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SARNEN: Er hängt an der Kapitänsmütze

Mit Wasser hatte Franz Weiss schon immer zu tun. Ob als Bub auf der Birs oder als Entwickler von Feuerlöschern. Heute gilt seine Leidenschaft dem MS «Seestern».
Christoph Riebli
Kapitän Franz Weiss am Steuer seines Motorschiffs «Seestern», das auf dem Sarnersee verkehrt. (Bild Christoph Riebli)

Kapitän Franz Weiss am Steuer seines Motorschiffs «Seestern», das auf dem Sarnersee verkehrt. (Bild Christoph Riebli)

Christoph Riebli

Nie um einen lockeren Spruch verlegen, das ist «Seestern»-Kapitän Franz Weiss. «Ich bin kein ‹Rheinschiffer›», sagt er schmunzelnd, «ich bring einfach den Dialekt nicht weg.» Praktisch jeder Obwaldner kennt den gebürtigen Basler mit Kapitänsmütze und -uniform, vom Schulkind bis zur Seniorin. Gerade sie zählen zur treusten Klientel des einzigen Kursschiffes auf dem Sarnersee. «Den Kontakt mit Kindern und neuen Leuten mag ich besonders», erzählt Weiss, «und zwar in genau dieser Reihenfolge». Speziell bei den Kindern beruht die Freude auf Gegenseitigkeit: Wo sonst können sie Einblick in den Führerstand eines Kursschiffes nehmen? Für den Kapitän eine Selbstverständlichkeit. Die Kinder danken es ihm mit strahlenden und staunenden Augen.

Erstes Boot: Lastwagenschlauch

An der Birs in Münchenstein ist der inzwischen 75-Jährige aufgewachsen. «Mein erstes Böötli als Bub war ein Lastwagenschlauch», erinnert er sich. Von einem ehemaligen Schulkollegen kaufte er sich 1975 sein zweites, eine Jolle (Segelboot). Dazu gab es einen Wohnwagen. Und so kam Franz Weiss mit seiner Heidi – bestens bekannt wegen ihrer Kuchen in der Hafenbar – nach Obwalden. Sie mieteten sich im Sarner Lido einen festen Standplatz – «zuvorderst am See» – verbrachten dort praktisch jedes Wochenende. «Dann hat es plötzlich Wurzeln gegeben»: Franz Weiss meint damit den Landkauf in Wilen, wo er 1979 auch baute. Kapitän war er damals jedoch noch nicht.

Im gleichen Jahr, als er zu seinem Segelboot und somit auch an den Sarnersee kam, machte Weiss die Wirteprüfung. Eigentlich ist er gelernter Maschinenzeichner und arbeitete zuvor für diverse Firmen, die allesamt Feuerlöscher oder Sprinkleranlagen konzipierten. Zudem war er viele Jahre Offizier im örtlichen Feuerwehrkorps. Als dann das Restaurant seiner Schwiegereltern im unteren Baselbiet der nächsten Generation verpachtet werden sollte, waren Franz und Heidi Weiss zur Stelle. «Nach dem Motto: Gelöscht wird immer, habe ich umgestellt vom Feuerlöschen zum Durstlöscher.» Er lacht. «Ich war Frontmann und Heidi in der Küche.»

Für Kapitän-Nachwuchs ist gesorgt

Diese Arbeitsteilung haben sie auch in Sarnen durchgezogen, nur zählte zur Frontarbeit fortan auch die Seefahrt. Zum Bootsverleih mit Kiosk (Hafenbar) im Seefeld kamen Franz und Heidi Weiss Mitte der Achtzigerjahre durch enge Kontakte zur Hotelier-Familie Townend («Waldheim» in Wilen). Ebenfalls in diese Zeit fällt der Kauf des «kleinen Seestern», dem Vorgängerschiff des heutigen «Seestern». «Sie sind immer grösser geworden», meint Weiss zu seinen Schiffen: Nach dem Segelboot folgte ein Sportboot mit einem «durstigen» 40-PS-Motor, erst dann die beiden «Sterne».

«Für die sieben Monate, die ich auf dem See unterwegs bin, läuft es gut», meint Weiss zur Passagierfrequenz. «Die Basis der Schifffahrt sind Gesellschaften, Gruppen- und Schulausflüge oder auch unsere Dinner-Ausfahrten.» Bestimmt fügt er hinzu: «Der Fahrplan ist Zugabe.» So komme es schon mal vor, dass er mit dem 60-Plätzer gerade mal eine Handvoll Fahrgäste an Bord habe.

Lebt am und mit Wasser

Für Nachwuchs ist übrigens gesorgt: Seine beiden Enkel Michel (34) und Alain (32) Weiss lernen derzeit für die Schiffprüfung und sollen sich vielleicht schon nächstes Jahr den Posten als «Seestern»-Kapitän teilen. Obwohl sich Franz Weiss schon vor zehn Jahren hätte zur Pension setzen können, ist er noch stets mit viel Herzblut unterwegs. «Ich lebe am und mit dem Wasser. Egal, ob es Hoch- oder Niederwasser hat.» Am Wasser fühle er sich einfach wohl. Und: «Mein erster Blick nach dem Aufstehen gleitet auf den See hinaus.» Sein erster Gedanke: «Mit was für Wetter fahre ich wohl heute?»

Früher hiess es MS «Hörnle»

Übrigens: Das 1963 erbaute Motorschiff Seestern ist an grosses Gewässer gewöhnt. Als MS «Hörnle» war es zuvor auf dem Bodensee für die städtischen Verkehrsbetriebe Konstanz unterwegs. Zwar geht es auf dem Sarnersee schon nur vom Wellengang her gemächlicher zu und her, «Pensionär» ist es hingegen noch lange nicht. Nach der jüngsten Revision in diesem Winter ist es wieder bestens in Schuss.

Hinweis

MS «Seestern»: Fahrplan und Reservationen unter 079 642 95 68 oder www.ms-seestern.ch.

Mit diesem Artikel starten wir unsere Sommerserie «Mit Wasser im Element». Wir stellen dabei Nid- und Obwaldner vor, die in ihrem Beruf oder in der Freizeit massgeblich mit Wasser zu tun haben.

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