Sarajevo als Sportler-Highlight

Walter Hurschler aus Grafenort kämpfte auf Schanze und Loipe um Punkte. Und dies nicht immer unter optimalen Bedingungen.

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Walter Hurschler sichtet in seinem Heim in Grafenort Bilder mit alten Erinnerungen. (Bild: Franz Hess / Neue NZ)

Walter Hurschler sichtet in seinem Heim in Grafenort Bilder mit alten Erinnerungen. (Bild: Franz Hess / Neue NZ)

«Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo war für mich mein grosses Sportlererlebnis in meinen Leben - trotz nicht optimaler Betreuung durch den schweizerischen Skiverband», erinnert sich Walter Hurschler aus Grafenort. Aber besonders betrübe ihn, dass diese schöne Olympiastadt im Balkankrieg praktisch zerstört worden sei - und mit ihr auch die Schanze, «auf welcher wir damals sprangen».

Gerade in jener Zeit, als die schweizerischen Nordisch-Kombinierer auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt waren, kämpfte der Grafenörtler Walter Hurschler auf Schanze und Loipe um Punkte. In der Langlaufloipe gehörte der auf der Liegenschaft «Hasenmatt» (Grafenort) Aufgewachsene zu den schnellsten Hasen. Auf der Schanze kämpfte er immer wieder mit den Tücken und den verschiedenen Eigenschaften der Sprunganlagen.

Familie als grosser Förderer

Sein erstes Langlaufrennen bestritt der heute 53-Jährige in der zweiten Klasse am Bannalper Klubrennen. «Die Skis und Schuhe, mit Schuhnummer 44, erhielt ich damals vom ‹Englerz-Sepp› vom Altzellerberg. Zu den Langlaufrennen animierten mich damals meine sportbegeisterten Onkel und meine älteren Brüder», erzählt der sympathische Forstwart aus Grafenort. In der vierten Klasse animierte ihn der Stanser Sportförderer Sigi Zwyssig, in Engelberg an einem Skispringen teilzunehmen. Dieser Abstecher faszinierte den jungen Walter Hurschler so, dass er sich zukünftig der Disziplin «nordische Kombination» zuwandte. In der siebten Klasse beteiligte er sich erstmals an den JO-Schweizer-Meisterschaften im Obergoms und errang in der nordischen Kombination, hinter Ernst Hischier, gleich den zweiten Rang. Im Anschluss wurde er dann vom Schweizer Skiverband als 15-Jähriger ins Kader aufgenommen.

1979 wurde der Grafenörtler Junioren-Schweizer-Meister. Im Jahre 1983 (Kandersteg) und 1984 (Täsch) folgten dann die beiden nationalen Titel bei den Aktiven. 1982 erfolgte die Selektion für die nordischen Ski-Weltmeisterschaften am Holmenkollen im norwegischen Oslo. Unter der eindrücklichen Kulisse der nordischen Begeisterung errang er damals den 19. Schlussrang (11. Rang im Langlauf) in der nordischen Kombination sowie den 6. Rang im damals erstmals ausgetragenen Team-Wettkampf der Kombinierer, zusammen mit Ernst Beetschen und Karl Lustenberger. Zusätzlich wurde er noch im Team-Springen der Spezialspringer eingesetzt, zusammen mit Hansjörg Sumi und Benito Bonetti.

Die Tücken der Lüfte

Auf der Schanze kämpfte Walter Hurschler immer wieder mit den Tücken der Lüfte, aber im Langlauf gehörte er zu den Besten der Kombinierer und konnte damit immer wieder viel Terrain gutmachen. Im Jahre 1984 kam für den Grafenörtler der Höhepunkt seiner Sportkarriere. Zusammen mit seinen beiden alpinen Klubkameradinnen, Erika und Monika Hess, wurde er für die Olympischen Spiele in Sarajevo nominiert. «Ich wusste lange nicht, ob ich gehen kann oder nicht, obwohl ich in meiner besten Langlaufform war. Ich hatte zweimal die Selektionskriterien erfüllt und zweimal nicht. Beim letzten Wettkampf in Oberwiesenthal, vor den Spielen, gab ich kurz vor dem Ziel, läuferisch in guter Position, mein einziges Rennen in meiner Karriere auf, um meine Selektion aufgrund des mässigen Springens nicht zu gefährden. Meine Taktik klappte, und ich war in Sarajevo dabei», erinnert sich Walter Hurschler.

An den Spielen sei er damals der einzige Nordisch-Kombinierer der Schweiz gewesen und habe im Springen eine äusserst schlechte Betreuung gehabt. «So ging ich um 9 Uhr zur Schanze und sah bis um 17 Uhr keinen Schweizer Betreuer, der mich bei den schwierigen Bedingungen unterstützt hätte. Dementsprechend fiel auch meine Sprungleistung aus.» Im Langlauf wurde er dann vom Langlauftrainer Hansueli Kreuzer optimal betreut, lief das beste Langlaufrennen seiner Karriere und wurde Vierter. Als der Finne Juko Karjalainen, welcher das Langlaufrennen überlegen gewann und wegen Doping disqualifiziert wurde, wurde Walter Hurschler gar Dritter. Insgesamt wurde er damals im 26. Rang klassiert. Aufgrund der Tatsache, dass in der nordischen Kombination 1984 nicht alles richtig klappte, wurde im Nachgang die Unterstützung der nordischen Kombination verbessert, und unter dem neuen Chef, Leo Schnider, wurde Hippolyt Kempf dann 1988 bekanntlich Olympiasieger.

Es folgte eine Seilziehkarriere

Nach dem Rücktritt nach den Olympischen Spielen in Sarajevo betätigte sich Walter Hurschler noch zehn Jahre als Seilzieher beim Seilziehklub Engelberg, bei dem er noch je einmal Klub-Weltmeister und -Europameister wurde. Im Jahre 1984 gründete der gelernte Forstwart zusammen mit seinen beiden Brüder Sepp und Paul das Forstunternehmen Hurschler Forst AG. 1985 verheiratet er sich und lernte das Familienleben kennen.

Heute gilt seine Hingabe besonders den Bergtouren und Skitouren. Die nordische Kombination interessiert ihn immer noch sehr, besonders wegen der beiden Burschen (Seppi und Andreas Hurschler) von Bruder Sepp, welche in seine Fussstapfen traten und wieder an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen die Schweiz vertraten.

Nachdem er mehrere Jahre als Schanzenchef beim Weltcup-Skispringen in Engelberg amtete, ist er heute noch im OK des Biathlon-Kitz-Cup von Engelberg tätig.

Franz Hess / Neue NZ

Hurschler an den Hollmenkollen-Spielen in Oslo. (Bild: PD)

Hurschler an den Hollmenkollen-Spielen in Oslo. (Bild: PD)