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SARNEN: Diese Kunst ist auch ein Sport

Wer den Fahnenschwingern beim Training zuguckt, staunt: Pilatusstich, Wellenberger oder Rigihoch verlangen ihnen alles ab.
Romano Cuonz
Mitglieder der Fahnenschwinger-Vereinigung Obwalden (rechts Obmann Erwin Langensand) trainieren samt Nachwuchs täglich in der Turnhalle. (Bild Romano Cuonz)

Mitglieder der Fahnenschwinger-Vereinigung Obwalden (rechts Obmann Erwin Langensand) trainieren samt Nachwuchs täglich in der Turnhalle. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Der gebürtige Alpnacher Erwin Langensand schaut ganz genau hin. Verfolgt, wie der 13-jährige Alpnacher Nachwuchsfähnler Lukas die Fahne zu einem Pilatusstich in die Höhe wirft. «Wenn vier gestrenge Juroren mit Argusaugen verfolgen, was du mit deiner Schweizer Fahne und dem Körper tust, brauchst du grösste Konzentration», sagt der Könner zum Jungen. Dann, bezogen auf sein eigenes Programm: «Jeder der zahllosen Schwünge muss im Kopf gespeichert sein.»

Zwei Mal pro Woche hartes Training

Erwin Langensand (43) – er führt in Dallenwil einen Schreinereibetrieb – beherrscht die Kunst wie kein Zweiter in Obwalden. An der Schweizer Meisterschaft hat er den 6. Rang belegt. Zurzeit ist Langensand Obmann über 15 aktive Obwaldner Fahnenschwinger. Alle verfolgen sie am Zentralschweizerischen in Sarnen dasselbe Ziel: Sie wollen um die Bestnote kämpfen. Seit das grosse Fest vor der Tür steht, wird in der Sarner Dreifachturnhalle zweimal wöchentlich hart trainiert. Wenn man den Männern nur schon beim Aufwärmen und Dehnen zuschaut, wird einem klar: Fahnenschwingen ist nicht einfach Folklore. Das ist ein harter Sport, der ganz schön in die Knochen geht.

Viele Vorschriften und Stolpersteine

Ohne jeden Zweifel darf Fahnenschwingen auch als Kunst bezeichnet werden. Als eine Kunst, die mindestens ebenso genau reglementiert ist wie etwa Kunstturnen oder Eiskunstlaufen. Erwin Langensand nimmt die rot-weisse Fahne zur Hand. «Dies ist unser Sportgerät», sagt er, «eine quadratische Schweizer oder Kantonsfahne ohne jeden Schnickschnack.» Das Tuch – es sei meist aus Seide – messe 1,20 auf 1,20 Meter. Der Stiel dagegen sei äusserst kurz. «Kein Kinderspiel, damit die grosse Fahne unter Kontrolle zu behalten», meint der Könner. Doch die eigentliche Schwierigkeit seien die zahllosen Vorschriften und Stolpersteine.

In der Tat! Zum Wettkampf muss sich der «Fähnler» in einen markierten Kreis begeben: innerer Durchmesser 60 Zentimeter, äusserer 150 Zentimeter. Diesen Kreis darf er während des drei Minuten dauernden Programms nicht verlassen. Nun beginnt er bei Volksmusik – diese hat allerdings nur Begleitfunktion – seine drei Minuten dauernde Kür. Zu Beginn stehen 30 Punkte auf seinem Konto. Jeder Schwung muss beidseitig ausgeführt werden. Wiederholungen sind nicht gestattet.

Fallenlassen ist schwerer Fehler

Bei jedem Fehler ist einer der 30 Punkte weg. Und Fehlermöglichkeiten gibt es wahrlich zuhauf: Schwer wiegt das Fallenlassen der Fahne. Aber auch Aufschlagen der Stockspitze, Laufen, Verwickeln oder Berühren des Fahnentuchs, Nachgreifen, Körperdrehungen, Streifen am Körper oder am Boden lassen die Punkte schwinden, und die Note wird schlechter. Kommen das Tempo, die Fahnenführung, die Höhe der Schwünge dazu. Schliesslich werden von den gestrengen Juroren auch Gesamteindruck, Aufbau und Schwierigkeitsgrad des Programms bewertet. «Wer da am Schluss noch Note Eins hat, darf stolz auf sich sein», sagt Erwin Langensand.

Geduld, Kondition und Training

Im Reglement sind im Ganzen gegen 100 verschiedene Schwünge, Kombinationen und Zuwürfe für Duette aufgeführt. Genau beschrieben auch. Franz Wallimann (55) aus Alpnach – er war 1993 Gründungsmitglied der Fahnenschwinger-Vereinigung Obwalden – kennt ihre oft lautmalerischen Namen: «Unterwaldner Unterschwung, Kniekehlenwelle, Glarnerstich, Mühlirad, Daumenschwung, Schnecke, Weggiser Dächli, Rigihoch oder Kniekehlenländer heissen sie etwa», schmunzelt er. Und freut sich, wenn er sieht, wie der Nachwuchs sich grösste Mühe gibt, das eine oder andere Kunststück zu erlernen.

Auch im Ausland oder im Fernsehen

Neben Lukas, der seinen ersten Auftritt hat, sind auch Pascal (13) aus Kerns, Sämi (11) aus Kägiswil, ja gar Tatjana (9) aus Kerns als einziges Mädchen in Sarnen mit dabei. «Neu dürfen ja auch Frauen in der Tracht, aber mit Hosen, Fahnen schwingen», schmunzelt Franz Wallimann. Und er schwärmt: «Dank diesem schönen Hobby kam ich nach Brasilien, Kanada, Holland und Deutschland.» Kollege Erwin Langensand durfte gar schon am Fernsehen auftreten.

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