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REGION: Tourismusexpertin zum Bürgenstock-Resort: «Zum Glück gibt es solche Mäzene»

Morgen ist es so weit. Nach neun Jahren Planungs- und Bauzeit geht das Bürgenstock-Resort auf – zumindest ein erster Teil. Tourismusexpertin Hanna Rychener Kistler sagt, weshalb die Rechnung nicht nur für die Katarer aufgehen wird.
Dominik Buholzer
Blick in ein Zimmer des Palace Hotel auf dem Bürgenstock, das ab morgen auch für Individualgäste offen ist. (Bild: Gabriel Ammon (13. Feburar 2017))

Blick in ein Zimmer des Palace Hotel auf dem Bürgenstock, das ab morgen auch für Individualgäste offen ist. (Bild: Gabriel Ammon (13. Feburar 2017))

Interview: Dominik Buholzer

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

Frau Rychener Kistler, auf dem Bürgenstock nimmt der erste Bereich des Resorts seinen Betrieb auf. Eine Erfolgsgeschichte?

Dieses Grossprojekt hat bestimmt Potenzial für eine Erfolgsgeschichte, auch wenn das Resort ausserordentliche Herausforderungen zu stemmen hat. Aber ­­­auf lange Sicht ist es sicherlich er­folgversprechend dank seinem aussergewöhnlichen und einzigartigen Gesamtkonzept.

Ein Teil des Resorts kann nicht wie geplant am Montag eröffnet werden, sondern erst mit zweiwöchiger Verspätung. Wir dies langfristige Folgen haben?

Solche Situationen sind im Moment natürlich sehr unglücklich und insbesondere für die betroffenen Gäste schlecht. Aber bei so grossen Bauprojekten kann es halt leider manchmal so geschehen. Langfristig wird dies nicht wirklich ins Gewicht fallen. Das wird vergessen.

Im Vorfeld bekundeten die Betreiber Mühe, genügend Personal zu finden. Dies ist nicht gerade ein gutes Omen.

Grundsätzlich sollte man die schwierige Personalrekrutierung auf keinen Fall mit einem künftigen Erfolg vermischen. Aber es ist tatsächlich so, dass einerseits sicherlich die spezielle Lage die Personalsuche schwierig macht, andererseits hinzu kommt, dass die Rekrutierung ausländischer Mitarbeitender so stark eingeschränkt wird durch unsere Gesetzgebung. Wir kommen aber ohne ausländische Arbeitskräfte in unserer Schweizer Hotellerie schlichtweg nicht aus.

Anders beim Publikum: Dort ist das Interesse am Resort derzeit sehr gross. Ist dieses auch nachhaltig?

Ich denke schon, denn das Management hat gute Grundlagen geschaffen für einen nachhaltigen Erfolg. Es hat vor allem einen spannenden Mix realisiert mit den fünf Segmenten Erholung, Genuss und Entspannung – Gesundheit – Beauty und Wellness – Golf – Geschäftsreisen. Dies wird noch ergänzt mit dem Geschäft der Tagesgäste.

Was macht den Bürgenstock so reizvoll: Ist es seine Lage oder in erster Linie seine Geschichte mit all den Stars, die früher mal auf dem Berg Ferien machten?

Die Lage ist auf jeden Fall einmalig, sie hatte schon immer ihren Reiz und behält diesen auch weiterhin. Auch der geschichtliche Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Dieser muss unbedingt stimmig in Szene gesetzt werden. Es gibt dazu ja auch bereits eine beträchtliche Sammlung von Dokumenten und Objekten und auch das Swiss Tourism Heritage, das Hotelarchiv Schweiz, ist involviert.

Bis zur Fertigstellung des Resorts werden insgesamt 550 Millionen Franken investiert sein. Lässt sich eine solch grosse Summe wieder einspielen beziehungsweise kann der Bürgenstock jemals rentabel sein?

Das ist eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Sicherlich wird der Bürgenstock eine Wertsteigerung erfahren. Aber ein Renditeobjekt wird es wahrscheinlich kaum werden können. Dieses Phänomen kennen wir aber von vielen Prestige-Fünf-Sterne-Häusern. Diese brauchen in der Mehrheit der Fälle einen Mäzen, der die Finanzierung sichert – zum Glück gibt es diese! Aus eigener Wirtschaftlichkeit haben es solche Objekte schwer, zu existieren.

Was macht den Bürgenstock für einen Staatsfonds wie jenen aus Katar denn so interessant?

Eine solche Geldanalage ist für ausländische Investoren ein hoher und sicherer Wert. Aber die konkrete Antwort müssten Ihnen dazu die Geldgeber aus Katar wohl selber geben.

In der Stadt Luzern setzt man grosse Hoffnungen in den Bürgenstock. Touristiker versprechen sich neue Impulse. Sind die Erwartungen gerechtfertigt?

Ja, auf jeden Fall. Luzern wird vom Ausbau des Bürgenstocks profitieren. Dieser neue Leuchtturm wird viele Gäste in die Zentralschweiz locken.

Welche Gäste kann ein solches Luxusresort anziehen?

Das Resort wird die Gäste aus den Segmenten Genuss, Erholung, Golf, Gesundheit, Wellness, Geschäftsreisen anziehen – national und international. Die Quellmärkte werden deshalb je nach Segment aus der Schweiz, aus Europa, aus dem arabischen Raum, aus dem Fernen Osten, eventuell auch aus dem amerikanischen Raum kommen.

Neben Hotelgästen will der Bürgenstock auch im Mice-Bereich, als Geschäftsreisemarkt, aktiv sein. Eine Chance? Oder anders gefragt: Gibt der Markt genügend her?

Insbesondere zu Beginn wird der Bürgenstock ein gefragter Standort für den Mice-Bereich sein. Die Lage sowie das breite Angebot bieten sich dafür an und bieten gleichzeitig auch hohe Sicherheit. Wenn dies professionell geführt wird, dann ist es auch langfristig erfolgversprechend.

Hinweis

Hanna Rychener Kistler ist Direktorin der Höheren Fachschule für Tourismus. Diese ist in Zürich und Lausanne zu Hause.

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