Priestermangel hat Auswirkungen auf Kirchgemeinde Alpnach

In Alpnach tritt der katholische Pfarrer Thomas Meli ab dem 1. August kürzer. Ihn zu ersetzen wird nicht einfach sein.

Markus Villiger
Drucken
Teilen
Thomas Meli, der röm.-kath. Pfarrer in Alpnach tritt im August kürzer und sieht dies als Chance für seine Kirchgemeinde.

Thomas Meli, der röm.-kath. Pfarrer in Alpnach tritt im August kürzer und sieht dies als Chance für seine Kirchgemeinde.

Bild: Robert Hess (Alpnach, 9. Juli 2020)

Wie Kirchgemeindepräsident Daniel Albert auf Anfrage bestätigt, wird der Alpnacher Pfarrer Thomas Meli ab 1. August sein Arbeitspensum auf 50 Prozent reduzieren. Seit Ende März steht er im Pensionsalter und erklärte sich bereit, sein Engagement in Alpnach bis im Frühling 2022 in einem Teilpensum von 50 Prozent weiterzuführen. «Der Kirchgemeinderat ist bereits an der Arbeit, die Zeit nach März 2022 zu planen», sagt der Kirchgemeindepräsident und ergänzt, «anlässlich einer Klausursitzung von Mitte Januar dieses Jahres zusammen mit dem Pfarreirat wurden mögliche Zukunftsszenarien skizziert. Nächstes Jahr ist eine Pfarreisynode geplant – wir nennen es eine Landsgemeinde – an der alle mitreden können. Diese Zusammenkunft findet am Samstag, 13. März 2021 von 08.30 bis 14 Uhr statt».

Kirchgemeindepräsident Daniel Albert betont im Gespräch: «Die Stelle des Pfarrers in knapp zwei Jahren neu zu besetzen, wird eine riesige Herausforderung sein. Wir sind uns dabei bewusst, dass künftig Pfarrei-übergreifende Lösungen in der Seelsorge angestrebt werden müssen. Wir arbeiten bereits jetzt an möglichen Zukunftsszenarien und sind dabei auch für neue Formen offen».

Arbeitsteilung und Wochenendaushilfen

Meli ist seit 2010 Pfarrer in Alpnach. «Es war mir schon länger klar, dass ich nach 37 Jahren des vollen Priesterdienstes in verschiedenen Pfarreien jetzt nach meinen 65. Lebensjahr mein Arbeitspensum reduzieren werde. Die Auswirkungen werden in der Kirche und bei Pfarreianlässen spürbar werden», so Meli, um dann konkret seine Tätigkeit aufzuzeigen: «Ab 1. August werde ich nur noch von Donnerstag- bis Sonntagmittag in der Pfarrei tätig sein. In dieser Zeit werde ich die Arbeiten gemäss eines neu erstellten Pflichtenheftes erledigen. Die Liturgie und Gottesdienstgestaltung teile ich mit Pastoralassistentin Anna Furger. Ganz allgemein werden vermehrt Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung abgehalten.» Der langjährige Aushilfspriester, Pfarrer Freddy Nietlispach, der kürzlich sein 80. Lebensjahr erreichte, ist ebenfalls bereit, bis auf weiteres Wochenendaushilfen in Alpnach zu leisten, aber mit etwas grösseren Unterbrüchen.

«Ich sehe es positiv und als eine Chance. Wir können sie nutzen. Später wird sich Alpnach mit anderen Pfarreien einen Priester teilen. Vertrautes wird sich ändern, das ist vielleicht ein weinendes Auge. Aber das andere wird ein Lachendes sein, denn es entstehen und wachsen immer wieder neues, kreatives Leben, neue Quellen und neue Ressourcen. Diesen Prozessen sollten wir uns nicht verschliessen», betont Pfarrer Meli.

Zukunftsüberlegungen führen zu Umstrukturierungen

Im Rahmen einer Tagung informierte Pfarrer Meli zusammen mit Pfarreikoordinator Felix Koch über mögliche Schritte, wie die Zukunft in der Pfarrei und auch in den anderen Obwaldner Kirchgemeinden gestaltet werden kann. So bildete die Umsetzung des Leitbilds Pfarrei Alpnach auf den 1. Januar 2018 einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Gleichzeitig wurde auch ein Pfarreikoordinator-Modell mit Organigramm umgesetzt. Neu wurde der Pfarreikoordinator in den Kirchgemeinderat gewählt und verschiedene neue Pflichtenhefte erarbeitet. Der Pfarreikoordinator Felix Koch übernimmt die administrative Leitung der Pfarrei und entlastet den Priester in seinen Aufgaben. Diesbezügliche Erfahrungen mit den angestrebten Veränderungen der pfarreilichen Kultur wurden ausgetauscht und in die Zukunftsüberlegungen mit einbezogen.

Im Leitbild wird unter anderem auch ausgeführt, dass die bisher erarbeitete Struktur nicht nur eine Chance ist, sie bildet auch die Vorarbeit für die Zusammenarbeit mit anderen Pfarreien in Obwalden. Erste bisherige Erfahrungen zeigen, dass im bisherigen Vorgehen eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden wurde. Dies bestätigen auch viele Rückmeldungen von kirchlichen Mitarbeitenden. Die Zusammenarbeit im Seelsorgeteam und in den Räten funktioniert und das ist eine erfreuliche Voraussetzung.

Die Pfarrei Alpnach wird die «Nagelprobe» des Modells im Jahr 2022 zu bestehen haben, dann, wenn Thomas Meli als Pfarrer demissioniert und Alpnach verlässt. Um diese Zeit erfolgreich zu gestalten, geht es darum, die diesbezüglichen Vorbereitungen rechtzeitig zu treffen, das heisst die Zukunft der Kirche jetzt an die Hand zu nehmen.