Rom
Schweizergarde lädt Nidwalden als Gastkanton ein – für 150'000 Franken

2022 soll Nidwalden Gast an der Vereidigungszeremonie der Schweizergardisten in Rom sein. 150'000 Franken will die Regierung dafür ausgeben. Der Landrat muss den Segen geben.

Florian Arnold/Matthias Piazza
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Die Päpstliche Schweizergarde wählt seit 2008 jedes Jahr einen Gastkanton für die Vereidigungszeremonie der neuen Gardisten. Für 2022 fällt diese Ehre Nidwalden zu, wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte. Die Feierlichkeiten finden am 6. Mai 2022 statt. «Die Anfrage ehrt uns sehr. Einerseits haben schon zahlreiche Nidwaldner als Gardisten dem Papst in Rom gedient, andererseits könnten wir als Gastkanton einen Teil der Vereidigung aktiv mitgestalten und so den Besuchern unseren Kanton ein Stück näherbringen», hält Regierungsrätin Karin Kayser fest. Zudem habe die Schweizergarde ihren Anfang auch in der Urschweiz genommen. Stolz erwähnt sie auch, dass ein Nidwaldner Unternehmen die Gardistenhelme produziert.

Impressionen der Vereidigung 2015.

Impressionen der Vereidigung 2015.

Bild: Schweizergarde Vatikan

Unter der Federführung der Justiz- und Sicherheitsdirektion wurde ein Konzept für den Besuch als Gastkanton am sogenannten Sacco di Roma 2022 erarbeitet. Neben dem offiziellen Anlass in Rom sollen bereits im Jahr vorher verschiedene Veranstaltungen zum Thema stattfinden.

Nidwalden zahlt 50'000 Franken mehr als Obwalden damals

Für den Anlass, an dem Nidwalden das erste Mal teilnehmen darf, beantragt der Regierungsrat dem Landrat einen Objektkredit in der Höhe von 150'000 Franken. «Der Betrag basiert auf Erfahrungswerten anderer Kantone, die zwischen 100'000 und 180'000 Franken ausgaben.» Mit 150'000 Franken zahlt Nidwalden allerdings 50'000 Franken mehr als der Kanton Obwalden, der 2017 Gastkanton war. Auch der Kanton Luzern, der 2018 zum zweiten Mal Gast war, investierte damals «nur» 100'000 Franken (beim ersten Mal allerdings 180'000 Franken). «Wir wollen mit dem Anlass möglichst viele Nidwaldnerinnen und Nidwaldner erreichen und die Möglichkeit schaffen, dass viele Leute vor Ort und zu Hause virtuell oder auch an Begleitanlässen in Rom oder Nidwalden den Feierlichkeiten in Rom beiwohnen können», begründet Karin Kayser den höheren Betrag. Das Grobprojekt stehe und die Details würden nach der Kreditgenehmigung ausgearbeitet.

So sollen zum Beispiel der Bevölkerung Reisepakete durch Reisebüros angeboten werden, welche Zugang zu Führungen, Anlässen und An- und Rückreise zu moderaten Konditionen ermöglichen. Weiter sind im Jahr 2021 verschiedene Anlässe zum Thema im Kanton Nidwalden vorgesehen. Zudem sei in Abklärung, ob digitale Übertragungen beispielsweise in Altersheimen, Restaurants und Schulen möglich sind. Fest stehe auch, dass eine Nidwaldner Musikformation mitkomme, was jedem Gastkanton zustehe. Noch ist unklar, wer dies sein wird. Für Obwalden sang damals der Jodlerklub Flüeli-Ranft im Petersdom. Auch Zug und Schwyz waren schon Zentralschweizer Gastkantone.

«Reise nach Rom ist nicht einfach ein Regierungsgeschäft»

Bis 200'000 Franken darf die Nidwaldner Regierung selber über Ausgaben verfügen. Trotzdem legt sie den Kredit dem Landrat an seiner übernächsten Sitzung vom 3. Februar 2021 vor. «Die Reise nach Rom ist nicht einfach ein Regierungsgeschäft. Wir wollen, dass dieses Engagement breit abgestützt ist und begrüssen somit die Diskussion im Landrat», begründet Karin Kayser diesen freiwilligen Akt.

Und Corona? «Ich glaube, gerade in dieser schwierigen Zeit sind solche Lichtblicke wie der Besuch der Schweizergarde wichtig. Auf Vorrat sämtliche Anlässe auf Eis zu legen, wäre falsch. Wir wollen Zuversicht vermitteln und vorleben.»

Der 6. Mai ist als Sacco di Roma (Plünderung Roms) in die Geschichte eingegangen, weil 1527 eine Heerschar von Angreifern Rom und den Kirchenstaat angriffen. Rund 190 Gardisten verteidigten unter grossen Verlusten den damaligen Papst Clemens VII. und ermöglichten seine Flucht in die Engelsburg. Die Aufgabe der Schweizergarde besteht auch heute noch darin, den Papst zu beschützen. Dabei sichern sie den Apostolischen Palast und die Zugänge zur Vatikanstadt.

Die landrätliche Finanzkommission wollte sich am Freitag auf Anfrage noch nicht zum Geschäft äussern.