Pilatus nimmt nicht mehr alle Lieferungen an

Maxon und Pilatus haben Kurzarbeit eingeführt. Die Produktion bei Maxon läuft zurzeit stabil. Bei den Pilatus Flugzeugwerken hält man sie ebenfalls aufrecht, nimmt jedoch keine Teile mehr von Partnerunternehmen an.

Martin Uebelhart
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Blick in die Produktion in der Halle Süd der Pilatus Flugzeugwerke.

Blick in die Produktion in der Halle Süd der Pilatus Flugzeugwerke.

Bild: Corinne Glanzmann (Buochs, 1. Oktober 2019)

Im Abstand von wenigen Tagen haben Maxon und Pilatus mitgeteilt, dass sie für grosse Teile der Belegschaft Kurzarbeit beantragt haben. Die Situation sei zurzeit nicht abschätzbar, liessen die Pilatus Flugzeugwerke verlauten. Die «Handelszeitung» berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe von einem Brief der Stanser Flugzeugbauer an Partnerunternehmen. Pilatus informierte seine Zulieferer darüber, dass die Massnahmen in einzelnen Ländern und Grenzschliessungen die Fähigkeit des Unternehmens «ernsthaft getroffen» hätten, seine Produkte auszuliefern. Gleichzeitig stellte Pilatus klar, für seine «General-Aviation-Produktion» aktuell keine Teile von den Partnerunternehmen mehr annehmen zu können. «Alle Lieferungen an Pilatus sollen aufgeschoben werden bis frühestens Freitag, den 1. Mai», zitiert die Zeitung aus dem Brief.

Betroffen davon sind vor allem das einmotorige Flugzeug PC-12 NGX und der Jet PC-24. In beiden Fällen ist Pilatus laut «Handelszeitung» daran, die Produktionszeitpläne anzupassen. Keine Änderungen bezüglich Materialbestellungen gebe es vorderhand beim Trainingsflugzeug PC-21.

Details gibt der Konzern nicht bekannt. «Wir halten die Produktion weiterhin aufrecht – in reduzierter Form jedoch aufgrund der aktuellen Situation, in welcher Lieferketten vermehrt gestört sind», zitiert die «Handelszeitung» das Unternehmen. Pilatus beurteile dabei die Situation stetig neu. Auch gegenüber unserer Zeitung hatte sich Pilatus bei der Bekanntgabe von Kurzarbeit für rund 1000 Angestellte nicht zum weiteren Vorgehen geäussert.

Mit dem fehlenden Nachschub entscheidender Komponenten etwa aus Italien sei der ganze Fertigstellungsprozess in der Flugzeugproduktion stark beeinträchtigt, schreibt die «Handelszeitung» weiter. «Es macht für Pilatus vorderhand keinen Sinn, weitere Bestandteile zu kaufen, ohne dass die Flugzeuge fertig gebaut werden können», zitiert das Blatt einen Zulieferer.

Materialversorgung fordert Maxon

Kurzarbeit gibt es auch bei Maxon. Die grösste Herausforderung für das weltweit tätige Unternehmen ist die Materialversorgung, wie Maxon vergangene Woche mitgeteilt hat. Die Lücken in der Lieferkette häuften sich und es sei davon auszugehen, dass sich die Situation weiter verschlechtern wird. Mediensprecher Stefan Roschi bezeichnet die Situation auf Anfrage als angespannt und teilweise sei mit Verzögerungen zu rechnen. «Gleichzeitig sind wir bezüglich Lieferkette breit abgestützt und unser Supply-Chain-Team arbeitet täglich hart, um Lösungen zu finden.» Die Produktionen liefen am Hauptsitz und in den Aussenstellen zurzeit stabil.

Der Hauptsitz der Maxon-Gruppe in Sachseln.

Der Hauptsitz der Maxon-Gruppe in Sachseln.

Bild: PD

Derzeit verzeichne Maxon noch keine signifikanten Probleme bei der Beschaffung von Materialien und Teilen, so Roschi weiter. «Die Situation ändert sich allerdings von Tag zu Tag und wird beobachtet.» Ziel sei es, alle Kundenaufträge auszuliefern. «Priorität haben momentan die Aufträge für die medizinischen Anwendungen im Kampf gegen die Coronapandemie, die dringend benötigt werden.» Darunter fallen etwa Aufträge für Anwendungen wie Beatmungsgeräte und Labor-Analysegeräte.

Maxon musste bisher noch nicht zu Massnahmen wie dem Anlieferungsstopp von Komponenten externer Firmen greifen, wie Stefan Roschi festhält.