Orchesterverein Nidwalden huldigt Bach in allen möglichen Formen

Die Nidwaldner Musiker begeisterten an ihrem Neujahrskonzert mit Werken des bekannten Komponisten.

Kurt Liembd
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58 Musiker spielten Bach in allen Formen.

58 Musiker spielten Bach in allen Formen.

Bild: Kurt Liembd (Stans, 25. Januar 2020)

Johann Sebastian Bach gehört zu den kreativsten deutschen Komponisten der letzten Jahrhunderte. Er war einer der bedeutendsten Musiker der Barockzeit, dessen Faszination bis in die Gegenwart wirkt. Diese war eindrücklich spürbar am Konzert des Orchestervereins Nidwalden (OVN), der am Samstag und Sonntag zu seinem Neujahrskonzert in den Kollegisaal in Stans einlud. Dirigent Tobias von Arb hat sich zweifellos sehr intensiv mit der Musik des grossen Meisters befasst, was sich schon in der Programmgestaltung zeigte. Denn er hat nicht nur originale Musik von Bach ausgewählt, sondern ebenso Adaptionen und gar Spielereien über dessen Musik.

Das Konzert des OVN bot hierbei eine ernsthafte Annäherung an Bachs Musik. Insofern war es zum grossen Teil ein Konzert aus dem 20. Jahrhundert mit zeitgenössischen Tonschöpfern, wofür der Titel nicht treffender hätte lauten können: «Bach – original, arrangiert, zitiert und imitiert». Mit einer Bach-Imitation, der Suite in g-Moll von Max Reger, begann das genussreiche Konzert. Reger, der rund 200 Jahre nach Bach lebte, hat sich seine Partiten und Englische Suiten für Klavier zu Herzen genommen und damit einen unverwechselbaren Bezug zum grossen Barockmeister geschaffen.

Darbietung brachte Zuhörer ins Schwelgen

Das Orchester bewies einen satten Streicherklang und viel Liebe zum Detail, gepaart mit wundersamer Klangfarbe von Fagotten, Oboen, Flöten und Trompeten. Das Resultat der fünfsätzigen Suite war eine romantische Darbietung in Anlehnung an Bach, die das Publikum innerlich zum Schwelgen brachte. Die Darbietung wirkte keineswegs als billige Transformation und schon gar nicht als Persiflage, sondern vielmehr als geistreiche und stilsichere Interpretation.

Dazu trug insbesondere Dirigent Tobias von Arb bei, der mit klarer Diktion und künstlerischem Flair seine 58 Musiker zu fordern wusste, ohne sie aber zu überfordern. Solistischen Höhepunkt bildete das Konzert für Oboe und Violine – womit wir bereits beim «originalen Bach» angelangt wären. Die beiden Solisten Peter Vögeli (Oboe) und Andreas Kunz (Violine) traten dabei in einen liebevollen Dialog. Sie beeindruckten sowohl in den beiden schnellen Ecksätzen, im cantablen Mittelsatz als auch im vorbildlichen Zusammenspiel mit dem Orchester.

Musiker beweisen Mut und Kühnheit

Doch was haben die Beatles in einem Bach’schen Konzert zu suchen? Das fragte sich manch einer und war am Schluss trotz etwas Skepsis ganz glücklich. Der 62-jährige Komponist und Vollblutmusiker Peter Breiner aus der Slowakei schuf 2009 das Werk «Beatles Go Baroque» in der Form eines barocken Concerto grosso. Wenn man die leidenschaftliche Interpretation durch das OVN gehört hat, erübrigt sich die Frage nach dem Sinn einer solchen Transkription. Die innere Spielfreude war den Musikern anzumerken und widerspiegelte sich in einer farbigen Interpretation von teils unsterblichen Melodien der Kultband.

Von völlig anderem Zuschnitt erwies sich die «Collage über B-A-C-H» vom estnischen Komponisten Arvo Pärt. Es braucht vom Orchester Mut und Kühnheit, sich auf einen solchen Ausflug in die avantgardistische Musik des 20.Jahrhunderts zu begeben. Doch dank den interessanten Erklärungen durch den Dirigenten wurde die Aufführung selbst für Traditionalisten zum Erlebnis. Während im ersten Satz noch Dauerfortissimo im atonalen Bereich dominierte, fühlte man sich im zweiten und dritten Satz in Bachs Zeit versetzt, wenn auch auf einem extrem hohen Niveau mit dissonanten Akkordfugen der namensgebenden Töne.

Zum Abschluss des genussreichen Konzertes gings mit der Ballettsuite «Die klugen Jungfrauen» von William Walten wieder in die Welt der Tonalität zurück. Die Bach-Kantaten, die dem Werk zugrunde liegen, gerieten besonders farbig, auch dank dem reichen Instrumentarium mit vier Waldhörnern, drei Posaunen, zwei Trompeten, Cembalo, Harfe, Klavier und fast der ganzen Palette an Holzblasinstrumenten.