SARNEN: Hossli machts wieder auf eigene Faust

Um den «Urfaust» am Kollegitheater rankten sich 1986 viele Geschichten. Bei der aktuellen Reprise mit vielen Ehemaligen ist es kaum anders.

Romano Cuonz
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Die Masken­bildnerinnen Dione Perotti (links) und Bea Schoonwater mit den Akteuren Florian Sulzbach, Nadine Halter, Roland Infanger und Regisseur Adrian Hossli (von links). (Bild Romano Cuonz)

Die Masken­bildnerinnen Dione Perotti (links) und Bea Schoonwater mit den Akteuren Florian Sulzbach, Nadine Halter, Roland Infanger und Regisseur Adrian Hossli (von links). (Bild Romano Cuonz)

«Die Premiere zur in allen Belangen sehenswerten Freilichtinszenierung des ‹Urfaust› durchs Kollegitheater musste Petrus wahrhaft abgerungen werden.» Dies stand am 16. Juli 1986 in der damaligen Zeitung «Vaterland». Heute mag Regisseur Adrian Hossli lachen, wenn er dies liest. «Wegen Dauerregen konnten wir die Premiere nach sechs Verschiebungen erst am Dernièren-Datum ansetzen», erzählt er.

Hosslis Leidenschaft fürs Feuer

Schon damals sei der Urfaust eine kreative Notlösung gewesen. Weil das Theater im Alten Gymnasium renoviert wurde und in der neuen Kantonsschule kein geeigneter Raum zur Verfügung stand, wich der noch frischgebackene Regisseur auf eine Wiese hinter der Kanti aus und inszenierte das wohl einzige Freilichttheater der Kollegibühne. Dazu übersetzte er den «Urfaust» gleich zweifach. Auf Obwaldner Mundart. Und in eine beinahe naiv unschuldige Bildsprache für Schülerinnen und Schüler. «Wahrscheinlich hatte Hossli noch einen Hintergedanken», verrät Florian Sulzbach, der damals als ganz junger Schüler, zusammen mit einem zarten Mädchen, in Auerbachs Keller wild zechen durfte. «Im Freien konnte nämlich Hossli den Zuschauern bei Fackellicht und vielen Feuereffekten, wie er dies so gerne tat, eine Gänsehaut bescheren.»

Wie schon 1986 ist der «Urfaust» – diesmal als Produktion des Theaters Sarnen im Alten Gymnasium – erneut eine rettende Idee von Adrian Hossli. Der mittlerweile pensionierte Regisseur räsoniert: «Nach ihrem Grosserfolg mit ‹Seiler› wollten doch die Sarner mangels zündenden Ideen und Backstage-Mitarbeitern tatsächlich ein Jahr pausieren! Dies, obwohl das Theater schon reserviert gewesen war!»

«Urfaust reloaded»

Bei einem Glas Roten machte Hossli dem Vorstand klar, dass so etwas unmöglich sei. Erneut schlug er den «Urfaust» als genialen «Lückenbüsser» vor. Und – ebenfalls wie seinerzeit – verfolgte Hossli, der allen guten Vorsätzen zum Trotz nochmals selber Regie führt, dabei einen Hintergedanken. Er wollte den «Urfaust» mit möglichst vielen Ehemaligen, die er seinerzeit für die Kollegibühne entdeckt hatte, zu einem neuen, gewaltigen Spektakel machen. «Urfaust reloaded!», kommentiert schmunzelnd der heutige Informatiker Florian Sulzbach.

Diesmal hat ihm Hossli eine Hauptrolle als Mephisto zugedacht. Natürlich sei die Inszenierung 2013 mit «gereiften» Schülerinnen und Schülern von ganz anderem Kaliber als jene von 1986. «Ohne offenes Feuer zwar, dafür mit dem enormen Apparat des Sarner Theaters im Hintergrund!»

Originelle Texte, Musik, Kostüme

«Die einstige Mundartfassung habe ich von A bis Z durchgekämmt», referiert ein restlos begeisterter Adrian Hossli. Mit dem mitspielenden Ur-Obwaldner Willy Zumstein habe er jedes Wort auf seine Echtheit überprüft. Den Saufbrüdern in Auerbachs Keller sei es nun wohl wie 500 «Färlimorä».

«So schön!», kommentiert Hossli und ist überzeugt, dass seine gereimten Knittelverse heute ebenso nahe beim ursprünglichen Goethe wie bei «Älperchilbisprüchen» liegen. Den neuen «Urfaust» spielt übrigens kein Geringerer als Obwaldens neuer Kantonsgerichtspräsident Roland Infanger. «Zu Kollegizeiten war ich einmal Ritter Lanzelot», erzählt er, während ihm Dione Perotti die richtige «Maske» verpasst. «Weil ja Faust neben Medizin, Philosophie und Theologie auch Juristerei studiert hat, lässt sich die Rolle mit meinem heutigen Beruf gut vereinbaren», so Infanger.

«Das Gretchen (Nadine Halter) oder der Kardinal (Laurin Moor) sind im Kollegitheater meine letzten Mohikaner gewesen, nun treten sie in Sarnen wieder auf», schwärmt Hossli. Aber das ist noch nicht alles: Auch den inzwischen weit herum gefragten Lichtdesigner Markus Schürmann hat er damals entdeckt. Und mit dem Musiker Roland von Flüe, der für «Urfaust» eigens Liedern komponiert und das Stück mit musikalischen Geräuschen untermalt hat, arbeitete Hossli schon auf der Kollegibühne zusammen. Ebenso mit der Choreografin Elda Treyer oder der genialen Kostümbildnerin Barbara Medici. «Die Premiere am Samstag wird wohl ein bisschen zu einem Ehemaligentreffen», meint Urs Kafader, der Hossli bei seinem neusten Husarenstreich als Produktionsleiter tatkräftig unterstützt. Auch er – wie könnte es anders sein – ist ein Ehemaliger!

Hinweis

Theater Sarnen,«Urfaust»: 12. Oktober bis 2. November im Kollegitheater Altes Gymnasium Sarnen. Infos: www.theater-sarnen.ch