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Philipp Zumbühl ist einer, der die Jagd verstanden hat

In seinem Buch «Jagd» widmet sich Philipp Zumbühl der Hochjagd in Nidwalden. Mit Fotografien und persönlichen Reportagen gewährt der Buochser Einblick in eine Welt, die vielen verschlossen bleibt.
Simon Mathis
Jäger, Autor und Fotograf Philipp Zumbühl präsentiert sein Buch «Jagd – Momente prachtvoller Vergänglichkeit». (Bild: PD)

Jäger, Autor und Fotograf Philipp Zumbühl präsentiert sein Buch «Jagd – Momente prachtvoller Vergänglichkeit». (Bild: PD)

Oberrickenbach, Schürmattweid: Ein Jäger schiesst gezielt und gekonnt ein Rehkitz, die Rehgeiss und ein anderes Kitz ergreifen die Flucht. Bevor sie endgültig im Wald verschwinden, hält die Geiss inne, gibt mehrmals einen Warnruf von sich. Die beiden Kinder des Jägers – durch den Mündungsknall informiert – rennen an den Ort des Geschehens und tragen das tote Tier hinab ins Dorf. Mit dieser wahren Erzählung beginnt Philipp Zumbühl sein Buch «Jagd – Momente prachtvoller Vergänglichkeit», das vor kurzem Vernissage feierte.

Es sei eine Geschichte, die «durch Mark und Bein» gehe, schreibt Zumbühl. Der Buochser hat den Abschuss selbst erlebt, auch das geschossene Rehkitz hat er fotografiert – leblos im Gras liegend. Ein ungeschminktes, karges Bild. «Nicht von ungefähr war die Jagd auf Rehkitze auch unter Jägern lange Zeit umstritten», schreibt Zumbühl. «Unterdessen hat sich aber mehrheitlich die Meinung durchgesetzt, dass sie für den Erhalt einer naturnahen Bestandesstruktur erforderlich ist.» Sprich: Mit nur einem Kitz kann die Geiss den Winter besser überstehen.

Auch für Nicht-Jäger und Jagd-Kritiker

Zumbühl wollte anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Patentjägervereins Nidwaldens kein Lehrbuch schreiben, aber doch Wissen «so nebenbei» vermitteln, sagt er im Gespräch. Er weiss, wovon er spricht: Zumbühl ist selbst Patentjäger. Für das Buch hat er eine fast dreijährige Pause eingelegt, um Jäger mit Notizblock und Kamera zu begleiten. Er dokumentierte ihr Tun, das für viele Nicht-Jäger ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Zumbühls Stil ist klar, schlicht und gedankenvoll. Auch seine Fotografien fügen sich in dieses sachliche Bild. Besonders beeindruckend sind die Fotos von den erlegten Tieren. Zumbühl lichtete sie ab, bevor sie von den Jägern hergerichtet wurden. Er wollte sie so fotografieren, wie sie fielen.

Ein geschossener Hirsch beim Schnueregg im Gebiet Eschlen nahe Grafenort. Der Stein fiel zufällig auf das Auge des gefallenen «geraden Achtzehners». (Bild: PD/Philipp Zumbühl)

Ein geschossener Hirsch beim Schnueregg im Gebiet Eschlen nahe Grafenort. Der Stein fiel zufällig auf das Auge des gefallenen «geraden Achtzehners». (Bild: PD/Philipp Zumbühl)

«Wer kein Jäger ist, sieht meist nur das Resultat der Jagd: das erlegte Wild», sagt Zumbühl. Und die Geschichten, die nach einer Jagd erzählt werden, könne man nicht immer für bare Münze nehmen. Diesem Umstand will der 33-Jährige Abhilfe schaffen. Er will darstellen, wie es bei der Jagd heute zu und her geht. Für Nicht-Jäger sei das noch spannender als für Jäger. Das Buch sei auch für jene gedacht, die der Jagd kritisch gegenüberstehen. Zumbühl:

«Ich verstehe, dass manche die Jagd nicht verstehen. Aber ich will die Jagd in meinem Buch nicht rechtfertigen. Ich will sie zeigen, wie sie heute ist.»

Die Betonung liege auf dem Heute: «Wir Nidwaldner denken tendenziell konservativ. Uns interessiert vor allem, was früher war. Im Buch interessiert mich aber, was heute ist.» Zumbühl ist daher überzeugt davon, dass seine Reportagen von unschätzbarem Wert für die Region sind.

Früher gehörte Philipp Zumbühl zu jenen, die die Jagd mit Argwohn betrachteten. Als Kind fürchtete er sich vor den geschossenen «Gämschi», die sein Vater in der Garage aufgehängt hatte – er machte jeweils einen grossen Bogen um die Tiere.

Das erste und das letzte Buch

Aber Zumbühl wollte die Faszination seines Vaters nachvollziehen. Deshalb entschloss er sich dazu, das Jagdpatent zu machen. Denn, so Zumbühl: «Nur wenn ich es selbst mache, verstehe ich es.» Nach eigenem Bekunden versteht er die Jagd nun. Diese Leidenschaft zu beschreiben, fällt ihm aber nach wie vor schwer. «Die Jagd ist etwas Animalisches, Triebhaftes», sagt Philipp Zumbühl. Und erinnert sogleich an einen Ratschlag des Alt-Wildhüters Hans Hug:

«Du musst die Jagd beherrschen. Die Jagd darf aber nicht dich beherrschen.»

«Jagd» ist Zumbühls erstes und letztes Buch. «Ich habe gesagt, was es zu sagen gibt», hält er fest. Nun freue er sich auf seine nächste eigene Hochjagd.

Hinweis: «Jagd – Momente prachtvoller Vergänglichkeit» ist online erhältlich auf oder an der Iheimisch. Preis: 76 Franken.

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