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Philipp Bühlmann erlebte ein Wechselbad der Gefühle

Als Vereinspräsident die NLB-Zugehörigkeit im Handball gewahrt, als Berufsmann seine eigene Firma endgültig losgelassen und als 49-Jähriger an Krebs erkrankt: Philipp Bühlmann aus Stans hat ein bewegtes Jahr hinter sich.
Oliver Mattmann
Philipp Bühlmann blickt auf ein ereignisreiches 2018 zurück. (Bild: Oliver Mattmann (Stans, 17. Dezember 2018))

Philipp Bühlmann blickt auf ein ereignisreiches 2018 zurück. (Bild: Oliver Mattmann (Stans, 17. Dezember 2018))

Es war im März dieses Jahres, als Philipp Bühlmann wegen anhaltenden Grippesymptomen den Hausarzt aufsuchte. Ein Routine-Besuch, dachte er sich. Doch statt mit einem üblichen Mittelchen kam der Arzt nach dem Untersuch mit ganz anderen Neuigkeiten zurück: «Es tut mir leid, aber Sie haben bösartigen Lymphdrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium.» Bühlmann, Präsident des Handballvereins BSV Stans und Inhaber der Bachmann Holding AG, fiel aus allen Wolken. «Ich war im ersten Moment überfordert.» Es sei schlimm gewesen, zu Hause die Hiobsbotschaft zu übermitteln. «Ich musste meiner Frau am Telefon sagen, dass ich nicht mehr nach Hause komme, sondern umgehend ins Spital muss.» Er erinnert sich: «Ich habe zwei, drei Kollegen gesagt: ‹Wenn ich den Krebs überstehe, schmeisse ich zu meinem 50. Geburtstag eine Riesenparty›.»

Mittlerweile sind einige Monate ins Land gezogen. Philipp Bühlmann hat am 21. September mit einem Fest in Engelberg ausgiebig sein «halbes Jahrhundert» gefeiert. Und das in sehr guter Verfassung. Hinter ihm lag aber eine kräftezehrende Phase mit wochenlangen Chemotherapien. «Es war eine harte Zeit, die ans Eingemachte ging.»

Ab einem gewissen Zeitpunkt waren seine Abwehrkräfte dermassen im Keller, dass er beinahe «auf allen Vieren» daherkam und nicht mehr unter die Leute durfte. Doch Aufgeben war für ihn keine Option. «Ich hatte schon immer einem grossen Durchhaltewillen», hält der zweifache Familienvater (seine Söhne sind 17 und 15) fest. Geholfen habe ihm auch, dass er sein Umfeld von Beginn an mit den modernen Kommunikationsmitteln über seinen Zustand auf dem Laufenden hielt. «Ich bin froh, habe ich offensiv informiert. Ich glaube, es wäre für mich zu anstrengend gewesen, dauernd mit den gleichen Fragen konfrontiert zu werden.»

Umzug erfolgte nicht ganz ohne Wehmut

«Wie geht es dir?» Diese Frage hört er auch heute noch oft. Doch kann er sie inzwischen mit einem ganz anderen Gefühl beantworten. Seit Anfang Juli gilt er als geheilt. Wie ihm könne Patienten mit dem Hodg­kin-Lymphom – so der Fachbegriff – in den meisten Fällen geholfen werden, wenn es rechtzeitig festgestellt wird, erklärt Philipp Bühlmann. «Eine absolute Garantie gibt es aber nie.»

Sein geschulter Umgang mit Kommunikationsmitteln kommt übrigens nicht von ungefähr. Der Unternehmer hat sich mit der Bachmann Mobile Kommunikations AG in Stans einen nationalen Ruf als Handy-Reparateur geschaffen. Auch auf dieser Ebene gab es 2018 einen Einschnitt. Nachdem bereits bekannt war, dass er dieses Geschäftsfeld aus strategischen Gründen an den Emmer Logistikdienstleister Also abtritt, erfolgte nun im Sommer der grosse Umzug aus den Räumlichkeiten in Stans ins Luzernische. «Wenn du eine Firma verkaufst, die du selber aufgebaut hast, schwingt immer eine Portion Wehmut mit.»

Er sei glücklich, dass die meisten der rund 75 Mitarbeiter und Lehrlinge diesen Schritt mitgemacht haben und nun in Emmen ihrer angestammten Arbeit nachgehen. «Mit einigen pflege ich weiterhin einen guten Kontakt. Uns verbinden viele berufliche Erinnerungen», erzählt Philipp Bühlmann, der nach wie vor als Teilinhaber eines Smartphone-Servicecenters in Bratislava wirkt und mit Tochtergesellschaften seiner Bachmann Holding als Dienstleister in der Service- und Kommunikationstechnologie sowie im hiesigen Immobiliengeschäft tätig ist.

Erfahrungen aus Beruf und Sport haben ihm geholfen

Der Wegzug seiner früheren Firma hat aber auch eine Kehrseite: Das Geschäftshaus an der Spichermatt in Stans steht momentan praktisch leer. Gespräche mit Interessenten seien im Gang. Das ehemalige Werkstattgebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite soll einem Mehrfamilienhaus weichen. Die Arbeit geht Philipp Bühlmann auch dank anderer Projekte nicht so schnell aus. Zuvor noch teilweise krankgeschrieben, geht er seinem Job seit November wieder zu 100 Prozent nach. Die Ärzte und seine Frau seien ob dem Tempo, das er nach seiner Krebserkrankung anschlägt, skeptisch gewesen. Der 50-Jährige selber sagt: «Ich fühle mich wohl, dazu brauche ich aber auch die Herausforderung bei der täglichen Arbeit.»

Gefordert ist er auch bei seiner Aufgabe im Handballverein. Neben dem Rückhalt aus seinem familiären Umfeld habe er vor, während und nach der Krebs-Therapie viel Zuspruch von Vorstandskollegen und Mitgliedern des BSV Stans erhalten. «Das hat mir Kraft gegeben.» Dass die ersten Mannschaften bei den Frauen und Männern Ende vergangener Saison ihre NLB-Zugehörigkeit wahren konnten, sei ein zusätzlicher Motivationsschub gewesen.

Ob als selbstständiger Unternehmer oder als aktiver Sportler und nun als Präsident eines der grössten Handballvereine der Schweiz: Philipp Bühlmann ist sich Aufs und Abs gewohnt. Hilft diese Erfahrung in schweren Situationen wie bei der Krebsdiagnose? «Ich denke schon. Ich versuche stets das Positive im Leben zu sehen, gehe mutig und engagiert meinen Weg. Manchmal braucht es mehr Geduld, aber am Ende des Tunnels kommt immer wieder ein Licht.»

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