Potenzial statt Fehler suchen

«Fälle für Schulpsychologen häufen sich»,  Ausgabe vom 26. Juli

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Schade, wird das Schulsystem nicht hinterfragt. Der Leistungsdruck ist ein grosses Problem. Meiner Meinung nach ist der schulpsychologische Dienst nötig, um bei den heutigen Bedingungen die Kinder möglichst «gesund» durch das System zu bringen. Ich vergleiche es mit einem Schmerzmedikament. Man kann die Symptome bekämpfen, aber wie im Artikel steht – es löst das Problem nicht! Wenn ein Arm gebrochen ist und man ein Schmerzmedikament gibt, ist der Arm immer noch gebrochen. Ist nicht unser System «gebrochen»?

Wir können weiter die Kinder therapieren und ihnen das Gefühl geben, etwas sei nicht in Ordnung mit ihnen. Um das Grundproblem zu lösen, müsste man sich aber grundlegendere Gedanken machen. Das würde ich mir vom Regierungsrat/Bildungsdirektor wünschen! Anstatt die Stundentafel zu erhöhen, überlegen, wie man die Schule zu einem Ort machen kann, wo die Kinder gerne hingehen, wo sie sich entfalten können, nicht bewertet werden, gerne lernen, wo auch die Lehrer nicht immer mehr leisten und Sachen gerecht werden müssen, die nicht zu ihren Aufgaben gehören, wo die Kinder Freizeit haben und nicht nach acht Stunden Schule noch Hausaufgaben machen und für Prüfungen lernen müssen.

Anstatt Abklärungen gäbe es Lern- und Entwicklungsbegleiter. Das Potenzial der Kinder suchen, nicht die Fehler, Auffälligkeiten und Probleme. Es gibt genug wissenschaftlich fundiertes Wissen und Erkenntnisse darüber, was Kinder brauchen, um sich gesund zu entwickeln. Das Elternhaus ist ein wichtiger Teil davon. Die Schule ist aber ebenfalls ein prägender Faktor.

Im Kanton Nidwalden ist Homeschooling nicht erlaubt ohne pädagogische Begleitung. Und nicht jeder im Kanton ist eine pädagogisch ausgebildete Lehrperson. Eine private Schule, welche oft andere Schwerpunkte setzt als die öffentlichen Schulen, ist für die meisten Familien finanziell nicht möglich. Also sind fast alle auf das öffentliche Schulsystem angewiesen und können auf viele mutige und kreative Schulleiter und Lehrer hoffen, welche unsere Kinder nicht als Objekt behandeln, sondern als Subjekt!

Wie glücklich sind denn sie mit der «Leistungsgesellschaft»? Wünschen sie sich für die Kinder ebenfalls so viel Druck? Müssen unsere Kinder nur «weil es uns nicht geschadet hat» dasselbe System durchlaufen? Und hat es uns wirklich nicht geschadet? Wie viele Erwachsene sind wirklich glücklich und leben ihre Passion? Weshalb ist denn die Rate von Depressionen, Angstzuständen und Burn-outs so hoch wie noch nie? Und dies auch bei Kindern....

Unsere Politiker könnten das ändern. Oder sind auch die unter zu viel Druck und haben Angst vor Veränderung? Mut und Kreativität lernt eben keine Schule.

Debbie Schnyder, Ennetbürgen