018))

Wo man grün erwartet, ist es derzeit eher braun: Auf Wiesen und an Hängen ist erkennbar, dass in der letzten Zeit deutlich zu wenig Regen gefallen ist. Das wirkt sich auch auf die Land- und die Alpwirtschaft aus, wie eine Nachfrage bei den Kantonen zeigt. «Das macht sich nicht in ganz Nidwalden im selben Mass bemerkbar», sagt Andreas Egli, Leiter des Amts für Landwirtschaft. Im Tal sei etwa Ennetbürgen besonders von der Trockenheit betroffen. «Bei den Alpen ist es insbesondere der vordere Kantonsteil, etwa im Gebiet des Buochserhorns.»

Im Kanton Obwalden leide der untere Kantonsteil tendenziell mehr unter der Trockenheit als der obere. «Dort ist ab und zu noch etwas Regen gefallen», sagt Bruno Abächerli, Chef des Amts für Landwirtschaft und Umwelt. Bei den Alpen seien die Gebiete auf der linken Kantonsseite mit Blick in Richtung Brünig eher mehr betroffen. Die grössten Probleme auf den Alpen seien das Futter und die Wasserversorgung für das Vieh. «Flüge mit Wasser oder Futter hat es meines Wissens noch nicht gegeben», sagt er.

Paul Barmettler bewirtschaftet mit seiner Familie die Alp Bleiki oberhalb von Niederrickenbach. «Wir haben noch etwa für eine Woche Futter», beschreibt er die derzeitige Situation. Wasser könne man im Moment noch genug beschaffen, erzählt er. «Teilweise müssen wir es zuführen.» 2003 sei es schon sehr trocken gewesen. Im Vergleich dazu sei es dieses Jahr noch etwas schlimmer, findet er. Seit Mitte Juni habe es viel zu wenig geregnet, entsprechend sei auch das Gras auf den Alpen und auch im Tal zu wenig gewachsen. Von seinen 27 Kühen hat Barmettler jetzt noch 22 auf der Alp.

Situation nagt auch an der Moral

Sollte er gezwungen sein, sämtliche Tiere früher als geplant wieder auf seinen Talbetrieb in Oberdorf zu treiben, werde es auch nicht einfacher. «Dort wird ebenfalls Futter fehlen», hält er fest. Das könne bedeuten, dass er früher als in anderen Jahren Heu aus dem Wintervorrat an die Tiere verfüttern und entsprechend Futter zukaufen müsse. Barmettler geht davon aus, dass auch mehr Vieh auf den Markt kommen werde. «Die Schlachtviehpreise werden unter Druck kommen.» Bei Paul Barmettler nagt die Situation zuweilen auch an der Moral: «Man schaut als Bauer zum Land und jetzt muss man zusehen, wie alles verdorrt. Man kann nichts dagegen machen.»

Bei der Korporation Sachseln ist Josef Rohrer für die Verwaltung der Alpen zuständig. «Man muss extrem haushälterisch mit dem Wasser umgehen», betont er. Einzig auf die Alp Astel beim Stucklichrüz müsse Wasser zugeführt werden. «Die Quelle dort führt nicht mehr genug Wasser», weiss Rohrer. Auf den anderen Alpen sei man am Limit, teilweise müsse man das Wasser so verteilen, damit es an der richtigen Stelle zur Verfügung stehe. «Da muss man etwas improvisieren», sagt er. In den vergangenen Tagen habe es immerhin eine gewisse Entspannung der Situation gegeben. «Es hat im Gebiet etwa 15 Millimeter Niederschlag gegeben und es hat etwas abgekühlt.»

Weiterer Regen sei aber bitternötig, betont Rohrer. Ein Problem sei weiter die schlechtere Qualität des Futters. Das sehe man auch an der Milchmenge, die merklich zurückgegangen sei. Das Vieh sei jetzt auf den Hochalpen, sagt Rohrer. Etwa um den 25. August herum werde dieses auf die tiefer gelegenen Voralpen getrieben. «Dort könnten die Landwirte dem Problem begegnen, dass das Gras wegen der Trockenheit nicht so stark wachsen konnte wie in anderen Jahren». Das könnte die Bauern zwingen, früher als zum Ende der Alpzeit gegen Ende September ins Tal zu ziehen.

Bauern spüren finanzielle Auswirkungen

Die Auswirkungen des Sommers werden die Bauern auch finanziell spüren, sei es, weil sie weniger für Schlachtvieh lösen oder weil sie zusätzliches Futter kaufen müssen. «Eine Verordnung des Bundes ermöglicht es den Kantonen bei aussergewöhnlich meteorologischen Verhältnissen von Kürzungen der Direktzahlungen abzusehen», erklärt Bruno Abächerli. Solche Kürzungen seien im Normalfall etwa vorgesehen, wenn mehr Raufutter als erlaubt dazugekauft werde oder wenn die vorgesehene Zahl von Sömmerungstagen nicht erreicht werden. «Zudem haben wir die Möglichkeit, die Rückzahlungsfrist von Investitionsdarlehen auszudehnen.»

Andreas Egli gibt zu bedenken, dass es auch mittelfristige Massnahmen brauche wie die Verbesserung der Infrastruktur für die Wasserversorgung auf den Alpen oder die Förderung von Gräsern, die für trockeneres und heisseres Wetter in tieferen Lagen geeignet sind.

Stans muss Privaten aushelfen

Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Ob- und Nidwaldens Gemeinden vorerst überall gewährleistet. Sie rufen zu sparsamem Wasserverbrauch auf. Im Gegensatz zu Hergiswil, wo keine Schwimmbecken mehr gefüllt und Rasen nicht gewässert werden dürfen, wurden im Rest beider Kantone keine Massnahmen ergriffen, wie eine schriftliche Umfrage ergab. Kerns hätte beispielsweise noch Reserven für drei bis vier Wochen. Eine Ausnahme ist Stans: Hier musste die Gemeinde einzelnen Privaten mit eigenen Fassungen aushelfen. In Sarnen muss nächstens Grundwasser ins Netz eingespeist werden, weil die Quellen weniger liefern, was aber ebenfalls nicht kritisch sei. (mvr)

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