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OPEN AIR: Auf Klewenalp spielt die «Honky-Tonk Lady»zumTanz auf

Fast vom ersten Takt an ist gestern auf 1600 Meter Höhe getanzt worden. Weltenbummlerin Kim Carson begeisterte die Countryfans.
Verführten das Publikum dazu, das Tanzbein zu schwingen: die amerikanischen Country-Sänger Kim Carson und Johnny Falstaff gestern bei ihrem Auftritt am Klewenalp-Open-Air. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Verführten das Publikum dazu, das Tanzbein zu schwingen: die amerikanischen Country-Sänger Kim Carson und Johnny Falstaff gestern bei ihrem Auftritt am Klewenalp-Open-Air. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Bilder: Mehr Impressionen vom Open Air unter www.nidwaldnerzeitung.ch/bilder

Diese Frau ist «on the road»: Ende Oktober spielt die texanische «Honky-Tonk Lady» Kim Carson im Filament Theater in Chicago. Bis dahin hat sie zwischen Österreich und Dänemark noch 35 Gigs! Hauptsächlich ist sie in Deutschland und der Schweiz unterwegs, wie gestern bei blauem Himmel und vor rund 2000 Leuten am Open Air Klewenalp bereits der fünfte Stopp ihrer diesjährigen Europa-Tour: «Ich lebe irgendwie meinen Traum», meint Carson zu ihrem Lebensstil. Sie stamme aus ärmlichen Verhältnissen. Nun die Welt zu bereisen, etwa in St. Moritz in einem Hotel abzusteigen – wo es auch die Schönen und Reichen hinziehe –, das sei schon speziell. «Mit Musikern und Freunden zu touren, mit denen man gerne unterwegs ist, das liebe ich.»

Einem Superstar-Status jage sie nicht hinterher. Im Gegenteil zu ihren musikalischen Ambitionen meint Carson etwas desillusioniert: «Ich arbeite hart an einem Grammy. Doch bin ich bei keinem grossen Plattenlabel unter Vertrag, so ist es fast unmöglich.»

Erinnerungen an Leo

So viele Konzerte, dazwischen elf eigene CDs mit hauptsächlich selbst geschriebenen Songs aufgenommen was für Erinnerungen von früheren Auftritten auf der Klewenalp blieben hängen? «Ich glaube, wir spielen hier zum dritten Mal», so die Country­musikerin. Es sei mehrheitlich kalt gewesen, aber landschaftlich bezaubernd. «Ich kann mich aber noch gut an Leo erinnern.» Leo? «Ja, als wir letztes Mal im Festzelt spielten, 2008, da schwang er im Publikum eine grosse Amerikafahne, machte enthusiastisch mit.» Für den letzten Song habe man ihn dann auf die Bühne geholt und noch etwas gequatscht. Den Kontakt mit dem Publikum mag sie denn auch besonders: «Ich weiss auch noch genau, wie Johnny Falstaff und ich damals beim Finale mit unseren Gitarren ganz vorne am Bühnenrand standen und die Leute ganz nahe bei uns waren. Ein toller Moment!»

Auf der Bühne bestach Kim Carson auch gestern auf 1600 Meter über Meer als Multiinstrumentalistin, Songschreiberin, Performerin und Bandleaderin zusammen mit Johnny Falstaff. Eine Paarung, die es so seit 2009 nicht mehr zu hören und sehen gab. In den 15 Jahren, die Carson nun schon Europa betourt, waren Falstaff (Gesang, Gitarre), Ryan Donohue (Bass) und Pete Bradish (Drums) lange mit von der Partie. Inzwischen haben sie alle ihre eigenen Bands und Projekte. Die aktuelle Tour wurde deshalb zur einmaligen «Reunion» erklärt.

Aus Country wird Ameripolitan

In Europa fällt Carson auf, dass die Leute viel stärker auf «echte Countrymusik» abfahren, CDs direkt von den Künstlern kaufen und nicht wie in Amerika von den grossen Musikportalen downloaden. «Johnny Falstaff tönt sehr authentisch, und ich bin in Texas aufgewachsen», meint die in New Orleans lebende Sängerin zu ihren Wurzeln. «Was heute im Radio als ‹Country› gespielt wird, hat mehr mit Rockmusik zu tun», meint sie zur Musikvermarktung in ihrer Heimat. «Eigentlich sollte man für diese Art von Musik einen neuen Namen suchen.» Doch es sei genau umgekehrt. «Country ist zu einem Marketing-Schlagwort verkommen.» So müsse man halt selbst mit einem neuen Begriff aufwarten. «Wir nennen unsere Musik ‹Ameripolitan›, das ist texanische Countrymusik», erklärt Carson. Damit sind Einflüsse aus Honky-Tonk, Western Swing oder auch Rockabilly gemeint.

Doch was ist Carsons eigene Definition? «Three chords and the truth (drei Akkorde und die Wahrheit)», antwortet sie. Dieses Zitat sei jedoch vom 2002 verstorbenen Harlan Howard, einem der Grossen in der amerikanischen Musikgeschichte. Also nochmals, was ist ihre eigene Definition? «Countrymusik ist das echte Leben», meint Carson nach kurzem Überlegen. Beim Schreiben seien Herz und Seele gefragt, es sei Musik, die mit ihrer Ehrlichkeit Menschen berühren soll.

Und das tat sie auch auf der Klewenalp: «Ich fühle mich geschmeichelt, wenn die Leute zu meiner Musik tanzen. Dort, wo ich herkomme, ist das ein Kompliment.» Dass Line-Dancing, wie es neben und vor der Hauptbühne fleissig ausgeübt wurde, in Texas und Louisiana nicht sehr populär ist, stört sie dabei gar nicht. «Bei uns gibt es einfach mehr Paartänze.»

Christoph Riebli

Hinweis

Heute geht das Open Air auf Klewenalp im Anschluss an den Country-Gottesdienst (11 bis 12.30 Uhr) mit dem Auftritt von Papagallo & Gollo für Kinder zu Ende.

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