Reformierte Kirche Nidwalden: Politische Themen sorgen für Zündstoff

Der Kirchenrat der Reformierten Kirche steht in der Kritik. Viele unterstützten ihn allerdings in seinem Entscheid, die Novemberausgabe der Kirchen-News zu stoppen.

Richard Greuter
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Die Reformierte Kirche in Buochs.

Die Reformierte Kirche in Buochs.

Bild: Ruedi Wechsler, (Buochs 26. November 2019)

Insgesamt 50 Personen nahmen an der gut besuchten Herbstversammlung der Evangelisch-reformierten Kirche Nidwalden teil. Dabei standen brennende Fragen im Mittelpunkt. Darf sich die Kirche zu politischen Themen äussern? Oder hat die Kirche zu schweigen, auch wenn Themen, welche die Menschlichkeit betreffen, auf der politischen Agenda stehen?

Bekanntlich hat der Kirchenrat die Auslieferung der Novemberausgabe der Kirchen-News gestoppt und sich dabei einige Kritik eingehandelt. In der Ausgabe wurde auch die Konzernverantwortungsinitiative behandelt. Am Schluss der Budgetversammlung erläuterte Präsident Wolfgang Gaede die Gründe, die zum Auslieferungsstopp geführt haben. Dabei hielt Gaede fest:

«Der Beschluss wurde vom Kirchenrat mehrheitlich gefällt.»

Das Einstampfen der Kirchen-News: «Ein Sündenfall»

Dafür musste sich der Kirchenrat letzten Montag im Öki in Stansstad einiges gefallen lassen. Delf Bucher, der für die Zürcher Redaktion der Reformierten Kirche arbeitet, vertrat in einer längeren Rede die Sicht, dass sich die Kirche durchaus politisch äussern dürfe, auch wenn dies nicht allen gefalle. Dabei kam der Historiker, der in Nidwalden im Landrat sitzt, auf die Reformation vor 500 Jahren zu sprechen und kam zum Fazit: «Das ist die politische DNA, dass Politik und Religion zusammen gehören.» Unterstützung erhielt er von Niels Fischer aus Hergiswil. Fischer verwies in seiner Äusserung auf das Redaktionsstatut und sagte gleich am Anfang seiner Kritik: «Das Einstampfen der Kirchen-News ist ein Sündenfall.» Er verwies auf die Unabhängigkeit des Redaktors und hielt das Ganze für eine Zensur.

Evangelisch-reformierte Kirche muss den Gürtel enger schnallen

Da für zurücktretenden Kirchenrat Peter Joos keine Nachfolge in Sicht ist, bleibt der Sitz derzeit vakant. Im Budget für das neue Jahr rechnet der Kirchenrat mit weniger Steuereinnahmen und einem Mehraufwand von 231'202 Franken. Den Erläuterungen von Rahel Rutz zufolge sinkt der Steuerertrag gegenüber dem letzten Budget von rund 2,7 Millionen auf etwas weniger als 2,3 Millionen Franken. Die Fiskaleinnahmen der natürlichen Personen sinken um knapp 340'000 und die der juristischen Personen um 40'800 Franken.

Etwas höher budgetiert sind die Personalkosten der kantonalen Verwaltung um 23'500 Franken. Ein Grund sieht Rutz beim Religionsunterricht, wo mehr Kinder zur Schule gehen. Mit höheren Ausgaben im Umfang von 18'200 Franken rechnen auch die Gemeindekreisverwaltungen Stans und Buochs. Von tieferen Personalkosten gehen die drei Kirchenkreise Hergiswil, Buochs und Stans aus. Da Präsident Gaede für das Jahr 2023 bessere Fiskalerträge erwartet, bleibt der Steuerfuss auf 0,26 Einheiten. (rg)

«Das mit der Unabhängigkeit ist gut, aber die Reklamationen landen beim Kirchenrat», entgegnete Wolfgang Gaede in einer kurzen Stellungnahme. Später erläuterte die ehemalige Kirchenrätin Ursula Feitknecht die Entstehungsgeschichte der Nidwaldner Kirchen-News. Der Grund, dass sich die damalige Arbeitsgruppe für eine Nidwaldner Lösung entschied, war, dass man über Nidwaldner und nicht über Schweizer Themen berichten wolle. Dabei erinnerte sie an einen Kirchenratsentscheid: «Dass man keine Politik in den Kirchen-News behandeln soll.» Wenn sich die Kirchen-News zu politischen Themen äussern wolle, müsse man diesen Beschluss aufheben, so Feitknecht. Warum dieser Beschluss nicht in das Redaktionsstatut floss, blieb unklar.

Politik soll das Leben der Menschen verbessern

Für die Reformierte Engelberger Pfarrerin Ruth Brechbühl war die Politik schon bei den alten Griechen dazu da, dass das Leben in der Stadt für alle möglichst gut ist. «Wenn die Kirche sagt, wir wollen nichts damit zu tun haben, dass es uns gut geht, frage ich mich: Wo ist die Botschaft von Jesus von Nazareth?»

Unter den Mitgliedern war auch eine schweigende Mehrheit auszumachen, die den Kirchenrat unterstützen. Niels Fischer verlangte nämlich eine Konsultativabstimmung über dessen Entscheid. Mit 20 Nein und 7 Ja-Stimmen beschloss die Versammlung, darauf zu verzichten. Im kommenden Februar können sich Mitglieder in einer Umfrage zur künftigen Ausrichtung der Kirchen-News äussern.