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Nidwaldner Parteien durch Abbaupläne am Kollegi alarmiert

Der angekündigte Abbau von Fächern wie Latein oder Philosophie am Kollegi kommt nicht nur bei der Jungen CVP schlecht an. Die Grünen reden von einer Sparübung ohne Einsparung, aber mit Qualitätsverlust.
Matthias Piazza
Das Kollegi in Stans: Hier soll der Sparhebel angesetzt werden. (Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 23. Januar 2017)

Das Kollegi in Stans: Hier soll der Sparhebel angesetzt werden. (Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 23. Januar 2017)

Die Regierung will auf das Schuljahr 2019/20 die Schwerpunktfächer Latein, Wirtschaft und Recht sowie die Ergänzungsfächer Philosophie, Sport und Informatik aus dem Stundenplan des Kollegis streichen (Informatik wird neu obligatorisch). Im Programm bleiben Physik und Anwendungen der Mathematik, Biologie und Chemie, Italienisch, Spanisch und bildnerisches Gestalten (siehe «Nidwaldner Zeitung» vom 12. Juni). Regierungsrat Res Schmid begründete die Massnahme mit der Stabilisierung des Wahlfachsystems und sinkenden Schülerzahlen.

Die Abbaupläne, die die Regierung mit dem Mittelschulrat beschlossen hat, riefen die Parteien auf den Plan. In einem offenen Brief kritisiert die Junge CVP Nidwalden die Regierung stark. «Unter dem Vorwand des Sparens wird einmal mehr mit falschen Argumenten ein Abbau vorangetrieben», schreibt die Partei. Dies wiege insofern schwerer, als das Kollegi in Stans die einzige Mittelschule Nidwaldens sei, die im interkantonalen Vergleich konkurrenzfähig zu sein habe. Zudem sei der eigentliche Spareffekt vernachlässigbar, zumal Nidwalden schweizweit die tiefsten Bildungsausgaben pro Kopf habe. Auch die Begründung mit sinkenden Schülerzahlen lässt die Partei nicht gelten. Beim Kollegi Stans sei die Talsohle 2013 bereits durchschritten worden.

Junge CVP plädiert für Aussetzung der Reform

Mario Röthlisberger, Präsident der Jung CVP JCVP Nidwalden.

Mario Röthlisberger, Präsident der Jung CVP JCVP Nidwalden.

Besonders die Streichung des Schwerpunktfachs Latein sticht der Jungen CVP in die Nase, da für sprachwissenschaftliche Studiengänge weiterhin das Latinum vorausgesetzt werde. Zudem sei die Sprache auch eine gute Grundlage für andere Studiengänge, so auch zum Beispiel für Rechtswissenschaften. «Latein mag zwar als tote Sprache gelten, sie ist aber Grundlage für alle romanischen Sprachen, und so wird das Erlernen von Italienisch oder Spanisch bedeutend erleichtert», heisst es im Brief weiter. «Mit einer Streichung von Latein würden die jungen Nidwaldner einer wichtigen und bereichernden Wahlmöglichkeit beraubt», folgert Parteipräsident Mario Röthlisberger.

Die Partei plädiert für eine Aussetzung der Reform und eine Neuaufarbeitung. «Der Kanton Nidwalden darf nicht an Standortattraktivität im Bildungswesen verlieren, seiner Jugend und damit seiner Zukunft den Weg an die Universität verbauen. Dieser kostspielige Schnellschuss ist zu revidieren», fordert die Jungpartei.

«Für mich ist der Entscheid auch schwer nachvollziehbar», schreibt Theres Rotzer, Präsidentin der CVP. Die Fraktion werde nach den Sommerferien über das weitere Vorgehen diskutieren.

Wohin soll der Flug gehen?

«Die Massnahme ist ein weiteres Beispiel einer Sparübung, die keine Ersparnis bringt, aber die Qualität senkt», kritisieren die Grünen. Gerade bei der einzigen Mittelschule in einem Kanton ohne Hochschule dürfe dies nicht der Fall sein. «Unsere Bildung soll nicht so ausgelegt sein, dass zwar gelernt wird, ein Flugzeug in fast allen Lagen zu fliegen, aber die Frage nicht erörtert wird, wohin der Flug denn gehen soll, denn diese Sinnfrage ist letztlich entscheidend», äussert sich der Grüne-Landrat Thomas Wallimann-Sasaki kritisch in der Stellungnahme. Ob die Partei einen Vorstoss lanciere, habe sie noch nicht entschieden.

Anders sieht dies die SVP, welche hinter «ihrem» Regierungsrat Res Schmid steht. Die Universitäten würden Latein leider in vielen Studienfächern nicht mehr als Grundlage voraussetzen, was zu einem Einbruch der Nachfrage nach Latein geführt und die Bildungsdirektion veranlasst habe, zu reagieren. Wirtschaft und Recht sei ja auch Grundlagenfach und würde neu als Ergänzungsfach angeboten. Wichtig ist der SVP, dass nicht bei den musischen oder naturwissenschaftlichen Fächern gespart wird.

Die FDP werde wohl nicht gegen die Streichung einiger Wahlfächer politisch vorgehen, sei dies doch eine operative Entscheidung mit geringer Tragweite. «Viel wichtiger wäre für uns die Stärkung der staatspolitischen Bildung an der Oberstufe», schreibt die Partei.

Lehrer akzeptieren den Entscheid

Der Mittelschullehrerverein Nidwalden bedaure die Reduktion der Schwerpunktfächer sowie der Ergänzungsfächer sehr und betrachte diese Massnahme als Qualitätsabbau am Kollegium, schreibt er. Es scheine aber, dass die Lehrer den Entscheid einigermassen akzeptierten – es sei jedenfalls kein grösserer Aufruhr entstanden und auch kein Kontakt zum Mittelschullehrerverein gesucht worden.

Interesse für Latein auch in Obwalden gering

Auch in der Kantonsschule Obwalden gehört Latein ab Sommer 2019 der Vergangenheit an und wird vermutlich durch eine moderne Sprache wie Italienisch ersetzt. «Die Nachfrage fehlte, oft meldeten sich nur zwei bis drei Schüler», sagt Rektor Patrick Meile. Die übrigen Schwerpunktfächer Biologie/Chemie, Physik und Anwendung der Mathematik, Philosophie/Pädagogik/Psychologie und Wirtschaft/Recht werden beibehalten, ebenso voraussichtlich die Ergänzungsfächer bildnerisches Gestalten, Geografie, Informatik, Musik und Philosophie. Durchgeführt werden Schwerpunkt-/Ergänzungsfächer bei mindestens fünf Schülern.

Die Kantonsschule Alpenquai bietet das Schwerpunktfach Latein an. Allerdings konnten die letzten zwei Jahrgänge mangels Nachfrage nicht geführt werden, heisst es auf Anfrage. Das Ergänzungsfach Wirtschaft und Recht konnte hingegen jedes Jahr geführt werden.

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