Corona zum Trotz
Hier isst man quasi im Wohnzimmer: Restaurant in Stansstad erhält einen Guide-Michelin-Stern

Seit vier Jahren führen Christoph Aebersold und Agron Tunprenkaj das Restaurant Uniquisine in Stansstad. Offenbar erfolgreich, denn zu Beginn dieses Jahres wurden sie mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet – trotz speziellem Restaurantkonzept.

Kristina Gysi
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Die Zweifel in der Öffentlichkeit waren gross, dass dieses Konzept funktionieren würde. Ein Restaurant im Mini-Format, vier Tische in einem Lokal, das mehr an ein Wohnzimmer als an eine Speisestätte erinnert. Das Angebot besteht aus zwei Menus, einem Fünf- und einem Sieben-Gänger im oberen Preissegment. Dazu gibt's einen von rund 150 verschiedenen Weinen. Gekocht wird im «Uniquisine» in einer offenen Küche. Die Gäste können also dabei zusehen, wie ihr Essen zubereitet und angerichtet wird. Dinge wie «das wird nicht ziehen» hörten Koch Christoph Aebersold und Gastgeber Agron Tunprenkaj oft genug. Und trotzdem: Seit Februar steht nun ein Guide-Michelin-Stern auf der Kommode im Eingangsbereich des Lokals.

Agron Tunprenkaj (links) und Christoph Aebersold in der offenen Küche von Uniquisine in Stansstad.

Agron Tunprenkaj (links) und Christoph Aebersold in der offenen Küche von Uniquisine in Stansstad.

Bild: PD

«Wenn man etwas wirklich gerne macht und viel Zeit investiert, dann funktioniert es in der Regel auch», sagt Aebersold. Dereinst einen Michelin-Stern zu erkochen, war schon lange ein Ziel von ihm. An erster Stelle stünde jedoch immer die Zufriedenheit der Gäste. Alles andere klappe dann schon. «Die Freude über den Guide-Michelin-Stern ist natürlich riesig.» Und kam nach der coronabedingt harzigen Zeit im Gastro-Gewerbe wahrscheinlich gerade recht. «Auch wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie es wohl weitergeht», so Aebersold. Zuversichtlich blieben Tunprenkaj und er trotzdem immer. Und so überstand Uniquisine die Krise dank Erspartem und einer Menge Optimismus.

Saisonal einkaufen für den guten Geschmack

Seit etwas mehr als einer Woche empfangen die beiden nun wieder Gäste. Bisher läuft es «okay», sagt Aebersold. Der Koch ist sich eigentlich mehr gewohnt. «Wir sind im zweiten Lockdown wohl ein wenig in Vergessenheit geraten.» Oder zu teuer? Laut Aebersold eine berechtige Frage, die er jedoch verneinen kann. Schliesslich mache Uniquisine alles selbst.

Vom Brot bis zu den Pralinés, die zum Kaffee serviert werden, stammt alles aus der eigenen Küche. Der Michelin-Stern steht ja nicht umsonst im Flur. «Die vielen investierten Stunden und die hochwertigen Zutaten rechtfertigen unsere Menupreise», so Aebersold. Eingekauft wird nachhaltig und, wenn möglich, regional. Massentierhaltung und -fischerei werden strikt abgelehnt. «Wir achten vor allem darauf, saisonal zu kochen. Nur dann haben die Produkte den richtigen Reifegrad und den richtigen Geschmack.» Das spiegle sich dann auf dem Teller wider.

Die Gäste sehen das wohl ähnlich, denn Aebersold ist überzeugt davon, dass der Guide Michelin durch Kundenempfehlungen überhaupt auf das Restaurant aufmerksam geworden ist. «Wir gehen davon aus, dass uns mehrere Inspektoren des Guides Michelin besuchten, bis man entschieden hat, dass wir einen Stern verdient haben.» Folgt man dem entsprechenden Link auf der Website von Uniquisine, landet man auf jener des Hotel- und Reiseführers. «Ein Michelin-Stern: eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert!» steht da. Und, dass das Restaurant seinem Namen gerecht werde. «Unique» – einzigartig – sei Uniquisine auf jeden Fall.