Offene Türen ermöglichen in Stans einen einzigartigen Heiligabend

Das öffentliche Weihnachtsfest lässt für einige Stunden Einzelschicksale und Alltagssorgen vergessen.

Ruedi Wechsler
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Festliches Nachtessen an schön gedeckter Tafel. Links das Geburtstags-"Christkind" Verena Mathis.

Festliches Nachtessen an schön gedeckter Tafel. Links das Geburtstags-"Christkind" Verena Mathis. 

Bild: Ruedi Wechsler (Stans: 24. Dezember 2019)

Immer mehr Personen folgen der Einladung zur offenen Weihnachtsfeier unter der Leitung der Katholischen und Evangelisch-Reformierten Kirchen. Familiäres Beisammensein an Weihnachten ist für viele Menschen nicht mehr möglich. Auch in Stans waren sie eingeladen: Alleinstehende, Traurige und Fröhliche, Fromme und Zweifler, Weihnachtsmuffel und Sentimentale, aber auch Gläubige anderer Religionen.

Pfarrerin Silke Petermann bei der Weihnachtsfeier.

Pfarrerin Silke Petermann bei der Weihnachtsfeier.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans: 24. Dezember 2019)

Nach einem Begrüssungsapéro folgten besinnliche Momente in der reformierten Kirche. Christa Bachmann aus Buochs erzählte die berührende Geschichte «Die Orange des Waisenknaben Tim». Sie ist dabei, seit es dieses Angebot gibt und sie habe sich nach der ersten Teilnahme freiwillig gemeldet, um eine Geschichte an der Feier erzählen zu können. Die 45 Teilnehmer stimmten anschliessend beliebte Weihnachtslieder an, wie «Jingle Bells» oder «Leise rieselt der Schnee». Begleitet wurde der «Chor» vom «Echo vom Gadedach» mit dem Duo Ruth Duss-Niederberger und Marcel Egger am Schwyzerörgeli. Die beiden hatten sich freiwillig für diesen Anlass gemeldet, um andern eine Freude zu bereiten.

Eine innere und tiefe Zufriedenheit

Nun wartete ein von Martin Ottofrickenstein und seinem Team köstlich zubereitetes Weihnachtsmenu auf die Gäste. Martin macht das freiwillig und zieht diese Arbeit einer Spende ins Ausland vor. Das Dessertbuffet spendete Beck Christen.

Die Gäste bedienen sich am Buffet.

Die Gäste bedienen sich am Buffet.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans: 24. Dezember 2019)

Pfarrerin Silke Petermann organisiert schon viele Jahre Gemeinschaftsfeiern für die Öffentlichkeit. «Ich finde es sehr wichtig, dass wir den Menschen diese Möglichkeit bieten. Als ich vor vier Jahren die Pfarrei in Stans übernahm, war das für mich ein grosses Bedürfnis.»

Zum Helferteam gehörten auch Monika Schmid und Monique Keller. Die beiden sind für die Dekoration und den Fahrdienst zuständig. «An der heutigen Feier erlebe ich eine innere und tiefe Zufriedenheit der Teilnehmer», erwähnte Monika Schmid. Monique Keller erzählte mit Tränen in den Augen: «Mein Mann verliess mich vor zwei Jahren und nach 36 glücklichen Jahren aus dem Nichts für eine viel jüngere Frau. Ich habe grosse Mühe, alleine zu sein.» Sie sei glücklich, hier sein zu dürfen.

Monika Schmid (links) und Monique Keller.

Monika Schmid (links) und Monique Keller.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans: 24. Dezember 2019)

Die Alleinstehende, Monika Nigg, aus Stansstad, findet diese Weihnachtsfeier eine grossartige Möglichkeit und meinte: «Für mich ist es ein wichtiger Anlass, der die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt. Dieses Angebot finde ich sehr schön. Alle sind willkommen. Ich möchte den Organisatoren ein Kränzchen winden.»

Neben Weihnachtsliedern gab’s ein «Happy Birthday»

Für Mirjam Würsch, Sozialarbeiterin der Katholischen Landeskirche Nidwalden und Leiterin Bereich Diakonie, ist es ein Anlass für den Dienst am Nächsten. «Ich habe mir schon in jungen Jahren überlegt, wie wir Weihnachten in anderen Formen feiern könnten. Ich wünsche mir solche Oasen wie hier am heutigen Abend überall auf der ganzen Welt.»

Ein «Happy Birthday» wurde auf Verena Mathis angestimmt. Für das Geburtstagskind sind Geschenke unwichtig. Zeit miteinander verbringen, sei für sie zentral. Emma Krebs verlor vor zwei Wochen ihren Mann. Marino Bosoppi habe sie für den heutigen Event in Stans angemeldet. Für sie bedeutet Weihnachten ein wunderbares Fest und sie zeigte sich begeistert vom Anlass.