Pater Theodor Amstad
Buch über Beckenrieder Pionier in Brasilien

Eine neue Biografie beschreibt das Wirken von P. Theodor Amstad, der in Südbrasilien das Kooperationswesen begründete.

Bodo Bost
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Für Theodor Amstad wurde in der Stadt Nova Petrópolis in Brasilien ein Denkmal errichtet.

Für Theodor Amstad wurde in der Stadt Nova Petrópolis in Brasilien ein Denkmal errichtet.

Bild: PD

Unter dem Titel «Amstad: ein Visionär» ist in Brasilien ein neues Buch über den aus Beckenried stammenden Jesuiten-Pater Theodor Amstad, erschienen. Der kurze Titel deutet bereits an, dass Amstad in Brasilien nicht nur ein Name ist, sondern auch ein Begriff, den man nicht mehr erklären muss. Autor ist der Journalist, Historiker und Stadtrat der Stadt Novo Hamburgo, Felipe Kuhn Braun. Amstad war ein Pionier des brasilianischen «Cooperativismo», das Kooperationswesen, das zum Erfolgsrezept der deutschsprachigen Einwanderung in Südbrasilien geworden war.

Theodor Amstad wurde am 9. November 1851 in Beckenried als Sohn des Nidwaldner Landesfähnrichs und Kaufmanns Joseph Maria Amstad geboren. Er arbeitete zunächst im elterlichen Handelshaus und schon in jungen Jahren zeigte sich seine mathematische Begabung. Von 1864 bis 1870 besuchte Theodor das Jesuiten-Gymnasium Stella Matutina in Feldkirch/Vorarlberg. 1870 trat er in die deutsche Provinz der damals in der Schweiz verbotenen Gesellschaft Jesu ein, bevor auch diese in Deutschland verboten wurde. Deshalb ging er nach seinem Noviziat ab 1872 nach Holland. 1883 wurde er in England zum Priester geweiht, zwei Jahre später reiste er nach Brasilien aus, wo er auch starb.

Jesuiten berieten und betreuten Einwanderer

Seit 1824 waren Tausende von Einwanderern aus europäischen Ländern nach Brasilien ausgewandert. Erst seit 1848 kümmerten sich deutschsprachige Jesuiten als erste Geistliche um die seelsorgliche Betreuung dieser Siedler. Nachdem seit 1872 durch die Jesuitengesetze der Orden in Deutschland verboten wurde, verliessen viele Jesuiten Deutschland und auch die Schweiz, wo es ähnliche Gesetze gab, und gingen nach Brasilien. Insgesamt sind mehr als 300 Jesuiten aus deutschsprachigen Ländern nach Brasilien gegangen.

Die Jesuiten waren bestrebt, die Einwanderer nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen zu beraten und zu betreuen. Seit 1898 organisierten die Jesuiten Katholikentage, die bis 1940 alle zwei Jahre der Mittelpunkt des kirchlich-kulturellen Lebens in den europäischen Siedlungsgebieten wurden. Aus den Katholikentagen entstanden der katholische Lehrerverein und der Bauernverein. Aus dem Bauernverein entstand 1902 die Genossenschaftsbewegung mit der Gründung der Raiffeisenkasse durch P. Theodor Amstad. Als Vorbild diente das deutsche Raiffeisen-Modell, mit dem arme Landwirte durch Selbsthilfe, das heisst durch Zusammenlegung ihrer Kräfte und Ersparnisse sich selbst helfen konnten, um ihre Produktion zu verbessern und besser zu vermarkten.

Die Biografie dokumentiert die schnelle Anpassung an die neuen Verhältnisse, sodass P. Amstad bald den schon viel länger im Land weilenden Einwanderern religiöse, soziale und wirtschaftliche Unterstützung anbieten konnte. Das Buch zeichnet die Dynamik nach, die durch P. Amstad in Südbrasilien entstanden ist, sodass diese Region Modellregion ganz Brasiliens werden konnte. Er schuf eine der grössten Entwicklungsbewegungen Südbrasiliens.