Interview

Präsident der Jungen SVP Nidwalden zieht eine erste Bilanz

Christoph Räss leitet seit einem halben Jahr die Junge SVP Nidwalden und will diese als feste Grösse etablieren.

Philipp Unterschütz
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Christoph Räss, Präsident der Jungen SVP Nidwalden, auf dem Dorfplatz.

Christoph Räss, Präsident der Jungen SVP Nidwalden, auf dem Dorfplatz.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 8. Januar 2020)

Mitte Juni 2019 hat Christoph Räss (22) als Präsident der Jungen SVP Nidwalden die bisherige Susann Jasper abgelöst. Der Stanser ist seit August 2018 Parteimitglied und steht noch in der Ausbildung. Im Interview zieht er Bilanz über seine ersten Monate im Amt.

Sie schliessen im Sommer die Lehre als Konstrukteur ab, und bis 2023 sind Sie im berufsbegleitenden Studium Maschinenbau. Und jetzt noch das Amt als Präsident der Jungen SVP. Ist das nicht etwas viel?

Christoph Räss: Es ist schon sehr anspruchsvoll und verlangt viel Zeit. Ich muss halt im sozialen Leben da und dort zurückstecken, kann weniger in den Ausgang. Aber es war für mich der richtige Zeitpunkt, in die Politik einzusteigen.

Wie haben Sie das erste Halbjahr erlebt?

Eigentlich bin ich immer noch am Einarbeiten. Ich habe sicher schon 100 Stunden investiert. Wir haben jeden Monat Vorstandssitzung, ich habe mich intensiv mit Vernehmlassungen befasst, einen Instagram-Account eröffnet und die Website überarbeitet. Ein Höhepunkt war für mich die Einladung zur Podiumsdiskussion des Kollegiums Stans zur Klimathematik und den Abstimmungen im Februar. Zudem darf ich bei der SVP Veranstaltung am 16. Januar zur Parolenfassung die Vorlage zum Diskriminierungsverbot vorstellen.

Wie sind Sie eigentlich zur SVP gekommen?

Ich habe mich schon in meiner Zeit im Gymnasium für Politik interessiert. In den Diskussionen dort hat sich gezeigt, dass meine Meinungen politisch eher rechts beheimatet sind. Unabhängigkeit und Freiheit der Schweiz oder die Liebe zum Vaterland sind für mich wichtige Anliegen und die SVP vertritt diese.

Dafür hätten Sie aber nicht grad Präsident der JSVP werden müssen. Streben Sie eine Politkarriere an, wie sie andere Präsidenten von Jungparteien machten?

Das schliesse ich zwar nicht aus, aber momentan stehen für mich klar die Ziele im Vordergrund, die ich mir für die Junge SVP Nidwalden gesetzt habe. Zuerst muss ich mich im Amt beweisen. Zudem ist da noch meine Ausbildung. Die Zukunft wird zeigen, wie es weitergeht. Als Präsident bin ich auch in einer ganz anderen Position wie als Parteimitglied. Ich bin Mitglied im Kantonalvorstand und damit über alles informiert, was aktuell in der Partei läuft.

Was sind denn ihre Ziele für die JSVP Nidwalden?

Ich möchte die Zahl der Mitglieder von bisher 40 erhöhen, nicht nur durch den Gebrauch von sozialen Medien, sondern durch öffentliche Auftritte und persönliche Kontakte. Die Junge SVP soll zu einer festen Grösse werden und Jugendlichen einen Anreiz bieten, sich mit den Idealen der SVP zu identifizieren.

Warum braucht es überhaupt Jungparteien?

Ich finde es wichtig, dass man sich bereits in jungen Jahren für die Zukunft der Schweiz einsetzt. Jungparteien bieten eine gute Plattform, mit Gleichgesinnten politische Themen zu diskutieren und allenfalls auch neue Lösungen an die Mutterparteien heranzutragen. Für mich ist es wichtig, dass man andere Meinungen auch reflektiert. Das sollte unabhängig davon geschehen, aus welcher Ecke ein Vorschlag kommt.

Wird die Junge SVP von der Mutterpartei denn auch ernst genommen?

Ja, meine Meinung ist in den Sitzungen im Kantonalvorstand genau gleich viel wert, wie die der anderen. Unsere Anliegen werden aufgenommen und auch besprochen.

Wie eigenständig darf die JSVP sein? Müssen Sie nicht einfach den Jungen die Meinung der Mutterpartei schmackhaft machen?

Es ist wichtig, dass die JSVP eine eigene Meinung hat. Das macht ja die Politik aus, dass jede Person ihre eigene Meinung hat.

Sie würden es also wagen, eine von der Mutterpartei abweichende Parole herauszugeben?

Ich würde unseren Vorschlag der Mutterpartei präsentieren und mir anhören, warum sie eine andere Meinung hat. Ihre Argumente würde ich berücksichtigen, schliesslich haben die Leute da eine grosse Erfahrung. Ohne Genehmigung der Mutterpartei wäre ich aber tatsächlich sehr vorsichtig.

Welche Themen stehen bei der JSVP aktuell im Vordergrund?

Unser Fokus liegt aktuell auf den Verkehrsproblemen in und um Stans. Ebenfalls beschäftigt uns das Bildungssystem in Nidwalden, wo es noch Optimierungspotenzial gibt.

Sie sind auch an der Idee einer Jugendsession in Nidwalden beteiligt. Was stellen Sie sich vor?

Es gibt eine Gruppe von politisch interessierten jungen Leuten aus verschiedenen Parteien in Nidwalden, die daran ist, auszuloten, ob so etwas umsetzbar ist. In der Session sollen Jugendliche auf Augenhöhe diskutieren können. Es soll eine Plattform für einen überparteilichen Gedankenaustausch entstehen. Momentan können wir noch nicht beurteilen, was alles möglich ist. Es wäre aber toll, wenn wir noch dieses Jahr eine Jugendsession auf die Beine stellen könnten.