Priester schickt Sekretärin in Nidwalden Penisfoto – jetzt nimmt er Stellung

Ein Priester aus dem Bistum Chur hat seiner Sekretärin «aus Versehen» ein schlüpfriges Foto geschickt. Nun hat er seine Demission eingereicht – und sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

Matthias Piazza
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Hier in der katholischen Kirche Obbürgen war der Pfarrer seit 2014 tätig.

Hier in der katholischen Kirche Obbürgen war der Pfarrer seit 2014 tätig.

Bild: Pfarrei-Obbuergen.ch

Ein Pfarradministrator hat per sofort seine Demission eingereicht. Das gibt im Dekanat Nidwalden zu reden. Recherchen von kath.ch zeigen: Der Priester, der in Obbürgen tätig war, hat einer Pfarramtssekretärin ein Nacktfoto eines erigierten Penis auf Whatsapp geschickt. Ereignet haben soll sich das am 31. August. Am darauffolgenden Tag wurde der Kirchenratspräsident informiert.

Die betroffene Frau hat daraufhin Anzeige erstattet. Die Kantonspolizei Nidwalden bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eröffnet worden ist.

Gegenüber dem Kirchenportal sagte der Priester, dass das Foto nicht seinen Penis zeige. Ihm sei ein Nacktfoto unaufgefordert zugeschickt worden. Er habe es löschen wollen und es dabei «aus Versehen» der Sekretärin geschickt.

Priester spricht von Spannungen seit seinem Amtsantritt 2014

Der Priester selber war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Abend meldete er sich mit einem Pressecommuniqué zu Wort. Darin schreibt er, dass es zwischen ihm und einzelnen Vertretern des Kirchenrats Stansstad seit dem Amtsantritt im Sommer 2014 «Spannungen» gegeben habe. Berichte von Supervisionen würden dies belegen.

Nachdem sich die Kapo Nidwalden wegen des Nacktfotos bei ihm gemeldet hatte, sei es zur Aussprache zwischen ihm und dem Kirchenrat gekommen. Er schildert deren Ablauf wie folgt: Zunächst habe der Kirchenratspräsident rekapituliert, was aus ihrer Sicht geschehen ist. Danach legte die Vizepräsidentin dem Priester den Aufhebungsvertrag zum Unterschreiben auf den Tisch. Anschliessend habe ein Gespräch mit Pfarrer Peter Camenzind stattgefunden mit der Bitte der Demission. «Erst nach dem Unterschreiben des Aufhebungsvertrags fand eine Aussprache statt, wo ich mich erklären konnte», empört sich der Priester in seinem Communiqué. «Doch leider war es zu spät.» Als die Ratsvizepräsidentin in etwa verlauten liess «so haben wir es uns auch gedacht», habe er verstanden, schreibt der Priester weiter:

«Ich bin geliefert. Sie sind mich los. Ich habe verstanden, welch perfides Spiel hier vonstattenging.»

Im Communiqué bekräftigt der Priester überdies, dass es sich um ein Missverständnis handle. Er habe ein Nacktfoto löschen wollen, welches er durch eine Sendung vor längerer Zeit via Facebook erhalten habe. «Es bestand nie die Absicht, irgendjemanden damit kompromittieren, physischen oder psychischen Schaden oder gar sexuelle Reize vermitteln zu wollen», schreibt er. Und weiter: «Ich möchte mich in aller Form entschuldigen, für all das, was seit Bekanntwerden meiner Demission ausgelöst worden ist.» Er versichere, dass er alles dazu beitragen werde, was er zur Klärung und Rückkehr zum Frieden in Stansstad, Obbürgen und Kehrsiten beitragen könne.

Das Bistum Chur teilte vor einer Woche mit, dass der Priester seine Demission eingereicht habe, nachdem eine Anzeige gegen ihn eingegangen war.

Sexting

Sexting ist ein Phänomen des digitalen Zeitalters. Der Ausdruck setzt sich aus den beiden englischen Wörtern «Sex» und «Texting» zusammen und bezeichnet das Verbreiten selbst produzierter intimer Fotos oder Videos übers Netz. Bei Sexting werden Bilder mit leicht erotischer bis eindeutig sexuellen Inhalt geteilt. Sexting ist nicht zu verwechseln mit dem Versenden anonymer erotischer oder pornografischer Darstellungen. (rem)

«Wir bedauern seinen Weggang, erst recht unter diesen Umständen»

«Es ist dumm gelaufen. Das ist nicht nur für den Fehlbaren unangenehm, sondern für alle Beteiligten», sagt Dekan Melchior Betschart auf Anfrage. Er ist Vorsteher des Dekanates Nidwalden, welches elf Pfarreien und vier Kaplaneien des Kantons umfasst. «Wir bedauern seinen Weggang, erst recht unter diesen Umständen», sagt Melchior Betschart. Die Frage, ob er ihm die Version des Pfarrers mit dem zugeschickten und versehentlich weitergeleiteten Foto glauben wolle, lässt Melchior Betschart offen.

Zusammen mit dem Kirchenrat müsse sich das Dekanat nun auf die schwierige Suche nach einem Nachfolger machen. Bis wieder ein Priester gefunden sei, würde wohl eine Aushilfe einspringen. Als Pfarradministrator amtet er zwischenzeitlich selber.

Seit 2014 in Obbürgen als Pfarrer tätig

Der Priester mit Jahrgang 1970 war seit 2014 Pfarrer in der Pfarrei Obbürgen (Obbürgen war also seine Pfarrei) und als Pfarradministrator auch in der Pfarrei Stansstad und der Kaplanei Kehrsiten tätig. Dies, weil diese keinen eigenen Priester haben. Davor war er zwei Jahre lang Vikar in der Pfarrei St. Peter und Paul in Stans.

Ein Gemeindemitglied stört sich laut dem Kirchenportal an der mutmasslichen Doppelmoral des Priesters. Und an der Haltung mancher Gläubigen. «Unser Diakon macht eine super Arbeit. Trotzdem wollen manche lieber zum Herrn Pfarrer. Wenn die wüssten», zitiert das Kirchenportal.

Das Generalvikariat der Urkantone verwies für Auskünfte auf das Bistum Chur. Dieses wollte wegen des laufenden Verfahrens keine Stellung zum Fall nehmen, auch der Kirchenratspräsident Edi Scodeller nicht. Auf die Frage nach der Lohnfortzahlung des freigestellten Priesters meint er, man halte sich an die gesetzlichen Vorgaben. Weder der Präsident noch der Vizepräsident der Kirchgemeinde Obbürgen waren am Freitag erreichbar. Für den betroffenen Priester gilt die Unschuldsvermutung.