Die Nidwaldner Gemeindekassen klingeln

Die Rechnungen aller Gemeinden schliessen erneut besser ab als erwartet. Corona verhindert vorerst aber Steuersenkungen.

Philipp Unterschütz
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Die Nidwaldner Finanzdirektion hat die Finanzstatistik 2019 der elf Gemeinden veröffentlicht.

Die Nidwaldner Finanzdirektion hat die Finanzstatistik 2019 der elf Gemeinden veröffentlicht.

Bild: Matthias Piazza (Stans, 15. Juni 2020)

«Den Nidwaldner Gemeinden geht es finanziell gut bis sehr gut», fasst der zufriedene Finanzdirektor Alfred Bossard die Auswertung der Rechnungsabschlüsse 2019 der elf Nidwaldner Gemeinden zusammen. Die Statistik der kantonalen Finanzdirektion weist einen operativen Ertrag von total 16,4 Millionen Franken für die elf politischen Gemeinden und die vier Schulgemeinden aus.

Erneut haben alle Gemeinden besser als budgetiert abgeschlossen, 2019 waren es insgesamt 18,9 Millionen Franken. Wie die Finanzdirektion in ihrer Mitteilung schreibt, resultiert die Differenz aus deutlich höheren Einnahmen bei den Nettosteuern (+ 7,6 Mio. Franken), der Grundstückgewinnsteuer (+5,8 Mio.) und aus geringeren Aufwendungen oder weiteren Mehrerträgen (+ 5,5 Mio.).

Alfred Bossard bestätigt auf Nachfrage, dass sich nach den jahrelangen guten und besser als budgetierten Abschlüssen doch bei einzelnen Gemeinden die Frage nach einer Steuersenkung stelle. «Insbesondere in Hergiswil, Ennetbürgen oder Oberdorf, wo ein Nettovermögen vorliegt, wird man sich wohl Gedanken machen, wenn sich die Steuereinnahmen weiter nach oben entwickeln.» Vorerst ist das aber nach Corona kein Thema. «Wir rechnen 2021 und 2022 mit tieferen Steuereinnahmen.» Die Firmen würden schlechtere Ergebnisse erwirtschaften und viele Personen hätten weniger Einkommen, beispielsweise wegen Kurzarbeit oder gar Stellenverlust. «Genauere Prognosen können wir aber erst machen, wenn wir im August die Steuern für das Budget 2021 bearbeiten», so Alfred Bossard weiter.

Finanzdirektor Alfred Bossard (links) und Finanzverwalter Marco Hofmann.

Finanzdirektor Alfred Bossard (links) und Finanzverwalter Marco Hofmann.

Bild: Dominik Wunderli (Stans, 20. März 2019)

Hergiswil bleibt Spitzenreiter

Alle Gemeinden ausser Oberdorf und Wolfenschiessen können laut der Finanzstatistik ein positives operatives Ergebnis ausweisen, dabei belegt Hergiswil mit 6 Millionen Franken den Spitzenplatz im Kanton. Die Gemeinden Ennetbürgen und Stans weisen mit 2,5 respektive 2,3 Millionen ebenfalls ein sehr hohes operatives Ergebnis aus. Das Eigenkapital aller Gemeinden erhöht sich um insgesamt 16,5 Mio. auf 255,2 Mio. Franken.

Die Nettoinvestitionen betragen 40,9 Millionen, und liegen um 1,7 Prozent über dem Vorjahr. Gegenüber den Budgets sind es jedoch nun 5,3 Millionen Franken tiefere Investitionen. Die Selbstfinanzierung erhöht sich gegenüber dem Vorjahr um 200000 Franken auf 40,2 Millionen Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad aller Gemeinden beträgt 98,2 Prozent (Vorjahr: 99,4 Prozent).

Pro-Kopf-Verschuldung hat leicht zugenommen

Die Verschuldung der Gemeinden liegt im Durchschnitt bei 924 Franken pro Person, im Vorjahr waren es 891 Franken. Die Nettoschuld pro Person erhöhte sich also gegenüber dem Rechnungsjahr 2018 um 33 Franken pro Einwohner. Die drei Gemeinden Hergiswil, Ennetbürgen oder Oberdorf weisen ein Nettovermögen aus, während die übrigen acht Gemeinden eine Nettoschuld haben. Eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr erzielten Buochs, Emmetten, Ennetbürgen, Ennetmoos, Stans und Stansstad.

Nidwalden: Nettoschuld pro Einwohner

(in Franken)
Gemeinde Jahr 2019 Wertung der Verschuldung Veränderung zum Vorjahr
Beckenried 3242 Hohe 27.2%
Buochs 1794 Mittel -8.1%
Dallenwil 1871 Mittel 37.6%
Emmetten 3790 Hohe -19.7%
Ennetbürgen –1443 Vermögen 38.7%
Ennetmoos 353 Gering -99.2%
Hergiswil –1158 Vermögen -75.8%
Oberdorf –468 Vermögen -7.5%
Stans 1131 Mittel -31.7%
Stansstad 134 Gering -188.0%
Wolfenschiessen 6530 Sehr gross 8.2%
Durchschnitt 924 Gering 3.5%

Auffällig sind (siehe Tabelle) die Gemeinden Beckenried, Emmetten und Wolfenschiessen, die hohe Verschuldungen aufweisen, das heisst über 2500 Franken pro Person. In Wolfenschiessen würden laut Alfred Bossard nach einer Steuersenkung weniger Steuern eingenommen, Investitionen müssten aber trotzdem getätigt werden. «Wir werden im Auge behalten, ob die Strategie aufgeht.» In Beckenried und Emmetten seien grosse Investitionen für die steigende Nettoverschuldung verantwortlich, in Emmetten beispielsweise für die Wasserversorgung. Die Werte würden in den beiden Gemeinden künftig wieder sinken.

Auswirkungen auf den innerkantonalen Finanzausgleich werden diese Zahlen nicht haben. «Die Rechnung 2019 ist für den Finanzausgleich 2021 massgebend, welcher vor kurzem den Gemeinden mitgeteilt wurde und im Jahr 2021 zur Auszahlung kommt», sagt Alfred Bossard.

Die detaillierte Finanzstatistik kann unter www.nw.ch (→ Dienste → Dienstleistungen → Gemeindefinanzstatistik) abgerufen werden.

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